Moderner Sportpark für alle Vereine

Neue Sportanlage? Bürgermeister Helge Röbbert stellt Entwurf vor

Moderner Sportpark für alle Vereine

„In den Farben getrennt, in der Sache vereint!“ - unter diesem Motto hatten die beiden Sportvereine MTV Soltau und SV Soltau im Februar vergangenen Jahres zu einer gemeinsamen Aktion im Hindenburgstadion aufgerufen. Angesichts der Debatte um die teils arg in die Jahre gekommene Infrastruktur und das Sportentwicklungskonzept wollten beide Vereine Flagge zeigen, wollten gemeinsam ein Zeichen setzen. Rund 500 Sportlerinnen und Sportler aller Altersklassen waren damals dem Aufruf der Vorstände gefolgt, um angesichts gesperrter Plätze und maroder Umkleiden ihrem Unmut Luft zu machen und sich mit Nachdruck für eine Verbesserung der Situation einzusetzen. Seitdem ist eine Menge Wasser die Böhme hinuntergeflossen. Die Stadtverwaltung indes war nicht untätig. Inzwischen gibt es einen Vorentwurf für eine Umgestaltung und Erweiterung des Ostparks. Dort könnte auf insgesamt 78.000 Quadratmetern Fläche eine moderne Anlage für alle Soltauer Vereine entstehen, der „Sportpark Ost“. Bürgermeister Helge Röbbert stellte den Entwurf am vergangenen Donnerstagabend in der Soltauer Ratssitzung vor. Die Presse informierte er in einem gesonderten Gespräch.

Ursprünglich war im Rahmen des im Dezember 2019 vom Soltauer Rat beschlossenen Sportentwicklungskonzepts, dessen Leitziele sich auch im Integrierten städtischen Entwicklungskonzept (ISEK) wiederfinden, ein Bau von zwei zusätzlichen Sportplätzen nordöstlich der bestehenden Sportplätze an der Winsener Straße angedacht. Dies war eine von drei möglichen Varianten, für die sich seinerzeit auch die beiden Sportvereine MTV und SVS sowie die Arbeitsgemeinschaft Soltauer Sportvereine (ASS) ausgesprochen hatten. Dazu allerdings wäre ein massiver Eingriff in den Böhmewald erforderlich gewesen. Außerdem wäre - trotz entsprechender Schutzmaßnahmen - mit erhöhter Lärmbelästigung der Anlieger im neuen Wohngebiet zu rechnen, das gegenüber auf der anderen Seite der Winsener Straße entsteht. Letztlich ging vonseiten der Politik der Auftrag an die Verwaltung, alternative Standorte zu suchen. Unter dem Motto „Von Nord nach Ost“ ist dies gelungen. „Der Erwerb der Flurstücke war nicht einfach, ist aber zu 99 Prozent abgeschlossen“, so der Bürgermeister. Die Verwaltung habe einen Landschaftsplaner beauftragt, der erste Vorentwurf liege nun vor, „der über die Lenkungsgruppe mit den Vereinen abgestimmt ist“, unterstreicht Röbbert: „Die beiden großen Vereine MTV und SVS tragen den Entwurf mit Begeisterung mit. Sie sollen ihre Identität nicht aufgeben, aber wir möchten versuchen, an diesem Standort jedem Verein räumlich eine neue Heimat zu geben.“

Angedacht ist eine Sportanlage, die keine Wünsche offen lassen soll. Der Entwurf sieht als Kernstück des Ganzen in etwa mittig ein Multifunktionsgebäude vor, das eventuell leicht erhöht errichtet werden soll, um so Tribünen angliedern zu können. Im Gebäude sollen acht bis zehn Umkleiden, allesamt mit Sanitärbereich, entstehen, außerdem Aufenthaltsräume und ein Gastronomiebereich. Laut Röbbert sei hier kein Prunkbau geplant, „sondern ein Zweckgebäude, das man multifunktional nutzen kann.“ Die beiden bestehenden Rasenplätze östlich vom Gebäude sollen komplett erneuert werden. Dabei werden Drainagen verlegt, eine automatische Bewässerung und Mähroboter sollen für „Wembley-Rasen“ sorgen.

Nördlich an das Multifunktionsgebäude angrenzend ist ein Kletterspielplatz vorgesehen, damit die Kleinen beschäftigt sind und Mama und Papa entspannt die Sportlerinnen und Sportler anfeuern können. Südlich vom Herz der Anlage hat der Planer ein DFB-Minispielfeld platziert.

In seinem Bürgermeisterwahlkampf hatte Röbbert versprochen, sich für einen Kunstrasenplatz einzusetzen. Ein solcher ganzjährig bespielbarer Platz soll, so sieht es der Entwurf vor, westlich neben dem Funktionsgebäude angelegt werden. Die Beschaffenheit des künstlichen Grüns ist ein Kompromiss, so dass sich sowohl Fußballer als auch Hockeyspieler auf dem Spielfeld wohlfühlen können. Links daneben soll sich ein weiteres Naturrasenfeld mit einer Mehrfachlinierung befinden, das zum Beispiel sowohl Fußballer als auch American Footballer und Hockeyspieler nutzen dürfen. Und wiederum links daneben soll ein weiteres Rasenfeld angelegt werden, das variabel genutzt werden kann, zum Beispiel zum Bogenschießen oder für Zeltlager. Ein Wall soll die Anlieger vor Lärm schützen und kann beim Bogensport zugleich auch als Pfeilfang dienen. Der Entwurf sieht außerdem ein Beachvolleyballfeld und ein Basketballfeld vor, was laut Röbbert aber nicht in Stein gemeißelt sei. Ob dort ein Basketballfeld Sinn mache, sei fraglich, zumal die gesamte Anlage eingezäunt werde. Zudem gebe es bereits ein Basketballfeld am Hindenburgstadion. Fest stehe indes, dass bei einer Realisierung fünf „vollwertige Plätze“ entstünden, so der Bürgermeister. Um diese ins rechte Licht zu setzen, soll eine moderne Flutlichtanlage installiert werden, die ausschließlich die Spiellfelder beleuchtet. Laut Daniel Gebelein, Leiter Bauleitplanung der Fachgruppe 61 der Stadtverwaltung, werde dabei auf den neuesten Stand der Technik gesetzt: „Das Licht scheint nicht in die Umgebung, sondern beleuchtet ausschließlich den Rasenplatz.“

Ob Lichtemissonen, Lärm oder auch Verkehr - „alle Gutachter sagten, dass das Projekt umsetzbar, das alles lösber ist“, betont Röbbert. Erfolgt die Zufahrt mit dem Pkw zum Ostpark bislang ausschließlich über die Gottfried-von-Cramm-Straße, so sieht der Projektentwurf eine zusätzliche Erschließung über den Weidedamm vor. „Wir hätten dann vier Zufahrtsmöglichkeiten. Zwei mit dem Fahrrad oder zu Fuß, zwei mit dem Pkw“, erklärt der Hauptverwaltungsbeamte.

Weil Schwimmen nicht zu den Sportarten zählt, die im Sportpark ausgeübt werden sollen, ist an der tiefsten Stelle, auf der Freifläche neben dem Gelände des Tennisclubs von Cramm, ein Regenrückhaltebecken geplant. Auf der Sportanlage selbst sollen Unterstellmöglichkeiten und Lagerflächen für Tore, Stangen und Ähnliches entstehen.

Auch dem Laien dürfte klar sein, dass sich das Projekt „Sportpark Ost“ nicht zum Schnäppchenpreis wird realisieren lassen. Was das Ganze kosten wird, vermag Röbbert zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen. Mit einer Million Euro werde man sicher nicht auskommen. Aber das Geld wäre gut angelegt. „Das macht man einmal für die nächsten 30 Jahre. Wir werden versuchen, Fördermittel einzuwerben, aber den größten Teil werden wir wohl selbst stemmen müssen“, sagt der Bürgermeister und betont zudem, dass es sich lediglich um einen Vorentwurf handele.

Mit der Vorstellung des Entwurfs hat der Bürgermeister den Ball ins Spiel gebracht, nun ist die Politik gefragt. „Ich habe das Ziel, dass noch der jetzige Rat das Vorhaben auf den Weg bringt“, so Röbbert. Er geht davon aus, dass der Bebauungsplan im kommenden Jahr fertig sein werde. Die Finanzierung könnte dann in die mittelfristige Finanzplanung 2022/2023 eingebracht werden. Im Jahr 2023 oder 2024 könnte das Projekt abgeschlossen sein: „Ich denke, das ist ein realistisches Zeitfenster.“

Da auch das Hindenburgstadion in seinem Bestand saniert und modernisiert werden solle, stelle sich allerdings die Frage: „Womit fangen wir als Erstes an?“ Klar sei: „Wenn das Konzept für den Ostpark vom Rat positiv gesehen wird, brauchen wir für das Hindenburgstadion keine Bauleitplanung und könnten dort sofort mit der Sanierung beginnen. Es ist also vorstellbar, dass wir es zuerst sanieren.“ Aber auch dort gebe es noch viele Fragen, zum Beispiel, was mit dem MTV-Heim geschehen solle. Dort hat der MTV bekanntlich sein Sport- und Gesundheitszentrum eingerichtet. Dazu der Bürgermeister: „Kein Verein soll sein Geschäftsmodell verlieren. Wir haben zugesichert, dass keiner unter die Räder kommt und wir die Vereine unterstützen.“

Röbbert betont zudem, dass sich das Sportstättenentwicklungskonzept bewährt habe. Nicht nur, dass es ohne ein solches nicht möglich wäre, Fördermittel zu akquirieren: „Ohne Sportentwicklungskonzept wären Politik und Vereine nie so zusammengekommen.“ Und zum Ostpark-Projekt: „Wir haben Konsens in den Vereinen - und es ist kein Eingriff in den Wald erforderlich.“ Der Entwurf sehe eine städtische Sportanlage für alle vor: „Die beiden großen und auch die kleinen Vereine sollen sich dort zu Hause fühlen.“ In diesem Zusammenhang unterstreicht er noch einmal: „Es geht um eine Zentralisierung des Sports, aber nicht darum, die Vereine zusammenzulegen.“

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