Preis geht an Tonko Ufkes aus Groningen

Freudenthal-Anerkennung für Ursula Beecken aus Celle

Preis geht an Tonko Ufkes aus Groningen

Die Jury war sich offensichtlich recht schnell einig: Den diesjährigen Freudenthal-Preis für zeitgenössische plattdeutsche Literatur erhält Tonko Ufkes aus Groningen in den Niederlanden für seine Erzählung „De bonte vliegenvanger“. Die Freudenthal-Anerkennung geht an Ursula Beecken in Celle für eine Auswahl von vier Gedichten. Das hat die Jury am 10. August im Soltauer Ratssaal bekanntgegeben.

Dr. Gerrit Appenzeller (Göttingen), Dr. Ulrike Möller (Hamburg), Rainer Schobeß (Toppenstedt) und Robert Langhanke (Flensburg) sowie Annegret Hauschild (Neudorf) als Freudenthal-Preisträgerin 2018 gehörten diesmal zur Jury. Und die hatte sich mit 18 Einsendungen auseinanderzusetzen. Dabei lagen die eingesandten Texte - wie immer - anonymisiert vor. Erst nach der Entscheidung erfuhren die Juroren dann, mit wessen Beitrag sie es zu tun hatten.

Vor allem lyrische Texte, aber auch Erzählungen und ein Film-Drehbuch gingen bei der Soltauer Freudenthal-Gesellschaft ein. Die meisten dieser Beiträge stammten sprachlich aus dem nordniedersächsischen Raum, einige aus Ostfriesland und dem Groninger Bereich. Sechs Einsendungen waren es schließlich, die es in die engere Auswahl schafften. „Tonko Ufkes hat uns dabei eine Urlaubsgeschichte vorgestellt, die es in sich hat“, betonte Möller. In dieser Geschichte treffen sich ein Mann und eine Frau am Strand. Dabei zieht sie ihn unvermittelt nicht nur ins Wasser, sondern auch in ihr Schicksal hinein: Ihr steht nach einer Brustamputation eine zweite Operation bevor. Sie zeigt ihm ihre Narbe, und er hat keinerlei Berührungsängste. „Das ist kein leichtes, oft noch tabuisiertes Thema, das hier mit großer Sensibiblität erzählt wird. Eigentlich handelt es sich hier auch um eine Liebensgeschichte, die nie peinlich und deren Ende offen ist. Sie kann also auch gut ausgehen“, so Möller.

Der Verfasser, Tonko Ufkes, Jahrgang 1958, ist den Freudenthalern durchaus nicht fremd. So konnte sich Dr. Heinrich Kröger, ehemaliger Vorsitzender der Freudenthal-Gesellschaft, erinnern: „Herr Ufkes hat schon in früheren Jahren Beiträge eingesandt, konnte den Freudenthal-Preis aber nicht gewinnen.“ Bis jetzt: „Seine Erzählung ist sprachlich und handwerklich gut gemacht“, resümierte Appenzeller und unterstrich, dass „Tonko Ufkes vor allem in Groningen ein bekannter Name ist. “

Noch nicht so lang dabei ist Ursula Beecken: „Platt ist für sie die Sprache der Nähe. Sie schreibt allerdings erst seit vier Jahren“, wußte Möller zu vermelden. Kröger konnte auch hier einige Ergänzungen einbringen, denn Beecken ist ihm ebenfalls bekannt: „Sie ist jetzt etwa 77 Jahre alt und hat früher manchmal in anderen Zusammenhängen Prosatexte verfasst.“ Neu war allerdings auch Kröger ihr Engagement als Lyrikerin. Und das hat offensichtlich überzeugt. In ihren vier eingereichten Gedichten bringe sie Bilder von bestechender Klarheit und überraschender Aussagekraft. Das, was bekannt scheine, werde neu erfahrbar: „Liebe und Verlust werden bedacht - und auch das Dichten selbst“, hieß es von der Jury.

Beispielhaft führten die Juroren hier eines der Gedichte an, dass zunächst vordergründig mit dem „Eiapopeia“ des traditionelles Wiegenliedes daherkommt, um mit diesem Idyll und den Lesererwartungen zu brechen. „Wir hätten nicht gedacht, dass die Autorin eher noch eine Anfängerin ist“, meinte Schobeß. Denn, so Langhanke, „sie kann mit Sprache umgehen. Aus zunächst schlichter Wirkung entwickelt sie in ihren Gedichten eine Sprengkraft. Wir haben mit dieser Veröffentlichung eine Autorin entdeckt.“

Verliehen werden der mit 2.500 Euro dotierte Freudenthal-Preis und die Freudenthal-Anerkennung (500 Euro) am Sonnabend, dem 28. September, in Walsrode.

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