Messen für sicheren Schulweg

Berta überwachte Tempolimit in der Winsener Straße in Soltau

Messen für sicheren Schulweg

Ein grelles Outfit in leuchtenden Farben ist ihre Sache nicht, denn Berta ist kein Paradiesvogel, sondern eher eine graue Maus, die ganz unauffällig daherkommt. Eine Schönheit ist sie also nicht, doch statt äußerer Reize hat sie überlegene innere Werte, die so manchen Autofahrer ins Schwitzen bringen. Denn Berta ist ein moblier Blitzeranhänger, mit dem der Landkreis Heidekreis seit Juni vergangenen Jahres Temposündern zu Leibe rückt. So auch jüngst in Soltaus Winsener Straße. Erfahrungsgemäß stoßen solche Geschwindigkeitskontrollen nicht unbedingt auf die Gegenliebe der Autofahrerinnen und Autofahrer, und so fragt auch ein Nutzer unserer Internetplattform HK-Online-News (heide-kurier.de), worum es hier gehe, um „Abzocke oder Verkehrssicherheit“?

Hinter dem Namen Berta, wie der Hersteller Jenoptik diesen Anhänger nennt, verbirgt sich die nüchterne Bezeichnung Traffistar S350, die für ein Lasermesssystem steht. Rund 295.000 Euro hat sich der Landkreis diese mobile Möglichkeit der Geschwindigkeitsüberwachung kosten lassen. Dabei kann Berta am Straßenrand abgestellt werden und dort auch mehrere Tage stehen bleiben, wobei die gemessenen Daten sofort an den Landkreis übermittelt werden können. Durch diese längere Präsenz entfaltet Berta dann unter Umständen auch die Wirkung einer festen Messeinrichtung, die die Verkehrsteilnehmer den Fuß vom Gas nehmen lässt.

So stand der graue Anhänger vom 28. Januar bis zum 4. Februar nun auch in der Winsener Straße, zum ersten Mal übrigens, wie der Landkreis Heidekreis auf Anfrage mitteilt. Dort gilt auf der Strecke zwischen Kreisverkehr und Ortsausgang Tempo 30, und zwar montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten ist Tempo 50 erlaubt. Diese Regelung auf der vielbefahrenen Winsener Straße gilt nicht ohne Grund: Stadtauswärts liegen auf der linken Seite im hinteren Straßenbereich Oberschule, Gymnasium und Berufsbildende Schulen sowie das Wohnheim der Lebenshilfe Soltau, während sich die Musikschule Heidekreis auf der rechten Seite befindet. Vor Jahren, bevor das Tempolimit galt, war eine Schülerin bei einem Unfall ums Leben gekommen. Ein trauriger Vorfall, der allerdings dazu geführt hat, dass der Verkehr, der an den Schulen vorbeifließt, bis heute besonders sensibel beobachtet wird.

Genau aus diesem Grunde ist auch Berta zum Einsatz gekommen: „Der Landkreis hat die Winsener Straße aus Gründen der Schulwegsicherheit ausgewählt“, so eine Sprecherin.

Wie nicht anders zu erwarten, nahmen es einige Autofahrerinnen und -fahrer aber mit den genannten Regelungen nicht sehr genau: Während Bertas Einsatz wurden insgesamt 165 Verstöße festgestellt. 157 davon waren Geschwindigkeitsüberscheitungen von bis zu 20 Kilometern pro Stunde, sieben Fahrzeuge waren bis zu 30 zu schnell und eines bis zu 40 Kilometern pro Stunde. 51 dieser Verstöße wurden in der Zeit von 8 bis 10 Uhr und 82 zwischen 12 und 15 Uhr gemessen, nachts von 22 bis 6 Uhr waren es vier, die restlichen 28 verteilten sich auf die übrige Zeit.

Mit einem „Dududu“ bei erhobenem Zeigefinger ist es dabei dann für die Fahrer nicht mehr getan: Geschwindigkeitsüberschreitungen bis 20 Kilometern pro Stunde werden mit einem Verwarngeld von bis zu 35 Euro geahndet, die höchste gemessene Überschreitung um netto 34 Kilometer pro Stunde führt zu einem Bußgeld von 160 Euro, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot.

Wer solch eine Botschaft mit der Post erhält, dürfte keineswegs erfreut sein. Das ist zwar nachvollziehbar, doch im Grunde ist das nur die „Quittung“ für eigenes Fehlverhalten: Wer im Straßenverkehr unterwegs ist, muss damit auch die dort geltenden Regeln akzeptieren. Das lernt man spätestens in der Fahrschule. Verkehrsteilnehmer, die dann diese Regeln verletzen, müssen mit Sanktionen rechnen. Manchmal gibt es zwar Grenzbereiche, über die sich streiten lässt, doch im allgemeinen sind diese Sanktionen gerechtfertigt. Wer die dann als Abzocke bezeichnet, hat offenbar nicht die Größe, zu den eigenen Verstößen zu stehen, sondern tut sie eigentlich als Lappalie ab. Aber Lappalien dürften dies ganz und gar nicht sein, erst recht nicht, wenn es, wie in der Winsener Straße, um die Schulwegsicherheit von Kindern geht. Da erscheinen Verwarn- und Bußgelder wahrscheinlich auch Gewohnheitskritikern als durchaus angemessen.

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