RuF sorgt sich um Zukunft

Baugebiet neben Reitanlage: Nachbarn könnten sich belästigt fühlen

RuF sorgt sich um Zukunft

Gemeinhin fühlen sich bei einer neuen Bebauung die Anlieger beeinträchtigt. Beim Reit- und Fahrverein (RuF) Soltau ist es umgekehrt: Das Gelände mit Stall, Reithalle und Außenanlagen grenzt an das geplante Wohnbaugebiet in der Winsener Straße, und das, so befürchtet der Verein, könnte Probleme bringen. Wenn dort erst einmal Nachbarn wohnten, könnten die sich durch Lärm- und Geruchs- und Staubemission derart gestört fühlen, daß sie dagegen zu Felde zögen. Und das wiederum könnte dazu führen, daß die Aktivitäten eingeschränkt werden müßten und der Verein Schaden nähme. Um hier mögliche Konflikte zu vermeiden, fordert der Verein einen größen Abstand zur künftigen Bebauung.

RuF-Vorsitzende Dorothea Bockelmann und ihr Mann Detlef Bockelmann sowie der stellvertretende Vorsitzende Helge Theissen, Jugendwartin Heike Lüders und Sportwartin Johanna Sander hatten am vergangenen Mittwoch zum Ortstermin geladen: Auf dem rund fünf Hektar großen Gelände, das dem Verein seit 1954 zunächst als Turnierplatz diente, 1975 eine Reithalle und 1984 einen weiteren Anbau bekam, ist immer viel los.

Dafür sorgen nicht nur die zahlreichen und oft hochangesehenen Turniere und anderen Reitsportveranstaltungen an den Wochenenden: „Wir haben die Stadt darauf hingewiesen, daß es nicht nur diese Veranstaltungen sind, die Emissionen erzeugen“, betont der stellvertretende Vorsitzende, denn auch der ganz normale Ablauf auf der Anlage bringe Emissionen mit sich. Dazu Dorothea Bockelmann: „Wir haben Platz für 30 Pferde. Derzeit sind 20 Tiere hier untergebracht, acht vereinseigene und zwölf von Mitgliedern.“ Da gehe es nicht mucksmäuschenstill zu: Pferdehaltung verursache Stallgeräusche, die auch nachts nach außen dringen. Fütterung, aber auch das Ausmisten seien intensive Aktionen, wobei der Mist zwar in regelmäßigen Abständen abgefahren werde, gleichwohl aber eine Geruchsbelästigung darstellen könne.

Wenn sich die Tiere tagsüber im Auslauf befänden, machten sie ebenfalls laute Geräusche, zögen Insekten an und sorgten bei trockenem Wetter für aufwirbelden Staub. Durchaus geräuschvoll, so Theissen, seien auch Reitausbildung und Training: „Da gibt es Pferdegeräusche, laute Kommandos und Verladelärm.“

Das alles gehöre zum Leben des Vereins, der etwa 200 Mitglieder zähle, könne aber von Nachbarn durchaus als belästigend empfunden werden. Deshalb, so die Vorsitzende, „haben wir Bedenken, was das Zusammenleben in der Zukunft betrifft, auch wenn wir das Baugebiet befürworten.“ Sollte es aus diesen Gründen irgendwann einmal zu gerichtlichen nachbarschaftlichen Auseinandersetzungen kommen, so befürchtet der RuF, hätte er wahrscheinlich das Nachsehen: „Einschlägige Beispiele zeigen, daß es meist nachteilig für den Betreibe ausgeht. In einem solchen Fall würde dies bei uns wahrscheinlich zu Einschränkungen führen“, so Theißen. Das wäre äußerst nachteilig für den Verein, seine Anlage und das große ehrenamtliche Engagement der Mitglieder.

Eine Möglichkeit, ein solches Risiko zu senken, sieht der Verein in einer Verbreiterung des Streifens, der die Reitanlage vom Baugebiet trennt: Geplant ist hier neben einer zwei Meter hohen Sichtschutzwand ein fünf Meter breiter, mit Hecken und Sträuchern bepflanzter Streifen an den sich ein weiterer zwei Meter breiter Streifen anschließt. „In diesem vierten Abschnitt des Baugebietes könnte also das erste Haus mit einer Firsthöhe von zwölf Metern nur sieben Meter von unserem Gelände entfernt gebaut werden“, rechnet Detlef Bockelmann vor. Das, so Theissen, sei alles so möglich, „weil wir nicht als landwirtschaflicher Betrieb eingestuft worden sind. Sonst würden andere Vorgaben gelten.“ Sinnvoll sei deshalb jetzt eine Verbreiterung des Streifens auf 15 Meter, was auch eine andere Bepflanzung ermöglichen würde.

Seine Bedenken hat der RuF im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Änderung des Bebauungsplanes geäußert, und es hat auch Gespräche mit der Stadt gegeben: „Das war zwar gut. Denoch sind wir mit dem Ergebnis nicht zufrieden und fühlen uns von dem, was sich daraus entwickeln könnte, bedroht“, so Theissen. Das bedeutet auch, daß der RuF nicht glaubt, daß die zu den Emissionen erstellten Gutachten wirklich die tagtägliche Realität abbilden.

Bürgermeister Helge Röbbert sieht das allerdings weniger problematisch. Zwar räumt er ein, niemand könne wissen, ob sich vielleicht in zehn Jahren irgendein Nachbar solcherart belästigt fühle. So etwas komme auch in anderen Gebieten immer wieder einmal vor. Grundsätzlich aber sei festzuhalten: „Der Verein hat sich als Anlieger geäußert, alles ist sauber abgewogen worden“, so der Bürgermeister. Und weiter: „Wir haben mit wirklich großem Aufwand Lärm und andere Emissionen geprüft, denn außer der Reitanlage gibt es in diesem Bereich der Winsener Straße ja auch noch andere Sportplätze. Dabei ist jedem Hinweis nachgegangen und alles gutachterlich bedacht worden. Bedenken hat es hier nicht gegeben. “

Das bedeutet auch, daß aller Wahrscheinlichkeit nach eine Verbreiterung des „Grenzstreifens“ keinen Weg in den Bebauungplan finden wird, wenn der Satzungsbeschluß möglicherweise im Mai getroffen wird.

Röbbert gibt hier allerdings noch zu bedenken, daß dieses Grundstück des Baugebietes der Stadt gehöre und vorerst nicht entwickelt werde: „Und dann haben wir ja noch Handlungsmöglichkeiten, wo wir die Häuser plazieren. Keiner hat also irgendein Interesse dem Reit- und Fahrverein zu schaden.“

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