„Den Löffel abgeben“ hilft

Lebensbrücke startet Aktion zum Nachdenken und Spenden sammeln

„Den Löffel abgeben“ hilft

Was hinter der Redewendung „den Löffel abgeben“ steckt, weiß fast jeder: das Ende des Lebens. Wann genau das kommt, bleibt (glücklicherweise) meist relativ ungewiss. Die Koordinatorinnen der Lebensbrücke nennen jetzt konkrete Daten, wann man „den Löffel abgeben“ kann – natürlich nicht im Sinne des Sprichwortes, sondern ganz real: So sind Melanie Bade und Marianne Kraft vom Ambulanten Hospizdienst am 5. Oktober in Munster und am 9. Oktober in Soltau mit einem Stand auf dem Wochenmarkt vertreten und sammeln Besteck aus edlem Metall. Für einen guten Zweck, nämlich die Unterstützung der Soltauer Einrichtung, können hier silberne Löffel gestiftet werden. Zurück bekommen Spender einen Keks-Löffel, und damit eine Anregung, bei Kaffee oder Eisbecher über das Thema Tod zu diskutieren. Mit der ungewöhnlichen wie originellen Aktion „Wenn ich den Löffel abgebe ...“ möchten die Initiatorinnen zum einen auf den Welthospiztag (9. Oktober) aufmerksam machen, zum anderen Interessierten den Schrecken nehmen, über das Sterben zu sprechen.

Für den Moment des Ablebens gibt es nicht wenige und oft bildhafte -Beschreibungen. Während etwa „die Radieschen von unten betrachten“ quasi selbsterklärend ist, bedarf es bei „den Löffel abgeben“ doch einer Erläuterung. Die liefert Bade beim Pressegespräch am vergangenen Dienstag: „Die Redewendung dürfte ihren Ursprung im Mittelalter haben, als der Löffel eine große Bedeutung hatte und ein wertvolles Werkzeug war. Mönche trugen ihn an einer Kette an ihrer Kutte. Wenn sie verstarben, wurde der Löffel oft an den nächsten ‚vererbt‘ – man hat also sprichwörtlich den Löffel abgegeben.“

Die Redewendung ist noch heute in den Köpfen verankert. Vielleicht mag es auf den ersten Blick etwas flapsig erscheinen, dies als Motto für eine Aktion zu wählen, doch die Initiatoren möchten nicht zuletzt damit auch das Thema Tod enttabuisieren. Die „Löffel“-Idee habe bereits ein anderer Hospizdienst auf den Weg gebracht, so Bade: „Wir fanden den Gedanken gut. Das ganze soll ja auch ein wenig reizen und zum Nachdenken anregen.“ Gleichzeitig solle die Aktion einen einfachen Einstieg in das für viele doch sehr schwierige Thema Sterbebegleitung liefern, meint die Koordinatorin: „Wir hoffen, dass sich an den Ständen auf den Wochenmärkten viele interessante Diskussionen ergeben.“

Wer am 5. beziehungsweise 9. Oktober nicht zum Lebensbrücke-Stand kommen kann, aber trotzdem einen Silberlöffel oder Geld für den guten Zweck geben möchte, ist gern im Haus der Kirche in Soltau willkommen: Die Räumlichkeiten der Vereins am Rühberg 7 stehen während der Öffnungszeiten für „Löffel-Tauscher“ und Spender offen. An den Marktständen und im Büro gibt es außerdem die Chance, sich direkt mit dem Thema zu befassen: „Wer mag, darf gern etwas auf unserer Papierlöffel schreiben. Diese sollen später in der St. Johanniskirche auch zu sehen sein“, so Kraft. „Wir möchten so das Thema Sterben weiter in die Gesellschaft bringen“, ergänzt Bade. „Und wir wollen daran erinnern: Keiner muss allein sterben“, betont Kraft.

Drei Gedanken haben die Koordinatorinnen bereits auf „ihren“ Löffeln zusammengetragen: „Was nehme ich mit?“, „Was möchte ich noch bereinigen beziehungsweise mitteilen?“ und „Was bleibt hier / Wem gebe ich meinen Löffel?“ - diese und weitere Fragen sollen den Blick öffnen. „Denn auch Fragen rund um Patientenverfügung und Vorsorgevollmachten sind wichtig, auch wenn man diese gern erst einmal von sich schiebt“, so Kraft.

Der Erlös aus gestifteten Silberlöffeln und „normalen“ Spenden solle der Kinderhospizarbeit zugute kommen, erklären die Koordinatorinnen. Hier gebe es mittlerweile passende Literatur, ergänzt Bade: „Wir möchten von der Spende unter anderem Bücher anschaffen, die solche Themen kindgerecht vermitteln.“ Den silbernen Löffel abzugeben, der sonst ungenutzt verstaubt, hilft also, Gutes zu bewirken.

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