Menschen Mut machen

Oliver Trelenberg radelt 5.000 Kilometer für den guten Zweck

Menschen Mut machen

Radeln für den guten Zweck - das ist für Oliver Trelenberg nicht nur sinnvolle Freizeitbeschäftigung, sondern echte Herzenssache. Und so ist der Hagener auch jetzt wieder mit dem Drahtesel auf Tour, um Spenden zu sammeln. Am vergangenen Mittwoch erreichte er sein Etappenziel Soltau, wo ihn Friedhelm Eggers, stellvertretender Bürgermeister, begrüßte und er sich auch der Presse vorstellte.

Dass Trelenberg sich einmal solchermaßen sozial engagieren würde, ist ihm nicht an der Wiege gesungen worden, denn nach eigenen Angaben war seine Kindheit im nordrhein-westfälischen Schwerte kein Honigschlecken, „da ich das für eine gesunde Entwicklung notwendige Maß an Schutz, Aufsicht und Erziehung nicht erhalte. Demütigungen, körperliche und psychische Gewalt sind in der Familie keine Seltenheit, und so wachse ich - gemeinsam mit zwei Geschwistern - in desolaten Familienverhältnissen auf. Eine Situation, die bei mir schon sehr früh zu missbräuchlichem Alkoholkonsum führt.“ So scheibt er auf seiner Homepage.

Doch das Leben hält noch wesentlich mehr Tiefschläge für den heute 55jährigen bereit: Geschmissene Lehre, zwei Freiheitsstrafen, kurzzeitige Obdachlosigkeit, dann schwerer Arbeitsunfall. Nach dem Jobwechsel in den Großhandel geht es zunächst aufwärts: Qualifizierung zum Lagerleiter, Ende des langjährigen Alkoholkonsums und Sprung in die Ehe. Trelenberg macht den Lkw-Führerschein und fährt auf nationalen und internationalen Routen. Als die Ehe scheitert, verfällt er wieder dem Alkohol. Auch eine zweite Ehe, die er nach zwei Jahren beendet, ändert daran nichts.

Dennoch schafft er es nach einigen Jahren, trocken zu werden. Aber seine bisherige Lebensgeschichte fordert ihren Tribut: Depressionen, traumatischen Störungen, eine Zwangserkrankung und eine Hauterkrankung sind die Folge.

Dann, 2009, entdeckt Trelenberg das Radfahren für sich. Das ist nicht nur körperlich gut für ihn, auch sein Lebensmut kehrt zurück. Doch 2013 die Schockdiagnose Kehlkopfkrebs. Nach der Operation bleibt seine Stimme mit viel Glück erhalten, und er kämpft sich Schritt für Schritt ins Leben zurück. Vorsichtig beginnt erauch wieder mit dem Fahrradfahren.

Obwohl er bis heute unter den Folgen leidet, ruft er schließlich 2014 sein Spendenprojekt „Oli radelt“ ins Leben, um anderen Mut zu machen und um Spenden für jene zu sammeln, die dringend darauf angewiesen sind. Dafür geht er seit 2015 jedes Jahr auf Rundtour durch die Republik - mal, um mittellosen Krebspatienten einen Urlaub zu ermöglichen, mal für den Deutschen Kinderhospizverein oder zur Unterstützung krebs- und leukämiekranker Kinder.

Diesmal gehen die Spenden an den gemeinnützigen Verein „Flying Hope“, der kostenlose Flüge für Kinder vermittelt, die aufgrund ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes auf die Hilfe anderer angewiesen sind und selbst nicht die notwendigen finanziellen Mittel haben. Unterstützt werden schwerkranke und benachteiligte Kinder und ihre Familien, indem ihnen beispielsweise Flüge in Hospize, zu medizinischen Behandlungen oder Kuraufenthalten vermittelt werden. Für sie sind die Flüge kostenfrei. Die Piloten stellen ihre Zeit und ihre Flugzeuge zur Verfügung.

Neben Tagestouren zu Hause absolviert Oliver Trelenberg dafür vom 6. Juli bis zum 26. September rund 5.000 Radkilometer - von Hagen in Westfalen über Koblenz, Trier, Stuttgart, Ludwigshafen (Bodensee), München, Nürnberg, Hof, Jena, Halle/Saale, Ahlbeck, Travemünde, Kiel, Flensburg, Hamburg, Hannover, Kassel, Plettenberg bis zurück in seine Heimatstadt Hagen. Dazwischen liegen weitere Etappenziele wie Buchholz/Nordheide, Soltau und Schwarmstedt.

An all diesen Stationen, deren Rathäuser Trelenberg vorher angeschrieben hat, macht er möglichst publikumswirksam auf sein Anliegen aufmerksam, das übrigens unter der Schirmherrschaft von Erik O. Schulz, Oberbürgermeister der Stadt Hagen, steht: „Ich habe dafür einen Flyer dabei, den ich den Menschen, mit denen ich ins Gespräch komme, überreiche. Darauf ist die Aktion noch einmal genau erklärt und das Spendenkonto angegeben“, berichtete der 55jährige, der auch auf seine Homepage www.oli-radelt.de verweist. Wer ihn hier unterstützen möchte, kann dafür folgende Bankverbindung nutzen: Stadt Hagen, Sparkasse HagenHerdecke, IBAN: DE23 4505 0001 0100 0004 44, Verwendungszweck: Spende Flying Hope, Kassenzeichen 800900009620.

Trelenbergs soziales Engagement hat ihm übrigens schon Auszeichnungen und Würdigungen beschert, so etwa zwei Einladungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

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