Kleine Gruppe, große Ehre

Europass-Vergabe an den Berufsbildenden Schulen Soltau - wegen Coronakrise dieses Jahr in sehr „überschaubarem“ Rahmen

Kleine Gruppe, große Ehre

Sonst meist eine große Zeremonie, zu der schon hochrangige Politiker wie David McAllister aus dem Europäischen Parlament oder Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil eingeladen waren, war die diesjährige Europass-Vergabe am heutigen Freitagvormittag nur eine kleine Feierstunde - und zwar ein ganz kleine: Sieben Personen, vier davon Lehrkräfte. Sie überreichten die Auszeichnungen an die drei anwesenden Schüler. Die freuten sich dennoch - über die Ehrung, aber vor allem über das, wofür sie die Europässe erhalten haben: Die Absolventen der Berufsbilden Schulen (BBS) Soltau hatten im Rahmen des „Erasmus+“-Programms ein zweiwöchiges Praktikum in Fátima (Portugal) absolvieren dürfen.

Ihre Zeit in dem bedeutenden Wallfahrtsort nördlich der portugiesischen Hauptstadt Lissabon erlebten die BBS-Schüler im vergangenen November - also noch bevor die Coronakrise in Europa die Bedingungen dramatisch verändert hat. Das Virus ist auch der Grund, warum die eigentlich für Mai geplante Großveranstaltung an den BBS ausfiel: „Wir hätten hier gern wieder unseren Europatag gefeiert, aber das ging natürlich dieses Jahr nicht“, bedauert Gaby Tinnemeier. Die Leiterin der Berufsbilden Schulen ist aber zuversichtlich, dass zumindest die damit verbundene Europass-Vergabe später noch einen größeren Rahmen erhält. Denn die kleine Gruppe ist nicht allein für die Auszeichnung vorgesehen: „Unsere vier Absolventen aus dem Bereich Gastronomie und Tourismus erhalten jetzt ihre Europässe, insgesamt sind es aber 25 Berufsfachschüler verschiedener Schulformen. Die anderen sollen später ihre Urkunden bekommen“, erklärt Annette Ruelius-Mangold. Dann solle das ganze noch in großer Runde gebührend gefeiert werden, auch, dass die BBS nun bereits zum fünften Mal Europaschule geworden sei, so die Projekt-Koordinatorin weiter.

Somit blieb es jetzt bei dem Treffen in der BBS „überschaubar“: Aus den Reihen des Kollegiums applaudierten neben Tinnemeier und Ruelius-Mangold auch Lehrerin Kirsten Müller und Abteilungsleiter Lutz Behrendt den Schülern Johanna Grefe, Long Tran und Christian Dörr. Vierte im Bunde der Gruppe, die nach Fátima gereist war, ist Janine Catuk. Sie konnte bei der Europass-Vergabe nicht vor Ort sein, ihre drei Mitschüler berichteten jedoch begeistert vom gemeinsamen Praktikum in Portugal: „Es war eine tolle Zeit an der dortigen Schule“, erinnert sich Dörr. Er habe zum einen viel Neues gelernt, zum anderen habe ihn überrascht, dass die Sprachbarriere kein großes Problem gewesen sei: „Sich untereinander in Englisch auszutauschen, hat gut funktioniert.“ Tran habe besonders ein Aspekt fasziniert: „Vor allem die Arbeit mit Meeresfrüchten war sehr interessant.“ Unterschiede, etwa beim Eindecken der Tische, sind Grefe im Gedächtnis geblieben: „Zum Teil gibt es dort eine andere Anordnung - und auf Korrektheit wird großen Wert gelegt.“

Zudem servieren die Schüler dort nicht anderen Schülern, sondern sie bereiten Speisen und Getränke für „echte“ Kunden zu: „Das Schulrestaurant in Fátima ist mittags für zahlende Gäste geöffnet“, erläutert Ruelius-Mangold. „Und dort herrscht ein hohes gastronomisches Niveau“, hebt Berendt hervor. Gerade deshalb, fügt Tinnemeier hinzu, „ist die dortige Schule ein idealer Kooperationspartner für uns.“

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