Mit „besserhier“ Fachkräfte finden und binden

Heidekreis schließt sich Marketingprojekt der Süderelbe AG an

Mit „besserhier“ Fachkräfte finden und binden

Auch wenn durch die Coronakrise in manchen Bereichen Arbeitsplätze bedroht sind, so „hat der Fachkräftemangel doch keineswegs nachgelassen“, meinte Landrat Manfred Ostermann am vergangenen Donnerstag in Soltau. Junge Leute, so sein Rat, sollten sich also nicht zurückhalten, sondern nach Schule oder Studium durchstarten. Und um hier Fachkräften und solchen, die es werden wollen, aber auch Unternehmen auf die Sprünge zu helfen, hat sich der Landkreis Heidekreis dem Projekt „besserhier“ angeschlossen, das über sein Onlineportal Yojo (Young Jobs Hamburg, www.yojo.de) für Kontakte sorgt.

„besserhier - Fachkräftemarketing für die Metropolregion Hamburg“ ist im Januar 2020 als Gemeinschaftsprojekt der Landkreise Cuxhaven, Harburg, Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg und Stade sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg an den Start gegangen. Es setzt die 2018 begonnenen und auf zwei Jahre angelegten „Yojo-Fachkräfteaktivitäten“ fort. Das Vorhaben „besserhier“ wird durch die Süderelbe AG als Projektträgering in Abstimmung mit den Landkreisen und der IHK umgesetzt. Finanziert wird es einerseits aus niedersächsischen Mitteln des Europäischen Sozialfonds, andererseits steuern die Landkreise in der zweieinhalbjährigen Projektlaufzeit (bis Mitte 2022) jeweils 28.000 Euro bei. Die Angebote sind damit für die Nutzer kostenfrei.

Als vor zwei Jahren das erste Projekt anlief, war der Heidekreis noch nicht dabei: „Wir haben damals wegen der Bipolarität des Kreises - der Süden tendiert eher nach Hannover - gezögert. Inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert - auch Unternehmen im Süden des Kreises blicken nach Hamburg. Deshalb sind wir diesmal dabei“, erläutert Dr. Almut Willenbockel, Leiterin der Fachgruppe Kreisentwicklung und Wirtschaft des Heidekreises. Diese Entscheidung sei schon vor der Coronakrise getroffen worden, was sich jetzt als um so besser erweise.

Dies deshalb, weil das Fachkräftemarketing-Projekt kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstütze, sich als attraktive Arbeitgeber aufzustellen und auch in Zeiten von Corona Personalarbeit attraktiv zu gestalten, so Projektmanagerin Sylvia Doose. Und weiter: „Wir möchten Impulse geben, wie Unternehmen in der aktuellen Situation ihre Arbeitgebermarke schärfen können, um so für das Finden und Binden von Personal auch für die Zeit nach der Krise gerüstet zu sein.“ Ziel dabei sei es, die Region als spannenden Wirtschaftsraum deutschlandweit zu vermarkten und Unternehmen gegenüber Fachkräften sichtbarer zu machen.

Dabei legt „besserhier“ einen Schwerpunkt auf Online-Kommunikationsmaßnahmen: Auf Facebook und Instagram sowie den geplanten Karriereblog und Podcast können Arbeitgeber Einblicke in ihren Unternehmensalltag geben. Um diese Angebote zu nutzen, können sich Unternehmen kostenfrei mit einem Arbeitgeberportrait auf dem Portal anmelden und auf dessen Talentpool zugreifen. Fachkräfte wiederum können sich auf der Internetplattform nicht nur über Betriebe, sondern auch über Themen wie Wohnen, Angebote für Familien, Freizeit und Kultur - etwa im Heidekreis - informieren.

Wie Doose unterstreicht, biete das Portal vor allem kleineren und mittleren Betrieben Vorteile, „weil die zumeist nicht die Möglichkeiten haben, die digitalen Kanäle auf diese Weise zu bedienen.“ So übernehme „besserhier“ für die Betriebe, wenn gewünscht, auch die Registrierung und in Absprache die Erstellung eines Firmenportraits, falls das nötig sein sollte. Bei aller Digitalisierung gibt es aber auch einen analogen Teil: „Wir sind unterwegs, um für das Projekt zu werben und besuchen dazu auch die Unternehmen, wenn gewünscht, oder informieren bei Veranstaltungen wie Unternehmerfrühstücken.“

Insgesamt sind es rund 350 Betriebe aus den sechs Landkreisen, die bei „besserhier“ mitmachen, wobei viele davon aus dem Vorgängerprojekt übernommen worden sind. Laut Doose seien es im Heidekreis inzwischen zwölf, „die über das ganze Kreisgebiet verteilt sind.“ Eine gute Bilanz, findet Willenbockel, „schließlich sind wir erst seit Anfang des Jahres dabei, stecken in der Coronakrise und haben deshalb noch nicht über dieses Projekt informiert.“

Einer dieser Betriebe, die „Soltau Logistic Center GmbH & Co. KG“, ist in der Böhmestadt angesiedelt. Und dessen geschäftsführender Gesellschafter, Carsten Tietje, zeigt sich überzeugt: „Wir sind ein Logi­stik-Unternehmen. Die meisten Schulabgänger aber wissen nicht nicht einmal, was darunter zu verstehen ist. Ich wünsche mir deshalb digitale Sichtbarkeit. Dabei ist es wichtig, dass wir uns als Branche präsentieren. Und dafür ist dies eine gute Plattform.“ Information in der Sache also, aber auch über den Heidekreis: „Wer aus einem anderen Landesteil kommt und auf das Portal geht, erfährt, dass es in der Heide nicht nur Imker, Schnuckenzüchter und Fahrradverleiher, sondern auch Arbeitsplätze gibt“, so Tietje weiter.

Logistik, so Willenbockel, sei indes nicht die einzige Branche, unter der sich Schülerinnen und Schüler wenig vorstellen könnten. Das liege auch an der Feingliedrigkeit, die die Berufswelt inzwischen erreicht habe. Um so wichtiger seien da Informationsangebote: „Hier haben wir in den vergangenen Jahren viel getan, einerseits mit der sehr erfolgreichen Bildungs- und Fachkräftemesse ‚Work & Life Heidekreis‘, andererseits mit dem Ausbildungsportal. Insgesamt waren wir dabei zwar schwerpunktmäßig analog unterwegs, haben uns aber seit geraumer Zeit Gedanken über eine digitale Umsetzung in diesem Bereich gemacht. In ‚besserhier‘ finden wir die Dinge, die wir angedacht haben, perfekt gespiegelt. Deshalb sind wir aufgesprungen.“

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