Keiner soll verlorengehen

Minister Tonne bei BBS-Soltau zum Thema „Brücke in Ausbildung“

Keiner soll verlorengehen

Kein Jugendlicher soll verlorengehen auf dem Weg von der Schule in den Beruf. Landkreis Heidekreis und Berufsbildende Schulen (BBS) Soltau haben sich dies schon seit langem auf die Fahnen geschrieben. Auch das Projekt des Landes „Brücke in Ausbildung“ soll Jugendlichen ohne Ausbildungsvertrag helfen, noch in diesem Jahr einen Ausbildungsplatz zu finden. Am vergangenen Montag nun schaute Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne vorbei, um sich über die Umsetzung des Projektes an den BBS Soltau zu informieren.

Um dem Minister ein Bild von der Lage auf diesem Sektor zu geben, hatte Leiterin Gaby Tinnemeier nicht nur Vertreterinnen und Vertreter der BBS, sondern auch anderer Schulen, des Landkreises sowie der Agentur für Arbeit Celle, der IHK Lüneburg-Wolfsburg und der Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide eingeladen.

Tinnemeier betonte, der Heidekreis sei Bildungsregion. So seien Bildungsthemen an den BBS implementiert worden, „die wir anwenden und weiterentwickeln.“ Mit Blick auf die zahlreichen Möglichkeiten und ihre Vernetzung, so die BBS-Leiterin, „müsste es eigentlich ‚Brücken in Ausbildung‘ heißen.“ So wusste BBS-Abteilungsleiter Lutz Behrendt, seit neun Jahren für die Berufsorientierung zuständig, nur Gutes zu vermelden. Dieses Angebot werde stark genutzt: „Ich bin vom Projekt überzeugt.“

Mit sechs Partnerschulen und der KGS Schneverdingen mit dem Projekt „Jobwärts“ arbeiten die BBS zusammen: „Vor Corona hatten wir 850 Schüler in der Berufsorientierung“, berichtete Behrendt. Für die 8. Klassen der Partnerschulen gibt es Schnupperangebote in zehn verschiedenen Branchen. Und auf die Klassen 9 und 10 wartet dann der Profilunterricht, für den sechs Ausbildungsbranchen angeboten werden. Dazu Behrendt: „Früher wollten Schüler vorwiegend in Wirtschaftsberufe, haben das aber oft nicht durchgehalten. Beratung war also nötig. Da helfen zwei Jahre berufliche Grundbildung mit versetzungsrelevanten Noten im Profilunterricht. Schüler, die unsere Werkstätten kennengelernt haben, entdecken so ganz andere Möglichkeiten in gewerblich-technischen Bereichen. Das ist ein überaus erfolgreiches Konzept.“

In dieses Lob stimmte auch Eva Helbing, Leiterin der Gund- und Oberschule (GOBS) Neuenkirchen, mit ein: „Für uns als allgemeinbildende Schule ist dies ein Leuchtturmprojekt. Die Schülerinnen und Schüler bekommen ein Bild davon, was als Beruf passen könnte. Und es hat unmittelbare Auswirkungen auf den Unterricht, wenn der Schüler durch den Einblick in den Beruf weiß, wozu man etwa den Satz des Pythagoras braucht.“

Auch Schüler, die noch nicht soweit sind, verliert die BBS bei ihrer Beratung nicht aus den Augen. So gibt es Konzepte für Beratung und Unterstützung zur Stabilisierung der Ausbildungsreife: „Wir holen die Schüler da ab, wo sie in ihrer Entwicklung stehen. Das zielt unter Umständen auf eine Erwerbstätigkeit oder eine theoriereduzierte Ausbildung. Wir haben hier kurze Wege und können die Schüler begleiten“, so Lehrerin Tina Stößel.

Auf kurze unkomplizierte Wege baut auch die Jugendberufsagentur, ein niederschwelliges Angebot von Landkreis, BBS, Jobcenter, Agentur für Arbeit und Jugendberufshilfe: „Wir halten unser Angebote an beiden BBS - Soltau und Walsrode - vor. Unsere Kräfte gehen in die Klassen und leisten individuelle und sehr vielfältige Beratung. Der Landkreis überprüft übrigens jährlich, ob Schulabgänger auch eine Ausbildungschance haben“, so Martina Tödtmann, Prozesskoordinatorin des Heidekreises.

Sven Rodewald, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Celle, zeigte sich zufrieden mit den Möglichkeiten, Jugendliche in Ausbildung zu bringen: „Wir haben eine gute Kopplung von Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, um den Schüler dort zu erreichen, wo er sich aufhält. Bei guter Steuerung und Verzahnung ist hier kein weiteres Puzzleteil nötig.“ Und Volker Linde von der IHK Lüneburg-Wolfsburg lobte: „Der Heidekreis ist als Bildungsregion schon lange an diesem Thema dran - das zahlt sich aus.“

Wie Linde resümierte auch Dr. Rüdiger Jeske, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide, dass es am Ende doch nicht einen so großen coronabedingten Einbruch bei den Lehrstellenangeboten geben werde, wie prognostiziert worden sei: „Wir werden weniger haben, aber nicht wesentlich weniger. Wir müssen erst die Ergebnisse von September und Oktober abwarten“, so Jeske.

Tonne zeigte sich beeindruckt „von den unterschiedlichen Brücken, die hier dargestellt worden sind. Ich habe den Eindruck, das Zusammenspiel aller Beteiligten funktioniert hier gut.“ Mit nach Hannover nahm der Minister den Wunsch nach weiteren Ressourcen - sowohl in der Unterrichtsversorgung als auch in der Berufsorientierung.

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