Nutrias werden jetzt konzentriert bejagt

Soltau: Große Nager sorgen seit einiger Zeit für Probleme

Nutrias werden jetzt konzentriert bejagt

Manchem mag sie possierlich erscheinen, aber sie hat es durchaus in sich: Die wasserliebende Nutria oder Biberratte (nicht zu verwechseln mit der Bisamratte), die sich schnell vermehrt, sorgt inzwischen auch in Soltau für Unmut - und Schäden. Deshalb ist dem Mitpächter der Soltauer Stadtjagd, Hermann Wrigge, neuerdings eine Bejagung auch unter Einbeziehung befriedeter Bezirke, beispielsweise Wohngebiete, erlaubt. Dort kommen zunächst allerdings Fallen zum Einsatz.

Ursprünglich stammt die Nutria aus Südamerika und wurde auch in Deutschland als Pelztier gezüchtet. Über diesen Weg, aber auch durch Auswilderungen gelangten Nutrias in die Freiheit und verbreiten sich auch in Niedersachsen kräftig: Zwischen 2006 und 2016 hat sich ihr Bestand in Deutschland verdoppelt. Die Nutria erreicht, laut Wikipedia, eine Körperlänge von bis zu 65 Zentimetern und wiegt erwachsen acht bis zehn Kilogramm. Ihr runder, schuppenbedeckter, kaum behaarter Schwanz hat eine Länge von etwa 30 bis 45 Zentimetern.

Dazu Wrigge: „Die Nutria liebt die Verbindung von Fließwasser und Stehwasser. Bei mindestens drei Würfen pro Jahr breitet sie sich an Flüssen und Bächen rapide aus und wird dann in nahen ruhenden Gewässern, so auch Gartenteichen, gern heimisch.“ Seine „Wohnung“ gräbt sich der große Nager in das Ufer: „Da der Eingang zu den ins Erdreich gegrabenen stollenartigen Höhlen knapp unterhalb der Wasseroberfläche angelegt wird, der Wasserstand sich jedoch oftmals verändert, gräbt ein einzelnes Nutria-Pärchen vorsorglich gleich mehrere Baue und zieht je nach Wetterlage entsprechend um. So sind die zunächst unbemerkten flächenartigen Schäden durch das Absinken ganzer Uferbereiche zu erklären“, meint Wrigge. Sind Deiche und Regenrückhalteeinrichtungen betroffen, kann das um so fatalere Folgen haben.

Abgesehen davon, dass die Biberratten unter anderem Uferröhrichte abfressen und damit den Lebensraum anderer Tiere beschneiden, sind selbst die Wurzeln größerer Bäume vor ihren Nagezähnen nicht sicher, wenn sie beim Graben des Baus darauf stoßen.

Damit können sie unterirdisch Bäume zu Fall bringen, wie bereits auf einem Grundstück in Soltau geschehen: In der Soltauer Seilerstraße, die parallel zur Soltau/Kuhbach verläuft, sind es derzeit zwei Grundstückseigentümer, die mit erheblichen Schäden durch Nutrias zu kämpfen haben.

„Sie haben deshalb die Niedersächsische Landwirtschaftskammer in Oldenburg um professionelle Unterstützung gebeten - nicht zuletzt im Interesse des Allgemeinwohls. Von dort aus wurde der Experte für Bisambekämpfung, Matthias Beiber, eingesetzt, der bereits im Aller-Leine-Tal ebenfalls mit Fallenfang auf Nutria erfolgreich ist“, weiß Wrigge.

Da man als Jäger in einem Wohngebiet nicht einfach durch die Gegend schießen darf, hat Beiber auf den genannten Grundstücken also Fallen aufgestellt und war bereits zweimal erfolgreich. Die gefangenen Tiere wiederum werden dann von Wrigge erlegt. Speziell dafür hat er eine Anordnung vom Landkreis als Jagdbehörde, die ihn mit dieser Tätigkeit beauftragt: „Ausschlaggebend ist hier die Kombination oder die Kooperation von Fallensteller und Jäger am Rand eines Wohngebietes. Das hat schon einen Pilot-Projekt-Charakter innerhalb der Soltauer Jägerschaft“, betont Wrigge.

In anderen Teilen seines Reviers müssen die Biberratten nicht erst gefangen, sondern können gleich bejagt werden, so etwa im Bereich der Almaue, in entsprechender Distanz zum Wohngebiet. Dort hat Wrigge bereits sieben Exemplare geschossen - von seinem Hochsitz aus, der jüngst zum wiederholten Male Vandalen zum Opfer gefallen war und wiederhergerichtet werden musste. Hier weist der Jäger darauf hin, dass es dabei zwar um Sachbeschädigung gehe, gleichzeitig aber auch gegen das Niedersächsische Jagdgesetz verstoßen werde. Danach dürfe das Fangen und Erlegen von Wild nicht absichtlich behindert werden. Ein Verstoß hiergegen stelle eine Ordnungswidrigkeit dar. Da die Bejagung der Nutria durch Abschuss oder Fallenfang im öffentlichen Interesse liege, sei dieses Verbot gegenüber Störerinnen und Störern durchzusetzen.

Die konzentrierte Nutria-Bejagung auch unter Einbeziehung befriedeter Bezirke hat am 20. Juli begonnen; vorerst bis zum 21. März 2021 läuft Wrigges Ermächtigung, auch in diesem Bezirken tätig zu werden. Bis dahin dürfte es sicherlich noch einigen Biberratten an den Pelz gehen.

Durch die zunehmende Verbreitung der großen Nager hat sich übrigens auch ihre Bejagung verstärkt: Mit 32.357 Tieren im Jagdjahr 2018/19 lag die Nutria-Jagdstrecke in Niedersachsen 33 Prozent über der des Vorjahres.

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