Neubau kommt - aber deutlich verkleinert

Volksbank Lüneburger Heide stellt Konzept für Standort Soltau vor

Neubau kommt - aber deutlich verkleinert

Nachdem die Volksbank Lüneburger Heide im November 2018 Abriss und Neubau ihrer Niederlassung in Soltaus Wilhelmstraße angekündigt hatte (HK berichtete), soll nun in absehbarer Zeit der Startschuss für das Projekt fallen. Dies allerdings nicht in der vor gut zwei Jahren präsentierten Version: Das Gebäude soll jetzt in Größe deutlich kleiner und in Architektur gänzlich anders ausfallen. Im wesentlichen erhalten bleibt jedoch die Planung für eine Straße, die im rückwärtigen Bereich des Gebäudes Wilhelm- und Mühlenstraße verbinden soll. Die Gründe für diese gravierenden Änderungen erläuterten die Volksbank-Regionalleiter André Pannier, Frank Rieckmann und Christian Otto sowie Architekt Christoph Frenzel am vergangenen Freitag.

Dass das alte Gebäude - durch Um-und Anbauten verschachtelt und in Teilen rund 100 Jahre alt - keine Zukunftsperspektive hat, steht schon seit langem fest - ebenso wie der Wunsch nach einer neuen Lösung, wie sie Pannier Ende 2018 vorstellte. Um sie umzusetzen, zog die Mitarbeiterschaft in diesem Jahr in die schräg gegen­über­liegen­de ehemalige Kreis­sparkassen­ge­schäfts­stelle (Poststraße).

Ein großer Gebäudekomplex sollte es werden, in dem nicht nur die Volksbank und Büros, sondern auch Bäckerei, Biomarkt und Gastronomie sowie 18 bis 20 Wohnungen Platz finden sollten. Davon hat sich das Unternehmen inzwischen verabschiedet - vor allem aus Zeitgründen, wie Pannier erläutert.

Hintergrund dafür: Die Planungen von 2018, aber auch die derzeitigen sehen den Bau einer Straße vor, um die Verkehrssituation zu entschärfen und gleichzeitig das Rathausquartier, also auch den Bereich der Mühlenstraße, besser zu erschließen. Diese Straße, die nur im Anfangsbereich auf städtischem Gelände, aber ansonsten auf Volksbankterrain läge, soll zwischen Böhme und jetzigem Gebäude verlaufen, um im hinteren Bereich des neuen Gebäudes nach links abzuknicken und dann zur Mühlenstraße zu führen, etwa auf Höhe der gegenüberliegenden Einfahrt des Rathausparkplatzes. Der Verkehr zwischen Wilhelm- und Mühlenstraße soll dann später über diese Straße geführt werden. Dies wäre mit einer Fahrbahnverbreiterung der Wilhelmstraße für eine Linksabbiegerspur und der Einrichtung einer Ampelanlage dort, wo die neue Straße gegenüber der Ein- und Ausfahrt von Thierbachs Parkplatz (hinter der Löwen-Apotheke) auf die Wilhelmstraße trifft, verbunden.

Diese Vorstellungen, so Pannier, seien nicht nur bei der Stadt Soltau, sondern etwa Mitte 2019 auch bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden durchaus auf Wohlwollen gestoßen. Doch da die Wilhelmstraße als B 71 eine Bundesstraße sei, müssten die dort vorgesehenen Änderungen ein mehrstufiges Untersuchungsverfahren durchlaufen. Das müsse dann auch in der vorgesehenen Aufstellung eines städtischen Bebauungsplanes (B-Plan)für den Volksbankbereich berücksichtigt werden.

Dies alles würde einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen und sei deshalb der Grund für die Umplanung der Volksbank: „Als wir erfahren haben, dass das Untersuchungsverfahren im Idealfall drei Jahre, vielleicht aber auch länger dauern wird, war das ein Schock, weil wir schon alles vorbereitet hatten. Das heißt, wir hätten frühestens 2022, eher aber 2023 mit dem Bau beginnen können - und das war für uns nicht akzeptabel“, erläutert Pannier.

Die jetzt angepeilte Lösung kommt offensichtlich ohne B-Plan aus, denn, so der Regionalleiter, „wir haben ein Baurecht, wenn wir etwa so bauen, wie gehabt.“ Um nicht auf die Bauleitplanung warten zu müssen, sei das Gebäude gegenüber den Plänen von 2018 deutlich verkleinert worden. Die Volksbank habe sich mit Architekt Frenzel in Klausur begeben, der habe dann mehrere Vorschläge vorgelegt, aus denen schließlich das jetzige Konzept erarbeitet worden sei. Dabei sei die Stadt immer einbezogen und ihre Gestaltungssatzung berücksichtigt worden.

Wie Pannier betont, liefen das Untersuchungsverfahren für die neue Straße und das Bauleitverfahren parallel weiter, was allerdings komplett in der Hand der Stadt liege, mit der die Volksbank einen städtebaulichen Vertrag geschlossen habe: „Die Stadt treibt das Verkehrskonzept voran. Und unser Gebäude wird so plaziert, dass alle anderen Vorhaben, also etwa die neue Straße, umsetzbar sind. Unser Konzept ist so angelegt, dass es die Pläne der Stadt für das Rathausquartier nicht konterkariert.“ Alles sei mit Stadt und Landkreis abgestimmt.

Das neue Volksbank-Domizil, so Frenzel, solle sich in die bestehende Bebauung einfügen und werde 2,40 Meter weiter als das alte ins Grundstück hineingerückt, damit genügend Platz für Bürgersteig und Linksabbiegerspur in der Wilhelmstraße bleibe. Das Gebäude zeige eine Dachlandschaft mit verschiedenen Neigungen, wie man sie auch bei den Häusern der Umgebung finde und sei kein Fremdkörper, so Frenzel. Wie er betont, zeichne sich das Gebäude einerseits durch Modernität, andererseits durch klassische Materialien wie Klinker aus, und es solle über die besten energetischen Möglichkeiten verfügen.

Der Bereich des großen Volksbankgrundstücks, um den es geht, umfasst eine Fläche von 8.270 Quadratmetern. Durch die noch zu realisierende Straße wird sie auf 7.600 Quadratmeter reduziert. In diesem Zuge sollen dann 140 Einstellplätze zur Verfügung stehen. Das Gebäude sieht eine Brutto-Grundfläche von 2.580 Quadratmetern vor, mit 1.900 Quadratmetern Mietfläche. „Zwei Drittel des Erdgeschosses wird die Volksbank für den SB-Bereich, Kundenservice und Beratung nutzen. Das erste Obergeschoss nutzen wir auch in Gänze, während das zweite Obergeschoss komplett vermietet werden soll. Ganz oben schließlich könnte es Besprechungsräume oder Vermietungen geben. Der Neubau wird eine kleinere Grundfläche als das alte Gebäude haben, aber die Nutzfläche ist deutlich größer. Doch Wohnungen und Geschäfte, wie ursprünglich geplant, wird es nicht geben, weil dies bei dieser Gebäudefläche nicht funktioniert“, erklärt Pannier.

Ausnahme ist ein Café oder Bistro, das im Erdgeschoss zur Mühlenstraße hin eingerichtet wird - passend zur Fußgängerzone, der das vordere Stück der Mühlenstraße angegliedert werden soll, obgleich durch die Wilhelmstraße (B 71)von der Marktstraße getrennt. Möglich wird dieser Schritt weil die Mühlenstraße in diesem Bereich nicht mehr befahren wird. Die neue Straße machts‘s möglich. Über deren Finanzierung habe es eine Einigung mit der Stadt gegeben: „Es gibt eine Kostenteilung“, so Pannier. Gehören tut sie dann der Stadt.

Zu den Gesamtinvestitionen, so der Regionalleiter, könne er derzeit noch nichts sagen. Dafür steht aber schon in etwa der „Fahrplan“ fest: Im April 2021 soll der Bauantrag eingereicht werden, auf dessen Genehmigung für Juni gehofft wird. Im August dieses Jahres soll der Abriss des alten Gebäudes folgen und im September dann der Baubeginn. Mit der Fertigstellung des Neubaus rechnet die Volksbank für Anfang 2023.

Derzeit hat das Unternehmen in Soltau 51 Kräfte, die sich auf die Standorte Ausweichquartier Poststraße (33), Wilhelmstraße/Altgebäude (13) und Soltau Ost/Lüneburger Straße (5) verteilen. Zukünftig werden es insgesamt 55 Mitarbeiter sein, verteilt auf folgende zwei Standorte: 25 Mitarbeiter im Markt/Vertriebsbereich (einschließlich Mitarbeiter aus der Immobilien-Tochtergesellschaft sowie Mitarbeiter des Finanzverbundes) im Neubau in der Wilhelmstraße sowie 30 Mitarbeiter aus dem Dialog-Center sowie hiesigen Verwaltungsbereichen (Back-Office) in angemieteten Räumlichkeiten im Dienstleistungszentrum Winsener Straße.

Damit ist der auch technisch moderne Neubau mit ebenso neuer Ausstattung jetzt in greifbare Nähe gerückt: „Das, was im alten Gebäude an Inventar noch verwertbar ist, werden wir deshalb Vereinen etwa als Möbelspende zur Verfügung stellen“, so der Regionalleiter. Doch bevor das betagte Gemäuer dann endgültig der Abrissbirne zum Opfer fällt, könnte es noch eine letzte Aufgabe erfüllen. Dazu Pannier: „Wir haben schon Übungsanfragen von Feuerwehr und Bundespolizei.“

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