„Landwirtschaft kämpft um die Flächen“

Bodenrichtwerte für Acker und Grünland in Heidekreis vorgestellt

„Landwirtschaft kämpft um die Flächen“

Er war schnell, der Gutachterausschuss Sulingen-Verden: Er hat die neuen Bodenrichtwerte nicht nur bereits beschlossen, sondern auch schon veröffentlicht. Am vergangenen Donnerstag informierten darüber Helmut Weiß, Leiter der Regionaldirektion Sulingen-Verden des Landesamtes für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen (LGLN), Gerd Ruzyzka-Schwob, LGLN-Dezernent Grundstückswertermittlung und Vorsitzender des Gutachterausschusses, sowie Rebecca Stüber, die seit neuestem als Immobilienwertermittlerin bei der LGLN (Katasteramt) in Soltau sitzt. Ganz allgemein hat der Geldumsatz auf dem Immobilienmarkt im Heidekreis 2019 alle bisherigen Ergebnisse in den Schatten gestellt. Und was speziell die land- und forstwirtschaftlichen Flächen betrifft, mit denen sich der Ausschuss zunächst einmal befasst hat, so stieg auch hier der Umsatz von Land und Geld.

Ein ähnliches Ergebnis hat es bisher im Heidekreis wohl nicht gegeben: „Mit insgesamt 355 Millionen Euro Geldumsatz auf dem Immobilienmarkt ist 2019 der neue Höchststand erreicht worden. Gegenüber dem Vorjahr mit 313 Millionen Euro ist er damit um etwa 13 Prozent gestiegen. Mit 2.002 Kaufverträgen im Jahr 2019 liegt die Zahl höher als in den Jahren 2015 bis 2018 in diesem Bereich und überschreitet erstmals die 2.000er Marke“, weiß Ruzyzka-Schwob zu berichten. Dieser Zuwachs sei sowohl auf die bebauten Grundstücke als auch auf gestiegenen Umsatz bei landwirtschaftlichen Flächen zurückzuführen.

Bei letzteren hat sich 2019 einiges getan: In 253 Kaufverträgen festgehalten, wechselten 830 Hektar landwirtschaftlicher Fläche den Besitzer, wobei es um einen Gesamtumsatz von 18 Millionen Euro ging. Der Geldumsatz ist damit um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, während der Flächenumsatz „nur“ um 14 Prozent zugenommen hat: „Das heißt, dass landwirtschaftliche Flächen teurer geworden sind“, so Ruzyzka-Schwob. Bei einem detaillierteren Blick auf diese Flächen zeigt sich, dass es dabei zumeist um Äcker ging: In kleinerem Rahmen gab es gegenüber 2018 auch Steigerungen beim Verkauf forstwirtschaftlicher Flächen, doch der Umsatz von Ackerflächen schnellte um 86,5 Prozent nach oben, der damit verbundene Geldumsatz gar um 103 Prozent.

Dazu der Dezernent: „Der mittlere Preis für den Quadratmeter Ackerland im Heidekreis ist um weitere 17 Prozent auf 2,81 Euro gestiegen. Für Grünland ist mit einem mittleren Preis von 1,21 Euro ein leichter Preisrückgang zu beobachten.“

Doch zurück zum Ackerland: Hier haben sich gegenüber 2010 die Preise mehr als verdoppelt - sie sind um 140 Prozent gestiegen. Dabei, so Weiß, gelte: je größer die Fläche sei, desto teurer. „Große Flächen von etwa zehn Hektar werden 13 Prozent über dem Richtwert gehandelt, der sich auf zwei Hektar große Flächen bezieht. Kleinere Flächen müssen dagegen Abschläge hinnehmen.“

Schwankungen gibt es im Heidekreis allerdings auch regional: Die Bodenrichtwerte für Ackerland liegen im Nordkreis zwischen 1,70 Euro je Quadratmeter in Munster und drei Euro in Soltau, was gegenüber dem Vorjahr im Mittel einem Anstieg von zehn Cent pro Quadratmeter entspricht. Im Südkreis liegen die Richtwerte zwischen 2,10 Euro pro Quadratmeter in Lindwedel und drei Euro in Walsrode. Die größten Preissteigerungen waren im Raum Bad Fallingbostel und Walsrode mit bis zu 60 Cent je Quadratmeter zu verzeichnen. Beim Grünland liegen die Richtwerte im gesamten Heidekreis zwischen 1,10 Euro im Osten, etwa in Munster, und 1,70 Euro in Schneverdingen.

Da Mieten und Pachten nicht meldepflichtig sind, ist der Gutachterausschuss hier auf freiwillige Angaben angewiesen. Auch hier gilt aber: Je größer die Ackerfläche ist, desto höher ist auch die Pacht je Hektar.

Selbst wenn im Heidekreis Pachten und insbesondere Kaufpreise für Ackerland kräftig gestiegen sind, liegen die hiesigen Gefilde doch noch deutlich hinter dem zurück, was im übrigen Zuständigkeitsbereich des LGLN Sulingen-Verden gezahlt wird: Der mittlere Kaufpreis für einen Quadratmeter Ackerland beträgt im Landkreis Verden 3,17 Euro, im Landkreis Nienburg 3,30 und im Landkreis Diepholz 4,78 Euro (Heidekreis: 2,81 Euro).

Es scheint sich hier also einiges zu bewegen. So verweisen Ruzyzka-Schwob und Weiß auf Verdränungsmechanismen: Wenn der Landwirtschaft Flächen verlorengehen, etwa durch neue Wohnbaugebiete oder durch die Verbreiterung von Autobahnen, dann bekommt der betroffene Landwirt dafür zwar gutes Geld, aber er braucht neues Land, um seinen Hof weiter bewirtschaften zu können. Das muss er pachten oder kaufen.

Und noch einen anderen Druck gibt es: Manche Bauern sehen angesichts der zunehmenden Umweltverordnungen und den damit oft verbundenen hohen Investitionen in teure Maschinen die Notwendigkeit, Land zuzukaufen, damit sich das Wirtschaften überhaupt lohnt - nach dem Motto „wachsen oder weichen“. Anderen wiederum, so Weiß, falle es bei diesen höheren Preisen dann leichter, einen kleinen Hof aufzugeben. Insgesamt, so der Leiter der LGLN-Regionaldirektion, „kämpft die Landwirtschaft um die Flächen.“ Und nicht zuletzt das lässt die Preis steigen, wie die neuen Bodenrichtwerte zeigen.

Ansprechpartnerinnen für telefonische Auskünfte - insbesondere über Bodenrichtwerte - in der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses beim LGLN sind in Soltau Angela Kühl, Tel. (05191) 806156, angela.kuehl@lgln.niedersachsen.de, und Rebecca Stüber, Tel. (05191) 806125, rebecca.Stueber@lgln.niedersachsen.de.

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