Landrat: „Wir haben hier Glück gehabt“

Bisher keine Corona-Fälle in Soltauer Alten- und Pflegeheim

Landrat: „Wir haben hier Glück gehabt“

Zum Ende vergangener Woche und am Wochenende überschlugen sich die Meldungen: Zunächst meldete der Landkreis Heidekreis am Donnerstag einen weiteren laborbestätigten Coronafall aus Schneverdingen. Dann hieß es einen Tag später, diese Betroffene sei Pflegekraft im Soltauer Alten- und Pflegeheim Haus im Park, was alle Alarmglocken schrillen ließ, und am Sonnabend, dem 20. Juni, schließlich gab der Landkreis bekannt, alle Tests in diesem Altenheim seien negativ ausgefallen - auch der erneute Test der zunächst als Coronafall eingestuften Pflegekraft. Dieses Ergebnis sorgte zunächst für eine gewisse Entwarnung. Spezielle Vorsichtsmaßnahmen bleiben aber weiterhin in Kraft, wie es in einer Pressekonferenz am heutigen Montag hieß.

„Wir haben Glück gehabt“, meint Landrat Manfred Ostermann mit Blick auf das, was hätte passieren können, denn wie schnell und mit welchen Folgen sich Covid-19 in solch sensiblen Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen verbreiten kann, zeigen Beispiele aus anderen Städten. Doch dieser Kelch scheint vorerst an Soltau vorübergegangen zu sein.

Aufgefallen war die betroffene Pflegekraft im Rahmen des Corona-Screenings, das der Landkreis für alle 21 Pflegeheime in seinem Bereich durchführt, unterstützt durch Sanitätssoldaten des Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst „Ostfriesland“ aus Leer (HK berichtete). Dabei werden alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Pflegekräfte auf eine Corona-Infektion getestet.

Als das positive Testergebnis vorlag, griffen sofort die Maßnahmen für eine solche Situation: „Die besagte Mitarbeiterin war hier auf einer Station für 39 Bewohner zuständig. Für diese Bewohner sowie für 20 Pflegekräfte wurde Quarantäne angeordnet. Dar­über hinaus wurden ein Besuchsverbot und ein Aufnahmestopp für das Heim verfügt“, berichtet Dr. Andreas Happersberger, Leiter des Gesundheitsamtes.

Und Ostermann: „Wir hatten uns auf ein schlimmes Szenario vorbereitet.“ So seien andere Einrichtungen ins Boot geholt worden, um, wenn nötig, Unterstützung zu leisten, und auch die Bundeswehr sei für weitere Hilfe angefordert worden: „Dieser Antrag ist auch gleich bewilligt worden. Wir konnten ihn jedoch wieder auf Eis legen“, so Ostermann erleichtert. Wenn alle Stricke gerissen wären, berichtet der Landrat, „dann hätte das Heidekreis-Klinikum die 39 Seniorinnen und Senioren zur Versorgung aufgenommen.“

Dazu musste es glücklicherweise nicht kommen: Nach Auswertung von 90 Tests gab es kein positives Ergebnis - auch nicht bei der Mitarbeiterin aus Schneverdingen.

Die Zusammenarbeit, so Ostermann, habe gut funktioniert. Das meint auch Jamal Bounoua. Der Geschäftsführer des Heimes im Friedrich-Einhoff-Ring, das zur Unternehmensgruppe Doreafamilie gehört und insgesamt 104 Bewohner zählt, betont, dass keine Hilfe von außen nötig gewesen sei und alle Arbeiten von eigenen Kräften der Doreafamilie abgedeckt werden konnten. Die Kooperation mit den Behörden sei gut gelaufen. Doch auch intern lobt er: „Die Mitarbeitschaft, aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner sind sehr ruhig geblieben.“ Dass jemand coronainfiziert sei, könne in jeder Pflegeeinrichtung passieren. Und dieses Risiko steige natürlich mit der allgemeinen Lockerung der Einschränkungen. Gleichzeitig seien diese Lockerungen aber wichtig für Bewohner und Angehörige: „Am Ende aber geht es darum, die Menschen hier zu schützen. Und unsere Bewohnerinnen und Bewohner zeigen sich alle verständnisvoll, auch wenn sie jetzt keinen Besuch empfangen können, obwohl überall sonst die Lockerungen greifen.“

Die Tatsache, dass bis jetzt, anders als zunächst erwartet, alles gut gelaufen ist, heißt aber nicht, dass der Landkreis die Sache damit abhakt: „Warum der erste Test der Pflegekraft positiv und der zweite negativ ausgefallen ist, wollen wir genauer unter die Lupe nehmen“, kündigt der Landrat an. Und Happersberger: „Der Grund dafür, dass der zweite Test negativ war, lässt sich nicht genau nennen. Man könnte höchstens spekulieren.“ So könnte es sein, dass die Frau die Infektion gehabt habe und symptomfrei geblieben sei. Der Test mit Nasen-/Rachenabstrich sei zwar sehr sicher, es lasse sich aber nicht komplett ausschließen, dass er auch einmal nicht funktioniere.

Zur Sicherheit wurde die Pflegekraft ein drittes Mal getestet - das Ergebnis stand am Montag noch aus. Darüber hinaus, so Happersberger, gebe es noch einen Bluttest, der dann zeige, ob sich Antikörper gebildet hätten oder nicht. Spätestens dann werden alle Beteiligten schlauer sein.

Wie der Amtsarzt weiter unterstreicht, komme es darauf an, mögliche Infektionsketten durch Quarantäne zu unterbechen. Nur so lasse sich Covid-19 zurückdrängen. Das habe sich bei den bisher 73 Coronafällen im Heidekreis bestätigt und gelte auch jetzt für das Soltauer Haus im Park: „Ich hoffe zwar, dass es so bleibt, wie es zur Zeit aussieht, aber die Maßnahmen Quarantäne, Besuchsverbot und Aufnahmestopp können noch nicht aufgehoben werden.“

Für Landrat Ostermann zeige dieser Fall, wie wichtig es sei, die Personen in allen Pflegeheimen des Heidekreises präventiv zu testen. Für weitere Einrichtungen wie etwa Schulen sei dies allerdings insbesondere aus personellen Gründen nicht möglich: „Dazu sehen wir derzeit auch keine Veranlassung, wohl aber bei Pflegeheimen.“ Gut die Hälfte dieser Einrichtungen sei bereits besucht worden, die letzten Test sollen am 30. Juni abgeschlossen sein: „Es ist die Frage, ob wir dieses Screening wiederholen sollten. Mit weiterer Unterstützung durch die Bundeswehr, wäre das machbar.“

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