„Kita im Parforceritt auf die Beine gestellt“

Kindertagesstätte Piccolino lädt für 26. Oktober zu Tag der offenen Tür

„Kita im Parforceritt auf die Beine gestellt“

An der Eingangstür prangen kleine Blumenaufkleber und sagen in zwölf verschiedenen Sprachen „herzlich willkommen“, „denn in unserer Kita Piccolino sind Kinder aus zwölf Nationen“, erläutert Leiterin Sabine Westermann. Die kleine Klientel hat sich schon bestens in Soltaus neuester Kita eingelebt, die bereits zum 1. April dieses Jahres ihre Pforten in der Winsener Straße 21 geöffnet hat. Jetzt soll auch die offizielle Einweihhung folgen: Als Trägerin der Einrichtung lädt die Lebenshilfe Soltau deshalb für Sonnabend, den 26. Oktober, von 11 bis 15 Uhr alle Interessierten zum Tag der offenen Tür - mit einigen offiziellen Reden, Hausführungen und Angeboten für Eltern und Kinder.

„Wir haben die Kita in einem Parforceritt in weniger als einem Jahr auf die Beine gestellt. Da war zum 1. April noch nicht alles ganz fertig für eine Einweihung. Uns war aber erst einmal wichtig, dass die Kinder einziehen konnten. Deshalb machen wir die Einweihung jetzt nach den Herbstferien in aller Ruhe“, erklärt Lebenshilfe-Geschäftsführer Gerhard Suder. Dabei können sich die Gäste ein Bild nicht nur vom Gebäude und seiner Einrichtung, sondern auch vom pädagogischen Konzept machen, dessen Schwerpunkte auf Bewegung und Ästhetik (Kreativität) liegt.

Da die Stadt Soltau weitere Betreuungsplätze brauchte, hatte sie das Kita-Projekt 2017 ausgeschrieben, was die Lebenshilfe für sich entscheiden konnte. Auf ihrem Gelände in der Winsener Straße ist in diesem Zuge unter Federführung von Architekt Joachim Krampitz ein außergewöhnliches Gebäude (1.074 Quadratmeter Bruttogeschossfläche) mit zwei Ebenen entstanden, die durch Treppe und Fahrstuhl verbunden sind. „Unten befindet sich der Krippenbereich mit zwei Gruppen von je 15 Kindern zwischen einem und drei Jahren“, berichtet Westermann. Diese Gruppen haben je einen Schlafraum, der auch multifunktional genutzt werden kann, und einen Hauptspielgruppenraum, der ebenfalls mit Angeboten wie Spielinsel oder Staffelei zum Malen aufwartet. Zudem gibt es eine große Aktionsfläche, auf der sich die Gruppen für gemeinsame Aktivitäten tref­fen können, und Sanitärräume, etwa einen auch für Wellnesszwecke nutzbaren Waschraum.

Wie Andrea Reinecke, Bereichsleiterin Kindertagesstätten bei der Lebenshilfe Soltau, erläutert, „nutzen wir das Hamburger Raumgestaltungskonzept von Angelika von der Beek, wonach der Raum als zusätzlicher Erzieher fungiert. So ist beispielsweise das Mobiliar aus Sicht der Kinder gestaltet, damit sie, wenn sie sitzen können, nicht mehr in den Hochstuhl gepfercht werden müssen, sondern auf kistenähnlichen Stühlen Platz nehmen können. Dadurch treten Selbstwirksamkeit und Selbständigkeit in den Vordergrund. Die Kinder lernen etwa auch, sich ihr Essen selbst zu nehmen. Entsprechend müssen die Tische gestaltet sein. Das Mobiliar fordert die Kinder quasi dazu auf, die Welt zu entdecken. Hier ist es Aufgabe der Erzieherinnen, dafür auch immer Material zur Verfügung zu stellen. Das können einfache Dinge wie Korken oder Kastanien sein.“ Und Suder ergänzt: „Es geht darum, dass die Kinder kreativ werden können. Denn daran haben sie Spaß.“

Freude sollen auch die Kinder auf der zweiten, der oberen Ebene haben. Dort ist das Reich, das die Drei- bis Sechsjährigen in zwei Gruppen zu je 25 Kindern bevölkern. Und auch hier zeigen sich wieder die beiden Schwerpunkte: So bieten ein Atelier und eine Bühne Platz für Kreativität, während der Bewegungsraum seinem Namen alle Ehre macht: „Wir haben eine Kooperation mit dem MTV Soltau. Zweimal wöchentlich kommen entsprechend qualifizierte Übungsleiter und präsentieren Bewegungsangebote“, so Westermann. Für Wohlfühlatmo­sphäre in der Kita Piccolino sorgen allerdings nicht nur das Team mit seinen 14 Erzieherinnen und einem Erzieher sowie die diversen Angebote, sondern auch die Architektur selbst - mit viel Tageslicht, hellen Farben und Rundungen statt Ecken.

Rund drei Millionen Euro hat das Gebäude gekostet. Etwa die Hälfte davon steuern Land Niedersachen und Landkreis Heidekreis bei. Die übrigen 1,5 Millionen werden von der Lebenshilfe vorfinanziert, in den kommenden Jahren aber von Stadt, Landkreis und Land über den Defizitausgleich refinanziert.

Die Kita Piccolino ist übrigens ausgebucht. Und die Räume in der ehemaligen Pestalozzischule, in der ihre 50 Kindergartenkinder zuvor „in Warteposition“ untergebracht waren? Die, so Reinecke, „haben wir zum 31. März geräumt, im August aber wieder mit 43 Kindern - einer Regel- und einer integrativen Gruppe - besetzt, denn die Stadt brauchte doch noch weitere Plätze, die wir bieten konnten.“

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