Rat einstimmig für Takoda

Neuer Träger für Jugendarbeit: Zustimmung, aber auch Kritik am Prozeß

Rat einstimmig für Takoda

Große Redebeiträge gab es zunächst nicht bei der Soltauer Ratssitzung am vergangenen Donnerstag: Den Jahresabschluß 2018 der Stadtwerke Soltau und den des Eigenbetriebes Stadtentwässerung Soltau winkte der Rat ebenso schnell durch wie die neue Gebührensatzung der städtischen Kitas Berliner Platz und Stalmannstraße, die ohne Erhöhungen auskommt. Unter dem Tagesordnungspunkt „Weiterentwicklung der Jugendarbeit in Soltau“ meldeten sich dann allerdings mehrere Ratsmitglieder zu Wort - schließlich ging es um eine entscheidende Wende auf diesem Sektor, nicht nur für das Jugendzentrum (Juze).

Sozial- und Verwaltungsausschuß hatten sich bereits damit befaßt, und der Rat traf schließlich die einstimmige Entscheidung: Die Takoda GbR soll vom 1. Januar 2020 an für vorerst drei Jahre die Trägerschaft der Jugendarbeit in der Böhmestadt übernehmen. Kosten pro Jahr: 267.643 Euro. Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember dieses Jahres soll Takoda diese Aufgabe im Rahmen der bestehenden Haushaltsmittel erfüllen.

Hintergrund für den Schritt, die Jugendarbeit auf andere Füße zu stellen: Der 1980 gegründete und ehrenamtlich organisierte Trägerverein Freizeitbegegnungsstätte wäre zukünftig nicht mehr in der Lage gewesen, die erforderliche Ausweitung des Juze-Leistungsspektrums zu bewältigen, so beispielsweise die Umstrukturierung des Juzes zu einem „Haus der Begegnung“, wie es der Rat einmal vorgesehen hatte. Diese Erkenntnis hatte sich bereits 2016 abgezeichnet. Der Verein unter Vorsitz von CDU-Ratsfrau und Sozialausschußvorsitzender Elke Cordes war schließlich zu dem Ergebnis gekommen, daß eine professionelle Tägerschaft erforderlich sei.

Als Folge beschloß der Verein im Oktober 2018, diese Trägerschaft zum 30. Juni 2019 aufzugeben und sich in einen Förderverein umzuwandeln (HK berichtete). Damit verbunden war auch die Kündigung des Juze-Teams mit der langjährigen Leiterin Elke Lindhorst und Frithjof Cohrs, die beide beim Verein angestellt waren. Ein Schritt, der bei den Jugendlichen auf bittere Kritik stieß. Und nicht nur bei ihnen: Auch in der Einwohnerfragestunde der vergangenen Ratssitzung nutzten eine Besucherin und ein Besucher noch einmal die Gelegenheit, um auf die wertvolle Arbeit Lindhorts und Cohrs’ hinzuweisen und sich für deren weitere Beschäftigung einzusetzen.

Mit dem Beschluß des Vereins fiel die „Zuständigkeit“ in Sachen Jugendarbeit wieder zurück an die Stadt - und die startete ein Interessenbekundungsverfahren zur Vergabe der Kinder- und Jugendarbeit. Zunächst meldeten sich drei Interessenten, die alle die Anforderungen an Träger der Jugendhilfe erfüllten und für die Weiterentwicklung der Jugendarbeit und Schulsozialarbeit qualifiziert waren. Ein Bewerber zog sich zwischenzeitlich zurück, und am Ende setzte sich Takoda gegen das Stephansstift durch.

Die „Takoda GbR - ambulante und stationäre Jugendhilfe“ hat ihren Sitz in Schneverdingen und ist dort auch in mehreren Bereichen tätig. Mit ihrem Konzept, das Leiter David Dinges und Mitarbeiterin Carina Zottl im Rat noch einmal kurz umrissen, hat die Einrichtung offenbar überzeugt: „Der ausgewählte Träger zeigt Innovationen für die Weiterentwicklung der Jugendarbeit in Soltau auf und verfügt über Ressourcen und Netzwerk für eine erfolgversprechende Umsetzung“, hieß es in der Beschlußvorlage.

In diesem Sinne betonte Bürgermeister Helge Röbbert die Notwendigkeit, auf die vielfältigen Veränderungen im Bereich von Jugend und Jugendarbeit zu reagieren, was allerdings nicht als Kritik an der bisherigen Arbeit zu verstehen sei. Auch Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen begrüßten die Auswahl von Takoda, würdigten dabei aber auch die Verdienste von Lindhorst und Cohrs sowie den großen ehrenamtichen Einsatz von Elke Cordes als Vorsitzende des bisherigen Trägervereins. Lob fand dabei auch die Entscheidung des Vereins, den Tatsachen ins Auge zu blicken und die Trägerschaft der Jugendarbeit abzugeben. Das betonten Monika Pitschmann (SPD), Heidi Schörken (CDU) und Klaus Grimkowski-Seiler (Bürge­­r­union), und auch Heidrun Horn (AfD) sprach sich für die neue Trägerschaft aus.

Zwar positiv in der Sache, aber kritikwürdig im Ablauf sah Christian Wüstenberg (Grüne) diesen Prozeß. Er erinnerte an das schwierige Unterfangen, 1980 Trägerverein und Jugendarbeit auf die Beine zu stellen: „Das ist gewachsene Soltauer Geschichte.“ Auch deshalb hätte Wüstenberg sich mehr Öffentlichkeit und Diskussionen gewünscht, als es um die Abgabe der Trägerschaft gegangen sei: „Damit hätte man vielleicht maches Gerücht und manches böse Wort verhindern können.“

Besonders kritisch ging dann Birhat Kaçar (SPD) mit den Abläufen ins Gericht: Die Jugendarbeit in neue Hände zu legen sei zwar gut, aber das Verfahren sei nicht gut gelaufen. Der Rat habe keine Möglichkeit gehabt, sich vorher selbst in dieses Thema einzubringen. Wünsche und Anregungen zur Zukunft der Jugendarbeit hätten schon viel früher aufgenommen werden müssen: „Und hat eigentlich irgendjemand darüber nachgedacht, die Jugendlichen zu fragen?“ Der Ratsherr warf dem Bürgermeister in diesem Zusammenhang Intransparenz vor, kritisierte aber auch den bisherigen Trägerverein: Der habe Lindhorst und Cohrs in diesem Prozeß nicht wirklich mitgenommen, dabei, so Kaçar, „hat Soltau vor allem Elke Lindhorst viel zu verdanken.“

Nach dem einstimmigen Votum für den künftigen Träger meldete sich auch Vereinsvorsitzende Elke Cordes zu Wort. Sie machte noch einmal deutlich, daß der ehrenamtliche Trägerverein vieles nicht mehr habe leisten können und daß er keine andere Möglichkeit gehabt habe, als dem Juze-Team zu kündigen. Der Rat habe jetzt eine gute Entascheidung getroffen, um wieder einen zukunftsweisenden Weg einzuschlagen. Von den Ratsmitgliedern wünsche sie sich Unterstützung und forderte sie auf, dem Förderverein beizutreten - Beitrittsformulare hatte Cordes jedenfalls vorsorglich mitgebracht.

Vom 1. Juli an übernimmt Takoda das Steuer im Juze, wo am 3. Juli eine kleine „After-School-Party“ steigen soll. Apropos Jugendzentrum - um deutlich zu machen, daß das „Du“ - also der einzelne Jugendliche - im Vordergrund stehe, solle aus dem „Juze“ ein „Youze“ werden.

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