Museumseröffnung mit buntem Kulturfest und „Bleilaus“-Schöpfer Tetsche

Am 14. Mai um 14 Uhr fröhliche Einweihungsfeier mit Live-Musik in der Soltauer Kirchstraße

Museumseröffnung mit buntem Kulturfest und „Bleilaus“-Schöpfer Tetsche

Graublau ist sie, sitzt auf einem sogenannten Kegel und schaut leicht verschämt drein, die Bleilaus Guddi Gutenberg. Dass sie zudem leicht errötet, wenn auch in zartem Violett, hat einen guten Grund: Das Wichtigste, das den Kegel zierte, befindet sich nämlich in ihrem Magen. Der niedliche Krabbler hat dreisterweise das Schriftbild weggefressen. Trotzdem haben die Mitglieder des Vereins „Erlebniswerkstatt Buchdruck-Museum Soltau“ das Markenzeichen ihres Museums, das kein Geringerer als der bekannte deutsche Cartoonist Tetsche nach einer Idee des Vereinsvorsitzenden Reinhard Riedel kreiert hat, zum Fressen gern. Und noch mehr freuen sich die Anhänger und Bewahrer der Buchdruckkunst aus der Böhmestadt, dass der „Guddi-Designer“ am kommenden Samstag höchstpersönlich bei ihnen vorbeischauen wird. Tetsche hat sich nämlich zur Eröffnungsfeier angekündigt: Am 14. Mai wird das neue Buchdruck-Museum in der Kirchstraße 2 ab 14 Uhr im Rahmen eines großen Kulturfestes auf dem Parkplatz der Öffentlichkeit vorgestellt (siehe Bericht unten). Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Der Heide-Kurier hat sich am vergangenen Freitag schon mal in den Räumlichkeiten umgeschaut, passenderweise ein wenig unter „Zeit-Druck“. Das, was die Mitglieder dort in der Kirchstraße auf die Beine gestellt haben, kann sich wirklich sehen lassen. Das Staunen über die schmucken Räumlichkeiten ist nicht von langer Dauer, denn Fritz van Rechtern präsentiert sogleich das Prunkstück der Sammlung. Es hat so in etwa die Ausmaße eines Flipper-Gerätes, jedoch nichts mit Tastendruck zu tun, wie auch schon der Name des Schwergewichts verrät: „Das ist eine Kniehebelpresse der Firma Dingler aus Zweibrücken aus dem Jahr 1845“, sagt van Rechtern und ist sichtlich stolz auf dieses Exponat. „Die gleiche Presse steht im Deutschen Museum in München, wir aber können uns glücklich schätzen, auch eine Zeitungsdruckform dafür zu haben. Und sie ist funktionsfähig“, fügt das Vereinsmitglied hinzu. Er, der sich selbst gern als Unruheständler bezeichnet, kennt sich zweifelsfrei aus mit der Materie, hatte er doch früher selbst eine Druckerei am Niederrhein. „An der Kniehebelpresse haben früher drei Leute gearbeitet: Es gab den Einfärber und den Einleger. Den schwersten Teil der Arbeit musste der Pressbengel erledigen, der hatte den härtesten Job.“

Mit Hochdruck haben allerdings auch die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins „Erlebniswerkstatt Buchdruck-Museum“ gearbeitet, um ihr großes Ziel, das Museum zu eröffnen, zu erreichen. „Die Vereinsgründung ist bereits am 3. Dezember 2015 erfolgt“, so Renate Gerstel, die im Verein zwar auch mit Buchstaben, insbesondere aber mit Zahlen zu tun hat. Im Laufe der Jahre hatten die Ideengeber etliche Hürden aus dem Weg zu Räumen. Eine entscheidende Aufgabe war es, finanzielle Mittel zu akquirieren, zumal es bekanntlich nicht angebracht ist, sich Bares selbst zu drucken.

Und so war der Verein stetig um die verschiedensten Fördertöpfe bemüht, knüpfte vielerorts Kontakte und warb unablässig für sein Vorhaben. Der „Verwaltungskram“ füllt zwölf dicke Aktenordner und forderte unzählige ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden. „Ein wenig bürokratische und administrative Hilfe hätten wir gut gebrauchen können“, sagt Gerstel und fügt freudestrahlend hinzu: „Wir sind ziemlich alle, aber glücklich, dass es jetzt losgeht.“

Wie bei der Arbeit am Prunkstück der Ausstellung, so waren auch in den vergangenen sechseinhalb Jahren Hebel in Bewegung zu setzen. Und auch hier war Teamarbeit gefordert. Zudem gab es diverse Helfer, Förderer und Unterstützer. „Wir sind mächtig stolz und danken besonders Lars Klingbeil. Durch seine Fürsprache in Berlin hatte unser wichtigster Förderantrag mit 100.000 Euro Erfolg“, sagt Gerstel stellvertretend für die Aktiven des Vereins: „Und ohne den Einsatz unserer drei Ehrenmitglieder hätte es auch nicht geklappt: Zuerst Tetsche, der bisher als einziger die Bleilaus sah und sofort zu Stift und Papier griff. Dann Dr. Wolff-Martin Mundschenk und sein Sohn Dr. Martin Mundschenk, die die Zustimmung zum Umbau der jetzt fertigen Räume gaben, keinen Mietzins verlangen und mit zahlreichen Dauerleihgaben nicht nur für eine Linotype-Setzmaschine sorgten, sondern auch die Rettung vieler Blei- und Holzschriften aus der ehemaligen Buchdruckerei Herzberg möglich machten.“ Die Linotype aus dem Jahr 1951 wurde bei der Böhme-Zeitung einst von Setzermeister Oscar Wolff bedient, ist voll funktionsfähig und stand lange Zeit im Foyer der Tageszeitung. Dr. Martin Mundschenk hatte dem Verein auch den Kontakt zum Weser-Kurier vermittelt, der die Kniehebelpresse zur Verfügung stellte.

Seit 2018 ist die alte Buchdruckerkunst immaterielles UNESCO-Kulturerbe. „Wir wollen das immaterielle Erbe des Buchdrucks bewahren und vorführen“, so Riedel zu den Zielen des Vereins, der inzwischen 103 Mitglieder hat. „Wir haben uns vorgenommen, 200 Mitglieder zu gewinnen. Die Halbzeit ist also schon erreicht“, freut sich der Vorsitzende. Der Verein habe sich auf die Fahnen geschrieben, insbesondere auch jungen Menschen in Zeiten der Digitalisierung die „Schwarze Kunst“ näher zu bringen. „Wir möchten die Technik bewahren und an die jüngere Generation weiterreichen“, so Riedel. Diese solle Schrift „begreifen“ - und zwar wortwörtlich mit den Händen. Die Kunst des Umgangs mit Schriftzeichen und das damit verbundene Erfahrungswissen der Buchdrucker solle nicht verloren gehen.

Geplant hatten das Museum Architektin Melanie Hoyer und ihre Chefin Bianca Witt von „witt-architecture“. Mit den Baumaßnahmen waren Betriebe und Firmen aus der Region beauftragt. Finanziell unterstützt wurde das neue Aktiv-Museum vom Förderverein der Soltauer Wirtschaft (20.000 Euro), von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (rund 100.000 Euro), mit „LEADER“-Mitteln der Hohen Heide (60.000 Euro) sowie Geldern des Lüneburgischen Landschaftsverbandes (rund 19.000 Euro), der Aktion Mensch (10.000 Euro) und der Dirk Rossmann GmbH (1.000 Euro). Hinzu kamen einige größere und viele kleine Spenden sowie die Beiträge der Vereinsmitglieder. Letztere sind stolz, dass der Inklusionsgedanke in ihrem Museum umgesetzt wird: Es gibt eine Beschilderung mit Brailleschrift für Blinde, ein Blinden-Leitsystem am Fußboden, einen behindertengerechten Eingang sowie einen Setztisch für Gäste im Rollstuhl.

Live-Musik und mehr

Zur Eröffnung des neuen Buchdruck-Museums in der Böhmestadt am 14. Mai haben die Verantwortlichen des eingetragenen Vereins „Erlebniswerkstatt Buchdruck-Museum Soltau“ ein Kulturfest auf die Beine gestellt, in dessen Rahmen ganz ohne Druck fröhlich gefeiert werden soll. Los geht es um 14 Uhr auf dem Parkplatz in der Kirchstraße 2. Dort wird unter anderem ein großes Zelt aufgestellt.

Die Mitglieder des Vereins freuen sich auf einige Gäste: Der Schöpfer des Museums-Maskottchens, Cartoonist Tetsche, hat seinen Besuch angekündigt und wird eine „Bleilaus“-Skulptur im Gepäck haben. Auch das „männliche Double“ der Bleilaus, Hans-Peter Betz aus Mainz, reist an. In der Rolle „Guddi Gutenberg“ reicht sein scharfzüngiger Spott weit über die Mainzer Fastnacht bis hin zum Firmensitz von Microsoft: „Ohne Gutenbergs Know-How wär‘ Bill Gates ne arme Sau!“

„Besser kann man die Bedeutung des Immateriellen Kulturerbes des Buchdrucks nicht auf den Punkt bringen“, meint Reinhard Riedel, 1. Vorsitzender der Soltauer Bleiläuse. Auch musikalisch wird einiges geboten: So tritt Cajon-Spielerin Heidi Joubert auf, die regelmäßig weltweit tourt und mehr als 120.000 Abonnenten und mehr als 17 Millionen Aufrufe auf Youtube vorzuweisen hat. Darüber hinaus werden die Lokalmatadoren der Soltauer Band „Heavy Silence“, die Rockmusik unplugged präsentieren, zu sehen und zu hören sein.

Neben dem Ohren- darf der Gaumenschmaus nicht fehlen. Deshalb werden die Landfrauen Kuchen und Torten anbieten. „Ganz besonders freuen wir uns auch auf die Landjugend“, so Riedel, die sich nicht nur um den Getränkeausschank kümmern werde. Möglich wird das Fest, weil eine Reihe von Sponsoren die Veranstaltung mit Spenden finanziell unterstützt.

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