Pflege „in Pastors Garten“

Erweiterungsbau am Melanchthonhaus eingeweiht und Haus gesegnet / Tagespflege in Soltau läuft bereits - jetzt mit zehn zusätzlichen Plätzen

Pflege „in Pastors Garten“

Seit nunmehr acht Jahren besteht die Soltauer Tagespflege im Melanchthonhaus - die meiste Zeit davon Tür an Tür mit dem Pastorenehepaar Magdalena Tiebel-Gerdes und Carsten Gerdes. Doch nach deren Umzug nach Italien wurde Anfang des Jahres das bisherige Pfarrhaus im Habichtsweg abgerissen, stattdessen entstand auf dem Gelände der Stiftung Haus Zuflucht im Ginsterweg ein neues Pastorenhaus der Soltauer Lutherkirchengemeinde. Somit war der Platz frei, um die Tagespflegekapazitäten am Melanchthonhaus zu erweitern. Nach gut einem halben Jahr Bauzeit ist der Anbau nun fertig: Am vergangenen Montag wurden die modernen Räumlichkeiten offiziell eingeweiht und Heiko Schütte segnete das Haus: Nach der Andacht des Superintendenten des Kirchenkreises Soltau gab es - natürlich unter Coronaauflagen - eine Besichtigung der Einrichtung der Diakoniestation.

Es war ein nahtloser Übergang: „Nach der Bauabnahme am 29. September konnten am 1. Oktober die ersten Tagesgäste empfangen werden“, erläuterte Melanie Hoyer. Für die Bauleiterin vom Scheeßeler Architekturbüro Witt und alle am Bau beteiligten Betriebe war der Abschluss eine spannende Phase: „Die letzten Wochen sind immer etwas ‚kribbelig‘. Dann entscheidet sich, ob man alles schafft und alles rechtzeitig fertig wird.“ Und sie haben es geschafft, wenn auch mit einem - im wahrsten Sinne des Wortes - „Schönheitsfehler“, der das große Zimmer tatsächlich einfach schöner macht: „Im Speiseraum war das Deckenfesterelement eigentlich kleiner geplant. Doch wir haben dort ‚einen Bock geschossen‘ und so wurde das sogenannte ‚Skylight‘ nun größer, verfügt über drei statt zwei Elemente. Ich war noch nie so froh über einen Fehler, als ich das Ergebnis und den lichtdurchfluteten Raum sah“, las Hoyer aus einem Brief der Architektin Bianca Witt vor.

Sie konnte zwar nicht selbst vor Ort sein, ließ aber in ihrem Grußwort noch einmal die wichtigsten Stationen Revue passieren: So habe es erste Überlegungen für eine Erweiterung der Tagespflege schon länger gegeben, und nach einem ersten Entwurf Ende 2017 sei Anfang 2018 der Plan aufgekommen, das Pastorenhaus mit einzubeziehen. Mitte 2018 seien die Planungen dann konkreter geworden. Für den Neubau - eine Sanierung der alten Räumlichkeiten wäre zu aufwendig geworden - sei schließlich am 30. April der Bauantrag gestellt worden. „Somit konnten im Januar 2020 die Abrissbagger anrücken, im März erfolgte der Baustart.“ In ihrem Brief gab Witt dem Team und den Gästen der Tagespflege noch eines mit auf den Weg: „Ich hoffe, dass das Haus immer mit guter Laune und fröhlichen Menschen gefüllt seinen wird.“

Den Worten ließen die Mitarbeiterinnen und Gäste, die die Segnung und Schlüsselübergabe warm eingepackt draußen vor dem Haupteingang verfolgt hatten, gleich Taten folgen: Sie füllten die Räumlichkeiten sogleich mit Leben. Auf den insgesamt 220 Quadratmetern, die die Einrichtung durch den Anbau hinzugewonnen hat, sind die 3,5 Räume (ein Ruhe- und ein Multifunktionsraum sowie ein Speiseraum mit Küchenzeile) vielseitig nutzbar. Rund 720.000 Euro seien in den Anbau investiert worden, erklärte Frank Neumann. Der Geschäftsführer der Stiftung Haus Zuflucht, der die Nachfolge von Michael Aufmkolk mitten in der Bauphase angetreten hatte, ist sehr glücklich mit dem Ergebnis und der Arbeit der Teams: „Sie haben uns in guter Art und Weise durch den Bau begleitet“, lobte Neumann. „Wir freuen uns sehr über diesen Ort, der nun so viel schöner und größer ist als zuvor.“

Zu diesem Ort überreichte Rainer Klatt, Mitglied im Kuratorium der Stiftung, einen Schlüssel - keinen, der ins Türschloss passt, sondern einen symbolischen: einen großen Schlüssel aus Holz. Den überreichte er Olga Laukart und den anderen Mitarbeiterinnen, die in der Tagespflege die Besucher betreuen: „Ich freue mich, dass hier jetzt der Betrieb starten kann. Den Bedarf für die zusätzlichen Plätze haben wir ja schon länger gesehen“, so Klatt.

Aus den zuvor 15 Plätzen der Tagespflege sind durch die Erweiterung nun 25 geworden. Auf rund 40 Besucher pro Woche schätzt Dorothea Grothe von der Diakoniestation im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Soltau die Zahl der Gäste. Betreut werden im Melanchthonhaus pflegebedürftige Menschen, die wegen einer körperlichen oder seelischen Beeinträchtigung nicht mehr selbständig zu Hause leben können. Sie genießen hier angepasste und tagesstrukturierte Angebote und essen gemeinsam - „und das alles“, so Neumann, „in Pastors (ehemaligen) Garten.“

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