„Noch haben wir die Chance“

„Fridays for Future“: Jung und Alt gehen in Soltau gemeinsam auf die Straße

„Noch haben wir die Chance“

„Hopp, hopp, hopp, Klimastopp!“ und „„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ - die Rufe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „Fridays for Future“-Demonstration am vergangenen Freitagnachmittag in Soltau waren nicht zu überhören. Nach Angaben von Mitorganisatorin Eva Huss waren um die 500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene dem Aufruf zum „Klimastreik“ in der Böhmestadt gefolgt. Der Demonstrationszug machte aber nicht nur mit Rufen, Kreischlauten, Trillerpfeifen und Rasseln auf sich aufmerksam, sondern auch mit etlichen Transparenten und Schildern. „Zusammen für unsere Zukunft“ stand auf dem großen Banner, das die jungen Demo-Teilnehmer in der ersten Reihe vor sich hertrugen. „Plastikverbot statt Arten tot“, „Unsere Welt kann sich nicht selbst retten“, „Oma, was ist ein Schneemann?“ und viele andere Slogans und Sprüche standen auf den selbstgebastelten Schildern. Und auch der auf seiner Scholle treibende Eisbär, inzwischen Symbol für das Schmelzen der Polkappen und damit für die Folgen des Klimawandels, durfte nicht fehlen - hier allerdings aus Plüsch und auf Rollen unterwegs, gezogen mit Muskelkraft.

Wer im Vorfeld vermutet hatte, dass nur die junge Generation auf die Straße geht, sah sich getäuscht. Etliche Eltern begleiteten ihre Schützlinge, auch zahlreiche Großeltern waren auf den Beinen. Gewerkschafter marschierten ebenso mit wie Vertreterinnen und Vertreter von Umweltschutzorganisationen. Treffpunkt für alle war zunächst das Gymnasium. Von dort aus ging es auf der Winsener Straße und Bornemannstraße zum Mühlenweg. Zum Überqueren der Winsener Straße machte die Polizei selbige im Bereich der Fußgängerampel kurz „dicht“, so dass die Demo-Teilnehmer die Straße sicher überqueren und sich durch die Fußgängerzone zum Georges-Lemoine-Platz begeben konnten. Dort stand eine Abschlusskundgebung auf dem Programm.

Zum Auftakt erläuterten die Schülerinnen Luca-Paulina Huss, Marieke Burgwahl und Marika Lenz die Forderungen der „Fridays for Future“-Bewegung an die Politik: „Fridays for Future Deutschland fordert alle Regierungen und politischen Entscheidungsträger auf, die Klimakrise anzuerkennen und sofort auf allen Ebenen zu handeln. Noch haben wir die Chance und damit auch die Verantwortung, eine Klimakatastrophe abzuwenden“, sagte Marieke ins Mikrophon. Und Mitstreiterin Marika forderte: „Für einen Wandel muss sich aber sehr vieles ändern. Vor allem in den Bereichen Energieerzeugung, beim Wohnen und Bauen, in der Industrie, beim Verkehr beim Warentransport und auch in der Landwirtschaft sind große Anstrengungen nötig.“ Luca-Paulina fügte hinzu: „Die Klimakrise bedroht unsere Ökosysteme. Die weitere ungebremste Erderwärmung wäre eine große Gefahr für unser Leben. Aber auch für Frieden und Wohlstand auf der ganzen Welt.“

Das Trio nannte die wichtigsten Forderungen der „Fridays for Future“-Bewegung, die in Deutschland umgesetzt werden müßten, „um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten und die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen“: Kohleausstieg bis 2030 und „100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2035“. Zur Reduzierung der Treibhausgase müssten bis Ende dieses Jahres Subventionen für Öl, Kohle und Gas gestoppt und ein Viertel der Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. „Um eine Wende zu erreichen, die alle Menschen verstehen und mittragen können, fordern wir verständliche Aufklärung für alle in diesem Land. Die Fakten müssen auf den Tisch - und zwar so, dass alle begreifen, wie ernst die Lage ist“, meinte Marieke.

Es schlossen sich weiterere Rednerinnen und Redner an. Von Kritik am Versagen der Politik über praktische Tips zur Müllvermeidung bis hin zum Poetry-Slam über die Zerstörung der Umwelt reichte das Spektrum der Beiträge, die die Demo-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer jeweils mit lautstarkem Applaus würdigten.

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