„Ein Projekt, das wir weiterführen werden“

Zehn Jahre „Kinder-Kulturwerkstatt“ (Soltau) und „Spielbaustelle“ (Munster)

„Ein Projekt, das wir weiterführen werden“

Spielen, basteln, fröhlich sein - was für Grundschulkinder normal sein sollte, ist es für viele nicht wirklich. Das wussten auch Karin Böckmann vom Diakonischen Werk in Soltau und Dr. Antje Ernst von der Soltauer Stiftung Spiel, als sie das Förderprogramm „Zukunft(s)gestalten“ der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers nutzten, um ein eigenes Format zu entwickeln: Unter dem Titel „Spielräume“ schufen sie sinnvolle Freizeitangebote vor allem für Kinder, die es nicht immer leicht haben. Das war vor zehn Jahren - und das Projekt erwies sich als langlebig: Es existiert noch immer und hat Schule gemacht, denn heute sind auch Munster und Bispingen dabei. So können Ernst und Böckmann, aber auch Pastorin Meike Müller-Bilgenroth und Diakonin Anja Kanzinger von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Munster eine durchweg positive Bilanz ziehen.

Kinder, die in den Ferien nicht wegfahren und nur wenig unternehmen können, die vielleicht auch noch aus Familien mit unterschiedlichen Schwierigkeiten kommen, gehörten zunächst zur Zielgruppe: „Aber nicht nur, denn wir wollten eine Mischung. Und wir wollten verschiedene Generationen zusammenbringen“, erinnert sich Ernst. Tatsächlich lief die erste Aktion in Soltau unter dem Titel „Zusammenspiel der Generationen“. Das war eine zweitägige Veranstaltung für Kinder und Senioren in den Herbstferien: „Da ging es um eine Wii-Station, was für die Alten neu war, während die Senioren wiederum den Jungen von Dampfmaschinen, Eisenbahnen und Motorrädern berichtete“, erläutert Böckmann.

Was Veranstaltungen dieser Art auszeichnet, ist der konstante Aufbau, wie Ernst unterstreicht: „Das Projekt ist vielschichtig. So hat eine solche Veranstaltung immer einen bestimmten Schwerpunkt. Kombiniert wird dies mit Basteln und Spielen zu verschiedenen Themen. Die Kinder schaffen dabei immer etwas Gebasteltes, was sie mit nach Hause nehmen können. Auf diese Weise werden auch Bildungsinhalte ohne erhobenen Zeigefinger vermittelt. Diese Aktionen dauern mindestens einen oder auch zwei Tage und haben eine feste Struktur. So gehören Begrüßungs- und Abschlussrunde ebenso dazu wie gemeinsame Mahlzeiten.“

Inzwischen sind viele dieser Veranstaltungen gelaufen: Mal ging es um den Weidenhüttenbau, mal hieß es „Alles rund ums Ei“ , mal wurden in Munster Murmelbahnen gebaut, „und wir haben jetzt ein Projekt mit Tanzpädagogin Elke Detmers“, weiß Böckmann. Aber nicht nur die Themen ändern sich, auch der Projektname wurde ersetzt: Was am Anfang in Soltau „Spielräume“ hieß, nennt sich heute „Kinder-Kulturwerkstatt“. In Munster, wo sich die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde das Projekt 2014 zu eigen gemacht hat, wird es „Spielbaustelle“ genannt. Dort ist seit 2018 auch eine Bispinger Hortgruppe der Lebenshilfe Soltau dazugestoßen.

In der Örtzestadt erfreut sich das Angebot ebenfalls großer Beliebtheit. Dabei gibt es zwar eine enge Kooperation zwischen Stiftung Spiel, Diakonischem Werk und Kirchengemeinde Munster, „aber die Angebote und Anzahl in beiden Städten sind verschieden, ebenso die Organisation. In Soltau gibt es in der Regel einmal pro Jahr eine zweitägige Veranstaltung, in Munster dreimal pro Jahr eine eintägige“, erläutert Müller-Bilgenroth. Bei der Themenauswahl sorgen oft die Kinder selbst für Inspiration, wie die Pastorin weiß: „Nach Ende einer Veranstaltung fragen wir in der Abschlussrunde, was den Kindern gefallen hat und was wir aufgreifen könnten. Und da kommen oft gute Ideen.“

Im Laufe der Jahre sei das Mitein­ander verschiedener Kulturen und Sprachen stärker in den Vordergrund gerückt. Und auch bei den Ehrenamtlichen, ohne die diese Veranstaltungen nicht laufen könnten, gebe es Veränderungen: Unter ihnen seien inzwischen zahlreiche Flüchtlinge engagiert, so Müller-Bilgenroth und Ernst.

Insgesamt waren es bisher rund 500 Kinder im Grundschulalter, die seit den Anfängen an den kostenfreien Aktionen teilgenommen haben. Pro Veranstaltung sind es 15 bis 30, „wir hatten aber auch schon mal 40 oder 50, und wir mussten noch nie ein Kind wegschicken“, so Ernst. Ihnen Anregungen und ein bis zwei fröhliche Tage zu bieten, das ist das Ziel. Und es gibt erwünschte Nebeneffekte: „Die meisten Kinder, die so zusammenkommen, kennen sich nicht, finden aber schnell Kontakt zueinander“, so Kanzinger. Und Müller-Bilgenroth: „Daraus sind dann auch schon Freundschaften entstanden.“ Das bestätigt auch Ernst: „Die Kontakte, die sich daraus entwickeln, springen dann auch auf andere Bereiche über, etwa, wenn einige der Kinder dann im Chor auftauchen oder in der Filzwelt bei Kreativaktionen mitmachen.“

Und weiter: „Was wir mit diesem Angeboten am Ende vermitteln wollen, ist, dass die Kinder erkennen, dass sie aus ihren eigenen Möglichkeiten etwas machen können, und zwar am besten zusammen mit anderen. Und wir wollen ihnen zeigen, dass sie dies auch zu Hause umsetzen können.“

Lange wurde das Projekt von der Landeskirche unterstützt, doch das entsprechende Förderprogramm ist inzwischen ausgelaufen. Für Böckmann, Ernst, Müller-Bilgenroth und Kanzinger ist dies aber kein Anlass, die Flinte ins Korn zu werfen. Die Unterstützung werde dann eben anders organisiert, denn das Projekt werde auf keinen Fall eingestellt. So freuen sich die beteiligten Einrichtungen durchaus über Spenden, aber auch weitere Ehrenamtliche sind willkommen. Wer sich hier engagieren möchte, kann sich für Munster unter Tel. (05192) 5757 an Meike Müller-Bilgenroth und für Soltau an Karin Böckmann, Tel. (05191) 60122, wenden.

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