Noch mehr Aufenthaltsqualität

Nach Umbau: Obergeschoss der Bibliothek Waldmühle eingeweiht

Noch mehr Aufenthaltsqualität

Gestern Vormittag in der Soltauer Bibliothek Waldmühle: Im Erdgeschoss sitzt Fachkraft Florian Wittig mit einer Gruppe Kinder und führt seine kleinen Zuhörer, die gebannt lauschen, praxisorientiert mit Lego-Education-Sets und Tablet-Computern in die faszinierende Welt des Programmierens ein. An anderer Stelle im Hause sind fröhlich lachende Kinder zu hören. „Das ist schon etwas anderes als die Stille in einer Universitätsbibliothek - und mir persönlich auch viel lieber“, sagt Soltaus Bürgermeister Helge Röbbert. Kurz zuvor hat er gemeinsam mit Bibliotheksleiterin und Eventmanagerin Ulrike Hennings das komplett umgebaute und modernisierte Obergeschoss eingeweiht. Ein Schnitt mit der Schere durchs rote Band - und schon war der Weg frei.

Röbbert freut sich sichtlich, dass „Leben in der Bude“ ist. Kein Wunder, ist dies doch ein Zeichen dafür, dass das Konzept der Bibliothek Waldmühle aufgeht. Die Zeiten, in denen Büchereien ausschließlich zum Ausleihen von Lesestoff dienten, sind längst vorbei. Und das nicht nur, weil digitale Medien auf dem Vormarsch sind, sondern auch, weil sich die Ansprüche und Bedürfnisse der „Kundschaft“ geändert haben.

Und so hat auch das Team der Waldmühle im Zuge der Planungsphase für den Umbau viele Ideen gesammelt, die sich nun im komplett modernisierten Hause wiederfinden. „Die Aufbewahrung der Bücher ist in den Hintergrund gerückt, für uns steht die Aufenthaltsqualität im Vordergrund“, unterstreicht Hennings. Nach dem Konzept „Bibliothek als dritter Ort“ verstehe sich auch die Waldmühle längst als gesellschaftlicher Knotenpunkt, als Ort der Begegnung, des Lernens und der Inspiration.

Und das ist zweifellos richtungsweisend. Apropos: Richtungsweisend war vor langer Zeit, nämlich im Jahr 1977, auch der Bibliotheksneubau in idyllischer Lage am Mühlenweg. Die damalige Erstausstattung erwies sich als qualitativ hochwertig und wurde bis zum Beginn der Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen genutzt. Los ging es im Jahr 2018 im Erdgeschoss, nachdem es dort einen Wasserschaden gegeben hatte. Rund zwei Jahre später war dann auch noch zu allem Übel ein Brandschaden zu beklagen.

Das Waldmühle-Team ließ die Köpfe jedoch nicht hängen, im Gegenteil: Es steckte viel Herzblut in die Planungen, die gemeinsam mit den beauftragten Fachleuten in die Tat umgesetzt worden sind, um die Waldmühle fit für die Zukunft zu machen.

Und das ist nun auch im Obergeschoss gelungen, wie sich im Zuge einer kleinen Führung zeigt. Sofort fallen die großen grauen und roten Lesesessel ins Auge, die zum entspannten Schmökern einladen. In den neuen Regalen, die zum Teil mit ihrer Form Schwung in das Ganze bringen, warten insgesamt knapp 20.000 Medien auf Interessierte. Neu ist auch der sogenannte „Glas-Cube“. Dabei handelt es sich um eine Art gläserner Büroraum, der als Rückzugsort dient. Dieser ist mit einem digitalen Flipchart und Internetanschlüssen ausgestattet, so dass hier kleinere Gruppen ungestört an Projekten arbeiten können. Der „Glas-Cube“, der sich harmonisch in die Räumlichkeit einfügt, kann aber auch für Beratungsangebote, etwa des Seniorenbeirates, genutzt werden.

Jugendbibliothek und Schülercenter warten nun mit reichlich Platz zum Lesen, Arbeiten und zur Nutzung der zahlreichen digitalen Angebote der Waldmühle auf. An dieser Stelle soll es nicht nur um Medienkonsum, sondern verstärkt auch ums Umsetzen eigener Ideen gehen. „Hier wird in den nächsten Wochen noch ein flexibles Greenscreen-Studio sowie ein Maker-Space entstehen“, erklärt Ulrike Hennings. Die jungen Nutzer sollen ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, zum Beispiel eigene Videofilme drehen und am Tablet schneiden. Außerdem soll demnächst auch ein 3D-Drucker zum Experimentieren zur Verfügung stehen.

Ein Highlight und Alleinstellungsmerkmal im Heidekreis ist die völlig neue „Bibliothek der Dinge“ im Jugendbereich der Waldmühle. Hier können sich junge Nutzer ab zwölf Jahren aus zwölf Schränken tolle Sachen ausleihen: Vom LED-Ringlicht über eine Karaoke-Maschine bis hin zum Teleobjektiv fürs Smartphone, zur Nähmaschine und zur Nebelmaschine. „Wir haben hier zwölf Schränke, die alle befüllt werden“, sagt Hennings. Als Beispiel holt sie den Koffer mit dem LED-Ringlicht aus dem Regal. Ein solches nutzen zum Beispiel Youtuber, um sich in ihren Videos perfekt in Szene zu setzen. „Alles kann mit dem Leseausweis ausgeliehen werden und kostet nichts extra“, betont Hennings.

Beim Rundgang verweist sie auch auf die kleineren Neuerungen, die nicht sofort ins Auge fallen. So zeigt sie zum Beispiel auf eine der in den neuen Kabelschacht integrierten Steckdosen, die über USB-Anschlüsse verfügen - kleines Detail, großer Nutzen. „Für eine Kommune unserer Größenordnung sind wir toll ausgestattet“, hebt die Bibliotheksleiterin hervor und lobt in Sachen Umbau die gesamte Mannschaft der Waldmühle: „Es war eine Teamleistung.“ Das hebt auch Röbbert hervor. Er freut sich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Weg der Veränderung mitgehen, sich neue Fähigkeiten aneignen, eigene Konzepte entwickeln und umsetzen. Auch in die Umbauplanung hätten sie sich engagiert und mit vielen Ideen eingebracht. „Das gilt übrigens auch für die Tischlerei Petersen“, unterstreicht der Bürgermeister.

„Wir freuen uns, dass wir jetzt tolle, zeitgemäße Präsentationsflächen haben. Mit der Aufenthaltsqualität sind wir nun sehr zufrieden“, sagt Hennings. Und weiter: „Es ist toll, wie die Soltauerinnen und Soltauer die Bibliothek annehmen.“ Es gebe eine enge Kooperation mit den Kitas und Schulen, die Veranstaltungen zum Beispiel im Rahmen des Sommerleseclubs seien nahezu ausgebucht. Erfreulich sei, „dass es gelungen ist, Fördermittel zu akquirieren, um die technische Ausstattung deutlich zu verbessern.“

Laut Röbbert hat die Grundsanierung rund 100.000 Euro gekostet. „Natürlich muss alles eine gewisse Wertigkeit und Qualität haben“, erklärt der Bürgermeister: „Insgesamt war es aber ein sehr wirtschaftlicher Umbau.“

Logo