Noch weit von der Normalität entfernt

Wie andere hat sich auch die Tafel Soltau mit Veränderungen arrangiert

Noch weit von der Normalität entfernt

Nachdem die Tafel Soltau coronabedingt am 15. März hatte schließen müssen, ist der Betrieb seit dem 24. April wieder angelaufen - unter neuen Bedingungen. Das heißt aber nicht nur, dass Corona-Regeln wie etwa Abstand halten gelten, sondern auch, dass die Tafel-Ehrenamtlichen kräftig von Freiwilligen der Aktion „Füreinander in Soltau“ und des DRK unter Leitung von Sandra Conrad unterstützt werden. Eine Hilfe, die beim Tafel-Team gut ankommt - ebenso wie zahlreiche Spenden, über die sich die Einrichtung in den vergangenen Wochen freuen konnte. Zuletzt - wie zuvor schon für die Tafeln in Munster und Schneverdingen - gab es auch für die Soltauer einen Geldsegen von der Aktion Mensch: 30.000 Euro gingen in die Böhme­stadt.

Wie Leiter Ernst Fuhrhop und Hartmut Walter, bei der Tafel Soltau für den organisatorischen Bereich zuständig, berichten, hatte sich die Soltauer Einrichtung bei der Aktion Mensch beworben, die im Zuge der Corona-Krise speziell zur Unterstützung der Tafeln ein Programm aufgelegt hatte. Die Bewerbung war erfolgreich - das Geld kann jetzt in die Lebensmittelbeschaffung fließen. Eigentlich, so Fuhrhop, dürfe die Tafel keine direkten Geld-, sondern nur Sachspenden annehmen: „Wegen der derzeit akuten Lage dürfen wir jetzt aber Lebensmittel hinzukaufen.“

Unterstützung gab es auch von anderer Seite: So überreichte etwa jüngst Jörg von Elling, Leiter der Soltauer Filiale der Volksbank Lüneburger Heide, einen symbolischen Scheck über 1.000 Euro an Walter. Und die Soltauer Firma „Geiss Computer“ sorgte für eine größere Lebensmittelspende, um in Corona-Zeiten zu helfen. Gleiches gilt für den Campingplatz „Auf dem Simpel“, der ebenfalls eine Warenspende beisteuerte.

Zwar ist die kirchlich getragene Tafel Soltau grundsätzlich auf ehrenamtliche Mitarbeiter und Unterstützung etwa auch durch Supermärkte, die Nahrungsmittel spenden, angewiesen, doch die derzeitige Lage erfordert weitere Maßnahmen: Seit 1999 verteilten ehrenamtliche Helferinnen und Helfer - derzeit sind es jeweils zwölf Frauen und Männer - Lebensmittel an Kunden aus Soltau, die natürlich ihre Bedürftigkeit „amtlich“ nachweisen müssen. Immer freitags um 13.30 Uhr fanden sich diese Menschen im Gemeindehaus der Lutherkirche zur Ausgabe ein. Ein Schwätzchen bei Kaffee und Kuchen verkürzte die Wartezeit; Gespräche und Meinungsaustausch der Nutzerinnen und Nutzer sorgten für wichtige Sozialkontakte.

Darunter hat die Corona-Krise nun allerdings einen Schlussstrich gezogen, denn Abstand ist angesagt, nicht Nähe. Erst recht nicht für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Sie befinden sich im Rentenalter, sind möglicherweise vorbelastet und zählen damit zur Risikogruppe.

„Als wir nach der Schließung dann Ende April wieder geöffnet hatten, konnten wir wegen der nötigen Auflagen nicht zur Normalität zurückkehren. Aber wir haben einen Modus gefunden, damit umzugehen“, meint Fuhrhop. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Zusammenarbeit mit Freiwilligen der Aktion „Füreinander in Soltau und des DRK. Sie wurden durch das Tafel-Team eingewiesen und beraten - und sie haben die Ausgabe übernommen. Die eigentlichen Tafelmitarbeiter haben sich aus dem direkten Kundenkontakt in den Hintergrund zurückgezogen. Das heißt, sie wickeln in der Regel den Warentransport ab und packen die Tüten für die Kunden, denn die Zeiten, in denen sich die Nutzer die Waren selbst aussuchen konnten, sind erst einmal vorbei.

Dazu Walter: „Ausgabe ist nach wie vor Freitag um 13.30 Uhr. Jeder Kunde bekommt dann eine Tüte mit Brot und eine weitere mit anderen Lebensmitteln sowie einen Beutel Kartoffeln. Wenn wir über spezielle Bedürfnisse informiert sind, dann berücksichtigen wir auch, ob jemand etwa Allergiker oder Vegetarier ist. Die Tüten werden dann durch ein Fenster an die Kunden ausgegeben. Weitere Kontakte und Zutritt zum Gemeindehaus gibt es nicht.“

Durch das Vorpacken der Tüten und die schnelle „Fensterabfertigung“ hat sich die Ausgabezeit um rund eine Stunde verkürzt. Das, so Fuhrhop, sei zwar erfreulich, doch werde diese Zeiteinsparung unter anderem erst durch Wegfall der sozialen Kontakte beim Kaffeetrinken erreicht. Das wiederum sei bedauerlich.

Die Kunden der Tafel kommen dennoch: Mit Geduld und gebührendem Abstand reihen sie sich in die Schlange ein, die sich freitags vorm Luther-Gemeindehaus bildet. Durch die Corona-Krise ist die Zahl der allwöchentlichen Besucher noch gestiegen: „Lag sie vor Corona bei 85 bis 90 pro Woche, so sind es jetzt 102. Dabei kommen auch immer ein bis zwei neue Leute - zum Teil auch jene, die es aus der Bedürftigkeit herausgeschafft hatten und jetzt wieder drin sind“, weiß Fuhrhop.

Mit ihrem Engagement hat die Tafel Soltau seit 1999 Familien und Einzelhaushalte mit Lebensmitteln unterstützt - insgesamt mehr als 120.000mal. Derzeit gibt es übrigens 189 aktive Tafelausweise. Davon entfallen 60 Ausweise auf Familien und 129 auf Einzelhaushalte. Dahinter stehen zusammen 285 Erwachsene und 164 Kinder. Etwa 50 Prozent der Besucher sind deutsche Staatsbürger, die anderen Kunden kommen ursprünglich aus weiteren 26 Nationen.

Die Versorgung dieser Menschen gibt es nicht umsonst: Zwar werden die Lebensmittel gespendet - und jetzt zugekauft -, doch es fallen auch andere Ausgaben an: Die größten Faktoren für 2019 waren die Transportkosten (Wagenmiete und Benzin) mit 4.633 Euro und die Reinigungskosten mit 903 Euro.

Um diese Kosten zu decken, zahlen die Kunden einen Obolus pro Erwachsenen, Kinder sind frei. Hier galt seit einigen Jahren, dass jeder Erwachsene einen Euro gibt, je Haushalt aber nicht mehr als drei Euro gezahlt werden. Davon ist die Tafel nun abgegangen: Jetzt zahlt jeder Kunde - Kinder ausgenommen - zwei Euro. Damit, so Walter, „können wir unsere Kosten decken.“

Wie der Soltauer betont, bringe die neue Art der Lebensmittelausgabe aber auch neue Ausgaben mit sich: „Wir brauchen zirka 1.000 Papiertragetaschen pro Monat. Die wurden uns bisher teilweise von Supermärkten gestiftet. Aber das ist kein Dauerzustand. Die Kosten für die Tüten belaufen sich auf rund 150 Euro im Monat, und das ist noch günstig.“

Doch angesichts der weiterhin wirksamen Corona-Gefahr wird die Tafel wohl auch künftig nicht auf die Tüten verzichten können. Und auch nicht auf das derzeitige Prozedere, selbst wenn das jetzt anders organisiert werden soll. Dazu Walter: „Auch die Freiwilligen von ‚Füreinander in Soltau‘ und DRK müssen inzwischen wieder arbeiten, sind also nicht mehr im bisherigen Umfang für die Lebensmittelausgabe verfügbar. Die werden wir wieder übernehmen.“

Und Fuhrhop: „Jene dieser Helfer, die weitermachen möchten, werden wir gern einbinden. Ansonsten haben wir beschlossen, wieder in die Lebensmittelausgabe zurückzukehren, die weiterhin durch das Fenster laufen soll. Wir möchten dies mit möglichst wenig Leuten und unter genauester Einhaltung hygienischer Vorgaben umsetzen. Den Weg dorthin müssen wir allerdings noch klären. Dabei werden wir mit Frau Conrad besprechen, wie die Unterstützung durch die Freiwilligen noch fortgeführt werden kann und wie wir die weiteren Abläufe gestalten wollen.“

Das Tafel-Team hat also noch einiges vor. Wer die Ehrenamtlichen dabei mit einer Spende unterstützen möchte, erfährt mehr auf der Homepage unter www.soltauer-tafel.de.

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