Neustart im Museum Soltau

Nach Corona-Pause geht Hawoli-Ausstellung „Brüche“ weiter: Museum ab 23. Juni wieder geöffnet - bei freiem Eintritt und an sechs Tagen die Woche

Neustart im Museum Soltau

Vielversprechend begonnen, kam nach dem guten Start in der zweiten Märzwoche alles anders: Die Coronakrise machte dem Heimatbund Soltau und der Hawoli-Ausstellung im Museum der Böhmestadt einen Strich durch die Rechnung. So erinnert sich Robert Hollmann noch genau: „Die Vernissage am 9. März war sehr gut besucht. Dann lief die Ausstellung nur drei weitere Tage, bevor wir noch vor dem ersten Wochenende schließen mussten“, blickt der erste Vorsitzende des Heimatbundes Soltau zurück. Die Finissage war ursprünglich für den 14. Juni angesetzt - doch nun erfolgt quasi ein „Neustart“ der gesamten Ausstellung: Unter dem Titel „Brüche“ ist vom 23. Juni bis zum 30. August eine Auswahl von Hawolis Fotoarbeiten im Soltauer Museum zu sehen. Und das hat nach der Corona-Zwangspause nicht nur seine Öffnungszeiten ausgeweitet - von Dienstag bis Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr -, sondern der Heimatbund hat außerdem beschlossen: „Der Eintritt ist bis zum Ende des Jahres frei“, so Hollmann.

Mit dem freien Eintritt wolle die Einrichtung zum einen die Künstler unterstützen, „zum anderen möchten wir allen Soltauern einmal die Gelegenheit geben, uns neu oder wieder kennenzulernen“, wirbt der Heimatbundvorsitzende für den Besuch des Museums. Das hat sich außerdem auf die neuen Umstände eingestellt: Unter anderem erinnert ein Bild, auf dem Hermann Löns digital einen Mundschutz verpasst bekam, an die Maskenpflicht, und Desinfektionsmittel steht ebenfalls bereit. Im Bereich des Haupteingangs trennen jetzt Plexiglaswände die Ehrenamtlichen an der Kasse von den Besuchern, die zudem auf einem gekennzeichneten Rundgang die Ausstellung durchlaufen, bevor sie die Räumlichkeiten anschließend durch den Hinterausgang wieder verlassen. „Wir haben gewissermaßen einen ‚Kreisverkehr‘ eingerichtet, bei dem sich maximal zwei Personen gleichzeitig in den einzelnen Räumen aufhalten dürfen“, erläutert Hollmann. Er hebt zudem den Einsatz der Helfer hervor, die die Wiedereröffnung des Museums jetzt ermöglicht haben: „Dabei sind die meisten unserer Ehrenamtlichen bereits ‚70 plus‘ und zählen somit zur Corona-Risikogruppe.“

Das Museumsteam kann - passend zur Ausstellung - nun auch den aktuellen Katalog von Hawoli anbieten, der die Arbeiten von Hans-Wolfgang Lingemann vorstellt. So heißt Hawoli nämlich mit bürgerlichem Namen, auch wenn ihn die meisten eher unter seinem Künstler-Titel kennen dürften. Noch bekannter sind freilich seine Werke, die er bereits im gesamten Heidekreis und darüber hinaus präsentiert hat. „Brüche“ zeigt jetzt viele seine ungewöhnlichen Aufnahmen: Der Bildhauer hatte bereits 2018 eine Auswahl dieser Arbeiten in Breidings Garten ausgestellt, „doch viele der rund 30 jetzt gezeigten Bilder waren bisher noch nicht zu sehen“, so Hawoli Anfang März bei der Vorbereitung seiner Ausstellung. Im Museum der Böhmestadt präsentiert er somit eine weitere Facette seines Schaffens: fotographierte Ansichten der von ihm in Steinbrüchen gefundenen Schnitt- und Sprengflächen. Die jeweiligen Gesteinsformation, die hierbei auf leicht abstrakte Weise kunstvoll in Szene gesetzt sind, dienten Hawoli als Materialquelle für viele seiner Stücke. Warum er Fotos von den schroffen Formation gemacht habe? „Weil mich Steinbrüche einfach faszinieren“, meint der Künstler. „Über die Jahre habe ich Aufnahmen in unterschiedlichen Steinbrüchen in ganz Europa gemacht“, so Hawoli. Nicht digital, sondern mit Kamera und Film, „und vom Original-Negativ entstehen dann Abzüge auf Büttenpapier. Dabei habe ich flüssige, teils eingefärbte lichtempfindliche Emulsionen verwendet“, erläutert der Künstler. So lenkt er den Fokus auf die dem jeweiligen Gestein innewohnenden Strukturen und deren fließende Bewegungslinien - ein Kontrast zur schroffen Ästhetik des Steins. Der gezielt handwerkliche Eingriff - quasi als „malerischer Impuls“ - macht aus den Fotoarbeiten echte Unikate.

Was nach der Hawoli-Ausstellung folge, „daran arbeiten wir noch“, so der Heimatbundvorsitzende. Jedenfalls werde der freie Eintritt im Soltauer Museum auch dann gelten, so Hollmann. „Hauptsache es kommt erst einmal alles wieder in Gang.“

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