Röbbert will „gern weitermachen“

Soltaus Bürgermeister „mit persönlicher Bilanz sehr zufrieden“

Röbbert will „gern weitermachen“

Bei gefühlt tropischen Temperaturen war es am vergangenen Dienstag beim Gang durch die Böhmestadt nicht zu übersehen: Die ersten Plakate hängen schon, der Wahlkampf im Superwahljahr 2021 nimmt langsam Fahrt auf. In Soltau hat Herausforderer Olaf Klang bereits im April dieses Jahres seinen Hut in den Ring geworfen, mit dem Ziel, Bürgermeister Helge Röbbert abzulösen (HK berichtete). Der Amtsinhaber indes hat nicht vor, sein Büro auszuräumen und das Rathaus zu verlassen. „Ich möchte gern weitermachen beziehungsweise weiter Machen“, erklärte Röbbert am vergangenen Dienstag im Pressegespräch. Der Bürgermeister, wie sein Herausforderer parteilos, sieht sich gut gerüstet. „Die Kampagne steht. Nun wird sich zeigen, ob mir die Bürgerinnen und Bürger das Vertrauen schenken - und ob ich weitermachen darf“, sagte er. Im Gespräch zog er mit Blick auf seine bisherige Amtszeit Bilanz und verdeutlichte seine Standpunkte, insbesondere auch zum Reizthema Standort des geplanten neuen Heidekreis-Klinikums.

„Ich bin damals angetreten, weil ich Dinge voranbringen und verändern wollte. Ich habe mir mein altes Wahlprogramm noch einmal angesehen und war überrascht, wie detailliert ich die einzelnen Punkte seinerzeit aufgeführt habe“, so Röbbert, der seit November 2014 auf dem Chefsessel sitzt. Dazu gehörte auch das Wahlversprechen, sich für einen ganzjährig bespielbaren Kunstrasenplatz einzusetzen. Den gebe es zwar noch nicht, räumte Röbbert ein, stattdessen sei nun jedoch der „Sportpark Ost“ in der Pipeline, der fünf Plätze, darunter einen ganzjährig bespielbaren, vorsehe (HK berichtete). „Es war ein langer Prozess und ging nur in Abstimmung mit den Vereinen über das Sportstättenentwicklungskonzept. Das wird ein Aushängeschild“, hob der Bürgermeister hervor. Auch darüber hinaus seien in seiner Amtszeit viele seiner Vorhaben angepackt worden, unterstrich er - und zählte auf: „Verwaltungsreform, Digitalisierung, Haushaltskonsolidierung, Beiseitigung des Investitionsstaus.“

„Wir haben 16 Millionen Euro Schulden abgebaut und 36 Millionen Euro investiert“, betonte Röbbert. So seien unter anderem zwölf Millionen Euro in Gebäude, 3,5 Millionen Euro in Schulen, 2,5 Millionen Euro in Kitas, zehn Millionen Euro in Straßen, vier Millionen Euro in die Feuerwehr und 700.000 Euro in Kultur und Bibliothek geflossen. Aber auch andere wichtige Bereiche seien nicht zu kurz gekommen. „Es gibt die Kitas, die wir mit Personal füllen müssen, sowie die Vereine, die wir brauchen, um den sozialen Bereich zu aktivieren. Das hat geklappt. Auch in der Jugendarbeit sind wir weitergekommen - und wir haben Schulsozialarbeit eingeführt“, listete Röbbert auf.

Ferner sei es gelungen, das „Wohlfühlklima“ in der Stadt zu verbessern. Dazu habe auch die Weiterentwicklung der Veranstaltungen, zum Beispiel des Weihnachtsmarktes, beigetragen. Dieses Beispiel zeige, dass sich in der Verwaltung „die Sichtweise geändert“ habe. „Die Kolleginnen und Kollegen kümmern sich. Die bunten Fahrräder in der Stadt waren ihre Idee. Inzwischen werde ich auch von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Nachbarkommunen angesprochen, weil es so schön ist bei uns. Dieses Klima der Veränderung kann man sehen und spüren“, freut sich der Soltauer. Zudem sei es gelungen, die Innenstadt zu beleben: „Der Hagen war quasi tot“, so Röbbert. Nun sei dort eine „Gastro-Meile“ zu finden. Mit Blick auf den stationären Einzelhandel sei zu beobachten, dass inhabergeführte Geschäfte „langsam wegbrechen“, meinte Röbbert. Allerdings: „Wir haben die einzige Fußgängerzone weit und breit und kaum sichtbare Leerstände.“ Nun müsse es darum gehen, ein Konzept für die Marktstraße zu entwickeln und sie mit Hilfe von Fördermitteln und Geld der Stadt umzugestalten und fit für die Zukunft zu machen. „Wir haben dafür fünf Millionen Euro Fördermittel generiert. Damit können wir dieses Millionenprojekt stemmen - und das werden wir auch“, konstatierte der Verwaltungschef.

Dass er zu Beginn seiner Amtsszeit die Dauer solcher Prozesse ein wenig unterschätzt habe, räumte Röbbert ein. „Vom Wunsch, kurzfristig Erfolge zu erzielen, muss man sich zurücknehmen“, erklärte er. Daher hoffe er auf eine weitere Amtszeit, um angeschobene Projekte wie „Fußgängerzone“ und „Sportpark Ost“ sinnvoll weiterführen und umsetzen zu können. Das gelte auch für die Schaffung zukunftsfähiger Gewerbegebiete und die Ansiedlung von Unternehmen, „die nachhaltig sind für den Arbeitsmarkt.“ Dass einige Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter nach seiner Amtsübernahme das Handtuch geworfen haben, ist in der Böhmestadt kein Geheimnis. „Wir hatten einige Altersabgänge in den ersten fünf Jahren und eine Handvoll Mitarbeiter, die so gegangen sind. Das ist normale Fluktuation“, meinte Röbbert. Und weiter: „Mit der Stadtverwaltung bin ich sehr, sehr zufrieden. Es gibt Ziele, die wir erreichen wollen und wir haben dafür entsprechende Budgets geschaffen. Wir haben eine weitgehende Eigenverantwortung der Verwaltung und uns mit ihr sehr schnell bewegt. In den vergangenen sechs Jahren wurden 7,2 Millionen Euro Fördermittel generiert, die wir stets zweckgerichtet und konkret einsetzen, um wichtige Projekte umzusetzen.“

„Zufrieden“ sei er, Röbbert, auch mit der Zusammenarbeit mit der Politik. Zu Beginn habe es durchaus Reibungspunkte gegeben: „Beide Seiten haben ihre Kanten gezeigt, ihre Reviere abgesteckt. Wir haben uns aufeinander zubewegt, denn beide Seiten haben erkannt, dass man nur gemeinsam vorankommt.“ Die von der Bürgerunion, die Kandidat Olaf Klang unterstützt, jüngst wieder geäußerte Kritik an Röbberts Informationspolitik weist der Amtsinhaber zurück. Die Politik werde rechtzeitig über Steuerungs- und Lenkungsgruppen einbezogen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Miteinander im Rat bei grundsätzlichen Entscheidungen. Wenn Ideen von der Politik kommen, dann setzen wir sie auch um“, so das Stadtoberhaupt. Und fügte hinzu: „100 Prozent Zustimmung des Rates zu den Vorlagen des Bürgermeisters. Die fachliche, politische Zusammenarbeit ist mittlerweile richtig gut.“

Überhaupt nicht gut findet Röbbert den Standort Bad Fallingbostel für das geplante Gesamtklinikum. Herausforderer Klang hatte bei seiner Vorstellung erklärt, dass das Ergebnis des Bürgerentscheids zu akzeptieren sei. Dazu Röbbert: „Diese Meinung teile ich nicht. Ich persönlich akzeptiere den Standort Bad Fallingbostel nicht. Niemals! Ich habe von Anfang an klare Kante gezeigt und gesagt, da mache ich nicht mit. Ich will das Krankenhaus in Soltau behalten - ob im Altbau oder Neubau.“ Im Zuge des Bürgerbegehrens sei deutlich geworden, dass der nördliche Teil des Heidekreises den Standort Bad Fallingbostel nicht akzeptiere. „Der Norden ist dramatisch unterversorgt. Wir sind hier aber keine Verfügungsmasse, wir sind hier der Wirtschaftsmotor des Heidekreises.“

Was den Wahlkampf angeht, so wird Röbbert jetzt seine Internetseite darauf zuschneiden und in den kommenden Wochen, wie er sagte, „auf die Bürger zugehen und persönlich Flyer verteilen.“

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