Neue Technik kommt am Buch nicht „vorbei“

Fachkraft in Waldmühle: Florian Wittig fördert digitale Medienbildung und will Soltauer Bibliothek mit neuen Angeboten zum vernetzten Lernstandort machen

Neue Technik kommt am Buch nicht „vorbei“

Auch in den Zeiten von Internet und Digitalisierung habe das gedruckte Wort keineswegs ausgedient - da sind sich Ulrike Hennings und Helge Röbbert einig. So wollen die Leiterin der Waldmühle und Soltaus Bürgermeister die Bücher auch gar nicht aus der Bibliothek der Böhmestadt verdrängen, sondern vielmehr das Angebot ergänzen: „Wir möchten an diesem Standort das Interesse für neue Medien wecken, aber auch das Buch weiter pflegen“, erklärt Röbbert. „Besonders die ganz Kleinen wollen wir weiterhin für Bücher begeistern, Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten fördern“, ergänzt Hennings. Doch für alle ab etwa sieben Jahren gibt es nun Neues in der Bibliothek zu entdecken, und das begleitet von einem neuen Fachangestellten: Florian Wittig stellte jetzt das medienpädagogische Konzept der Waldmühle vor. Das startet mit spannenden, computerbasierten Angeboten wie ferngesteuerten Robotern aus dem „Lego-Education“-Baukasten sowie selbstgedrehten Filmen und „Stop-Motion-Animationen“ im „Greenscreen-Studio“.

Ähnliche Angebote finde man zwar nach und nach auch in anderen Einrichtungen, „doch gleichermaßen für die mediendidaktische und -pädagogische Weiterentwicklung der Bibliothek eine eigene Fachkraft ins Boot zu holen, damit sind wir Vorreiter in der Region“, freut sich Hennings. Dabei sei es keine zusätzliche Stelle, fügt Röbbert hinzu, Wittig übernehme einen frei gewordenen Posten. Doch dieser hat mit dem Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste nun eine neue Ausrichtung bekommen: „Das Thema Digitalisierung ist entscheidend für uns - auch hier in der Waldmühle. Und jetzt haben wir jemanden, der sich damit auskennt“, hebt Fachgruppenleiter Andreas Witt hervor.

Dieser „Jemand“ war bisher in Ritterhude als Grundschullehrer mit medienpädagogischem Schwerpunkt tätig. Die Stelle in der Soltauer Bibliothek sieht Wittig als große Chance: „Ich freue mich auf die spannende Aufgabe, die mich hier erwartet, nämlich Möglichkeiten zu gestalten und für die Waldmühle neue Angebote und Nutzungsmöglichkeiten zu entwickeln.“ Der gebürtige Oldenburger wohnt in Bremen, hat Mitte Mai die Stelle in Soltau angetreten - genug Zeit für ihn, um bereits bei der Ausarbeitung des jetzt anlaufenden Sommerferienprogramms mitzuwirken.

Bei dem können Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren einen „Hauch von Hollywood“ erleben und selbst zu Drehbuchautoren und Regisseuren werden: „Wir haben ein ‚Greenscreen-Studio‘ angeschafft“, so Wittig. Mit ebenfalls neuen Tablet-Computern drehen die Kids Sequenzen vor grüner Leinwand, die dann anschließend digital in einen Hintergrund nach Wahl eingefügt werden. Die zehn neuen „iPads“ dienen beim Angebot für Acht- bis 14jährige auch als Kameras und Schnittcomputer für „Stop-Motion-Videoclips“, machen aus Einzelbildern flüssige Bewegungen: „Quasi ein Daumenkino auf dem Rechner“, erklärt Wittig.

Der 31jährige möchte mit solchen Angeboten zum einen die Kreativität fördern und Lust auf den Umgang mit digitalen Techniken machen, zum anderen will er langfristig die Waldmühle als Lernstandort in der Böhmestadt weiter ausbauen und vernetzen: „Die Waldmühle soll ein strategischer Partner für sämtliche Bildungseinrichtungen im Bereich der Medien- und MINT-Bildung sein.“ Er plane regelmäßige neue und wechselnde medienpädagogische Workshops für verschiedene Altersstufen und Zielgruppen, auch eine Kooperation mit hiesigen Schulen und dem Soltauer Jugendzentrum seien angedacht: „Der Kontakt mit dem ‚YouZe‘ ist bereits in Vorbereitung.“

Doch bis es soweit ist, steht erst einmal das Ferienprogramm im Fokus. Für das können sich Interessierte auf www.soltau.feripro.de online oder telefonisch unter (05191) 5005 in der Waldmühle anmelden. Gruppen mit bis zu zehn Teilnehmern seien möglich, so Hennings, „im Moment haben wir zudem genug Platz, da keine Veranstaltungen in der Waldmühle laufen.“

„Zum Ferienprogramm gehört außerdem das Bauen und Programmieren von kleinen Robotern und Fahrzeugen aus den Komponenten des ‚Lego-Education‘-Sets“, so Wittig. Für eine kurze Demonstration startet er einen Erkundungs-Rover per Fingertipp auf dem „iPad“. Das Mini-Mond-Mobil rollt über den Tisch, bis seine Sensoren ein Hindernis erkennen: Ein für das kleine Gefährt riesiges Buch blockiert den Weg, und der Rover legt selbständig den Rückwärtsgang ein. Natürlich nicht wirklich selbständig, denn das alles sei selbstverständlich zuvor einprogrammiert worden, erklärt Wittig das „Manöver“. „Sieht einfach aus, ist aber eine komplexe Kette von Computerbefehlen.“

Dass bei dieser Erkundungsfahrt die moderne Technik nicht am Buch „vorbeikommt“, ist hier fast schon ein wenig symbolisch: „Die jüngere Generation soll kreativ die neuen Medien nutzen, mit diesen aber auch kritisch umgehen“, findet Hennigs. Ihre Einrichtung habe in den vergangenen Jahren digitale Möglichkeiten wie etwa die Onleihe vorangebracht, aber die Bücher als klassisches Medium nie aus den Augen verloren. „Unser Ziel ist, mit der neuen Fachkraft die digitale Medienbildung zu stärken“, so die Waldmühle-Leiterin. Mehr Medienkompetenz zu vermitteln heiße für sie auch, „verantwortungsbewusster mit der neuen Technik und ihren Inhalten umzugehen.“

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