Ostermann: „Inklusion stellt Schulträger vor immense Aufgaben“

„Arbeitskreis Inklusion Heidekreis“: Auftaktveranstaltung am 8. Oktober in der Heidmarkhalle

Ostermann: „Inklusion stellt Schulträger vor immense Aufgaben“

„Das Thema Inklusion stellt alle Schulträger, auch die Kommunen, vor immense Aufgaben“, betonte Landrat Manfred Ostermann am vergangenen Montag im Pressegespräch in der Soltauer Filzwelt Felto. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf steige, ebenso die Nachfrage nach Schulbegleitern. Es gibt also viel zu tun in diesem Bereich. Am Donnerstag, dem 8. Oktober, steht in der Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel von 15 bis 17 Uhr die Auftaktveranstaltung „Arbeitskreis Inklusion im Heidekreis“ auf dem Programm. „70 Anmeldungen liegen bereits vor, wir haben aber noch Kapazitäten“, so Britta Dietrich, Leiterin des Regionalen Beratungs- und Unterstützungssystems Inklusive Schule der niedersächsischen Landesschulbehörde. Gemeinsam mit Landrat Ostermann, Jürgen Haarstick, Leiter der Stabsstelle Schulverwaltung und Bildung, ÖPNV des Landkreises Heidekreis, sowie Alexandra von Plüskow-Kaminski, Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis, informierte Dietrich über die Themen und Ziele der Veranstaltung, zu der sie kreisweit eingeladen hat.

„Im Grunde ist die Veranstaltung offen für alle, die sich einbringen möchten“, so Dietrich. Angesprochen seien alle Interessierten, die in irgendeiner Form mit dem Thema Inklusion zu tun hätten - Lehrer, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, Kita-Mitarbeiter, Behördenvertreter, aber auch Eltern von Kindern mit mit sonderpädagogischem Bedarf. Insgesamt stünden um die 200 bis 250 Plätze in der Heidmarkhalle zur Verfügung. Aufgrund der Corona-Pandemie müssten sich Interessierte allerdings im Vorfeld bei ihr per E-Mail an britta.dietrich@nlschb.niedersachsen.de anmelden. „Ob Personalmangel, Schulbegleitung oder steigende Kosten - die Probleme, die es gibt, sind offensichtlich“, machte Dietrich deutlich. Bereits im Februar 2018 sei Schulbegleitung im „Masterplan Bildung“ Thema gewesen, zudem habe im vergangenen Jahr eine Abfrage an allen Schulen im Heidekreis aufgezeigt, wo der Schuh drücke. Nun gehe es darum, in einem längeren Prozess „Hand in Hand“ die vorhandenen Strukturen in den Blick zu nehmen, um gemeinsam im „Arbeitskreis Inklusion“ Lösungen und Strategien zu erarbeiten. Weiterhin gelte es, die handelnden Personen und Institutionen zu vernetzten sowie Kooperationsmöglichkeiten zu nutzen. „Ziel ist es, Menschen zusammenzubekommen, die in Teams langfristig miteinander arbeiten sollen“, erläuterte Dietrich. Und dabei erhalten die Verantwortlichen professionelle Unterstützung. So konnte Professor Dr. Holger Lindemann, Professor für Entwicklungspsychologie und systemische Beratung an der MSB Medical School Berlin, gewonnen werden, der den Prozess fachkundig begleiten wird. Im Jahr 2017 wurde die von ihm geleitete Arbeitsgemeinschaft „Inklusion an Oldenburger Schulen“ mit dem Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule ausgezeichnet. Über dieses Modell und seine Erfahrungen damit wird Lindemann bei der Auftaktveranstaltung in der Heidmarkhalle berichten.

„Das Problem wird an den Schulen intensiver und immer wuchtiger“, so Ostermann zur steigenden Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf. Im vergangenen Schuljahr seien es insgesamt 746 gewesen - 243 Grundschüler und 443 Schülerinnen und Schüler aus der Sekundarstufe I. Auch die Nachfrage nach Schulbegleitungen steige.

Schulbegleiter gehören zum Alltag vieler Klassen in der Primar- und der Sekundarstufe I. Ihre Unterstützung ermöglicht Kindern und Jugendlichen mit einer körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigung den Besuch einer Regelschule. Aktuell gibt es laut Landkreis Heidekreis 181 Fälle, 50 im Fachbereich Soziales, zuständig für Schüler mit seelischen Beeinträchtigungen, sowie 131 im Fachbereich Jugend (Schüler mit körperlichen Beeinträchtigungen). Weiterhin gebe es aktuell 22 offene Anträge, sieben im Fachbereich Soziales und 15 im Fachbereich Jugend.

„Wir haben einen steigenden Bedarf, den wir aber nicht decken können“, machte Ostermann deutlich. „Obwohl wir uns lange dagegen gesperrt haben“, seien die Ansprüche in Sachen Qualifikation inzwischen gesenkt worden, zumal es „schier unmöglich“ sei, in Sachen Schulbegleitung ausschließlich auf ausgebildete Schulsozialarbeiter und Sonderpädagogen zurückzugreifen. „Vom Handwerkszeug her muss es aber schon passen“, betonte der Landrat und nannte als Option Erzieherinnen und Erzieher: „Am wichtigsten ist dabei immer, dass die Chemie zwischen Schulbegleiter, Kind und Eltern stimmt.“

Im Zuge des nun startenden Prozesses solle die Schulbegleiterausbildung in den Fokus genommen werden, meinte Ostermann. Vorstellbar sei auch die Bildung eines Schulbegleiter-Pools, damit diese Kräfte gegebenenfalls auch an anderen Schulen eingesetzt werden könnten. „Das ist nicht so einfach, sondern muss sehr behutsam vorbereitet werden. In Oldenburg klappt das bereits“, berichtete der Landrat. Wichtig sei, dass die Schulen mitspielten, aber eben auch das jeweilige Kind und dessen Eltern. Ostermann machte zudem deutlich, dass Schulbegleitung „kein Nullsummenspiel“ ist. Im Jahr 2018 hätten 71 Schulbegleitungen über die Jugendhilfe mit 1,9 Millionen Euro zu Buche geschlagen, weitere 51 Fälle im Fachbereich Soziales mit rund 1,2 Millionen Euro. „Um es klar zu sagen: Das sind Ansprüche, die die Kinder und Eltern haben und die sie geltend machen können. Da kann man nicht sparen“, konstatierte der Landrat.

„Schulbegleitung ist allerdings nicht das einzige Mittel“, meinte Dietrich. Wichtig sei es, beim Ausloten aller Möglichkeiten das Kind in seiner Gesamtheit zu sehen - „mit all seinen Wünschen, Ansprüchen und individuellen Gegebenheiten.“

„Inklusion ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, hob Ostermann hervor. Nicht nur die Institutionen seien gefordert, sondern auch Familie, Freunde, Nachbarn: „Inklusion gehört in den Alltag und muss von uns allen gelebt werden.“

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