„Mehr Qualität und besseres Image“

BBS Soltau: Neue generalistische Pflegeausbildung startet 2020

„Mehr Qualität und besseres Image“

Kinderkrankenschwester, Altenpflegerin oder Krankenpfleger - das alles war gestern, denn ab morgen werden nur noch Pflegefachfrauen und -männer ausgebildet. Morgen heißt genauer: von diesem Jahr an. Denn wer 2020 in dieses Berufsfach einsteigt, absolviert - anders als bisher - keine auf einzelne Sparten ausgerichtete, sondern eine generalistische Pflegeausbildung. Und die befähigt dann nach Abschluss dazu, in den Berufsfeldern Kinderkrankenpflege, Krankenpflege und Altenpflege gleichermaßen zu arbeiten. Mehr als drei Jahre haben sich die Berufsbildenden Schulen (BBS) Soltau auf diesen grundlegenden Wechsel vorbereitet und hoffen nun auf entsprechende Resonanz bei Berufsanfängern, denn BBS-Leiterin Gaby Tinnemeier und Abteilungsleiterin Susanne Bernet sind sich sicher: Die neue Ausbildung bringt nur Vorteile. Und: Pflegekräfte werden überall dringend gesucht.

Auf neuer bundesgesetzlicher Grundlage sind jetzt die bisherigen Einzelbereiche Kinderkrankenpflege, Krankenpflege und Altenpflege in einer gemeinsamen Ausbildung zusammengefasst. Das gilt für all jene, die in diesem Jahr mit ihrer Ausbildung starten, nicht aber für jene, die sie schon begonnen haben. Viele Jahre war dieses Thema in der Diskussion, bevor es jetzt umgesetzt wird. Zum einen wird damit eine Kompatibilität etwa innerhalb der EU erreicht, „denn diese generalistische Ausbildung gab es bisher nur in Deutschland nicht“, so Bernet. Zum anderen sei es das Ziel, „über eine einheitliche Ausbildung in der Pflege die Pflegefachkräfte dann in allen Einzelbereichen einsetzen zu können. In diesem Zuge wird die Qualität der Ausbildung erhöht und der Beruf aufgewertet. Außerdem entsteht damit auch eine einheitliche Berufsgruppe, deren Mitglieder sich respektieren, was bisher nicht immer der Fall gewesen ist.“

Drei Jahre dauert die Ausbildung, wobei es nach zwei Jahren eine Zwischenprüfung gibt, ehe im dritten Jahr die Vertiefungsphase und die Abschlussprüfung folgen. Die Ausbildung gliedert sich in einen betrieblichen und einen schulischen Teil, wobei die oder der Auszubildende einen Vertrag mit einem Träger der praktischen Ausbildung abschließt, also etwa einem Krankenhaus, einem ambulanten Pflegedienst, einem Alten- und Pflegeheim oder eine Kinderpflegeeinrichtung. Den schulischen Bereich übernehmen die BBS. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, so Bernet, „ist die Ausbildung vollkommen umgestellt worden. So umfassen die Pflichteinsätze für Langzeitpflege, Akutpflege und Altenpflege jeweils 400 Stunden. Weitere jeweils vier Wochen verbringen die Azubis in einer Kinderpflegeeinrichtung und einer psychiatrischen Pflegeeinrichtung.“

Um den Auszubildenden dieses Spektrum bieten zu können, war eine frühzeitige und intensive Vorarbeit nötig. Das, so Tinnemeier, habe sich ausgezahlt: „Die BBS sind hier jetzt ein Leuchtturm in Niedersachsen, denn kaum ein anderer Landkreis ist schon so weit.“ Die Schulleiterin lobt vor allem auch die Kooperation mit dem Heidekreis-Klinikum (HKK) und dem Landkreis, aber auch mit den Ausbildungsträgern. So solle voraussichtlich am 27. Februar ein „Ausbildungsverbund Pflege Heidekreis“ für alle Beteiligten, darunter zirka 50 Träger, gegründet werden. Denn die Azubis können den vollen Umfang der praktischen Ausbildung nicht allein in ihrem Ausbildungsbetrieb absolvieren, sondern müssen dazu auch in andere Unternehmen gehen. Um diese zahlreichen Einsatzstunden zu koordinieren, soll eine geförderte Stelle geschaffen werden, die dann an den BBS angesiedelt wird.

Mit der qualitativen Aufwertung einher geht auch eine finanzielle auf tariflichem Niveau: Im ersten Ausbildungsjahr gibt es 1.100, im zweiten 1.200 und im dritten 1.300 Euro. Gezahlt wird diese Vergütung über einen Ausbildungsfonds, der von Kranken- und Pflegekassen, vom Land und von den Trägern, also den Betrieben gespeist wird. Zahlen müssen auch die, die nicht ausbilden.

Tinnemeier betont da noch einmal, die generalistische Pflegeausbildung sei hochattraktiv, und Bernet unterstreicht: „Das ist ein deutlicher Sprung für den gesamten Bereich, der den Pflegefachfrauen und -männern nach der Ausbildung breite Tätigkeitsfelder eröffnet und zudem für ein neues Image sorgt.“

Wer sich für diese Ausbildung entscheiden möchte, muss einen mittleren Schulabschluss, einen Hauptschulabschluss plus eine abgeschlossene zweijährige Berufsausbildung oder eine zehnjährige allgemeine Schulbildung vorweisen können. Bernet verweist in diesem Zusammenhang noch auf die Pflegeassistentenausbildung, für die ein Hauptschulabschluss erforderlich ist: „Diese Ausbildung werden wir wieder starten, weil damit die Durchlässigkeit zur Pflegeausbildung gegeben ist. Wir öffnen damit Hauptschülern die Eintrittspforte in die Pflege mit ihren Karriereaussichten.“

Der Startschuss für die Ausbildung fällt am 1. August 2020 (Ausbildung in Teilzeit bereits am 1. April). Auch wenn am 20. Februar 2020 offiziell Anmeldeschluss für das kommenden Schuljahr an den BBS ist, „so können sich Bewerberinnen und Bewerber für die generalistische Pflege noch bis zum 31. Juli anmelden“, meint Bernet.

Die folgende Termine an den Berufsbildenden Schulen mit Blick auf das laufende und kommende Schuljahr sind: Montag, 10. Februar, 16 bis 19 Uhr, Eltern- und Ausbildersprechtag an den BBS, Winsener Straße 57 und 107; Dienstag, 11. Februar, 19 Uhr, Infoveranstaltung für Schüler und Eltern zu den Themen Berufliches Gymnasium, Fachoberschulen und generalistische Pflegeausbildung.

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