Mehr als Kamm und Schere

BBS Soltau: Angehende Friseurinnen übten Sprung in Selbständigkeit

Mehr als Kamm und Schere

Wer gut mit Kamm und Schere, Pflege- und Färbemitteln umzugehen weiß, kann vielleicht tolle Frisuren zaubern. Doch wer einen eigenen Salon führen möchte, muß noch ein paar Kenntnisse mehr in petto haben. Und um genau die ging es, als die Ausbildungsoberstufe (drittes Lehrjahr) an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Soltau in der vergangenen Woche den Sprung in die Selbständigkeit übte: Am Donnerstag hatten die sechs angehenden Friseurinnen ihren Lernsalon „hair castle“ in den BBS-Räumen für ihre Kundschaft geöffnet.

Aus dem Nichts heraus haben die sechs Frauen zwischen 18 und 41 Jahren, die im Rahmen der dualen Ausbildung die Berufsschule an den BBS besuchen, ihren Salon natürlich nicht auf die Beine gestellt. So haben die beiden Lehrerinnen Sandra Schlue-Roth und Beate Welter ihre Schülerinnen auf diesen Tag vorbereitet: „Wir haben bereits seit November vergangenen Jahres an diesem Thema gearbeitet“, berichtet Sandra Schlue-Roth. Und Beate Welter ergänzt: „Wir haben diese Existenzgründungsübung im Theorie-unterricht behandelt und die Grundlagen erarbeitet. Das ist im Lehrplan auch so vorgesehen. Darüber hinaus sind wir aber dann in die praktische Umsetzung übergegangen.“

In diesem Rahmen mußten die Schülerinnen ein Salonkonzept erstellen und sich damit auch Gedanken über Geschäftsmodell, Unternehmensform, Finanzierung und die Organisation von Abläufen machen. Nicht zu vergessen das Marketing, denn schließlich braucht auch ein Lernsalon Kundschaft.

Für die sechs Frauen, die im Juni ihre Ausbildung abschließen, war dies - allein schon wegen ihrer geringen Zahl - eine besondere Herausforderung, die sie aber mit großem Erfolg gemeistert haben. Dies nicht zuletzt auch wegen ihrer Geschäftsführerinnen Mary-Ann Koch und Sylwia Zalmaiyar, die alles im Griff hatten. Insgesamt aber konnten die Aufgaben nur auf wenige Schultern verteilt werden: „Trotzdem lief alles glatt“, berichtet Mary-Ann Koch. „Jede von uns hat mitgemacht“, ergänzt Sylwia Zalmaiyar.

Dabei gab es vieles zu planen und umzusetzen: Das Salonkonzept mit der Hauptzielgruppe mußte festgelegt und Räume von den BBS angemietet werden. Um arbeiten zu können, sind nicht nur Gerätschaften, sondern auch andere Dinge nötig, so beispielsweise Stylingprodukte oder Färbemittel. Hier steuerten die Ausbildungsbetriebe einiges bei, anderes mußten die angehenden Friseurinnen selbst einkaufen: „Dafür haben wir einen Vorschuß von der Schule bekommen, den wir aber verzinst wieder zurückzahlen müssen“, erläuert Mary-Ann Koch. „All das mußte vorher beantragt und dann auch vertraglich geregelt werden“, berichtet Beate Welter. Also ganz wie im richtigen Leben. Darüber hinaus, so die Lehrerin weiter, „mußten die Schülerinnen in diesem fächerübergreifenden Projekt alles, was vorbereitet worden war, protokollieren, um eine gerade Linie zu haben. Und natürlich mußte auch alles Umgesetzte dokumentiert werden, um zu zeigen, wie die Schülerinnen gearbeitet haben.“

Neben all diesen Planungen haben die Azubis natürlich auch das Wichtigste nicht vergessen - ihre Kundschaft. Um den Salons „draußen“ keine Konkurrenz zu machen, haben sie sich bei der Werbung auf BBS-internes Terrain beschränkt, Flyer ausgelegt, Durchsagen gemacht und die Leute auch direkt angesprochen. Wer einen Termin vereinbart hatte - Damen wie Herren - konnte dann im Lernsalon nicht nur zwischen diversen Angeboten rund um die weibliche und männliche Haarpracht wählen. Auch andere Leistungen wie Wimpern- und Augenbrauenfärben oder Make-up gehörten zum Programm.

Während der Trockenhaarschnitt für Herren dabei mit überschaubarem Zeitaufwand verbunden war, mußten andere mehr Zeit mitbringen: „Bei manchen Frisuren muß man sich auf zweieinhalb bis drei Stunden einstellen“, so Sylwia Zalmaiyar. Am Ende, so Mary-Ann Koch, „waren es drei bis fünf Kundinnen und Kunden, die jeder von uns an diesem Tag betreut hat.“

Bis 17 Uhr lief der Lernsalon am vergangenen Donnerstag. Danach war aufräumen angesagt. Doch damit endete das Projekt nicht sang- und klanglos: „Nach dem Abschluß ziehen wir jetzt Bilanz im Unterricht, wozu auch eine ausführliche Evaluation gehört“, so Beate Welter. Ebenso wie Sandra Schlue-Roth kann sie aber schon jetzt sagen, daß sich die sechs Azubis toll geschlagen haben.

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