„Kirchen und Kino“: Filmperlen im Viererpack und ein Format, das verbindet

Weil Dersa-Kino den Betrieb einstellt: Ökumenisches Projekt ab 13. Januar im Schneverdinger „LichtSpiel“-Kino

„Kirchen und Kino“: Filmperlen im Viererpack und ein Format, das verbindet

„Kirchen und Kino - der Filmtipp“ - so heißt die Filmreihe, die im Jahr 2007 in 17 Städten in Westfalen und Niedersachsen startete. Seit 2014 sind auch Soltauer Kirchengemeinden mit dabei. Seitdem zeigten sie in Kooperation mit dem Dersa-Kino in der Böhmestadt besondere und preisgekrönte Filme. Vertreter von Landeskirchen, Bistümern sowie evangelischen und katholischen Kirchengemeinden und Akademien stellen in Zusammenarbeit regelmäßig ein Filmprogramm, bestehend aus anspruchsvollen Arbeiten jenseits des Blockbuster-Kinos, zusammen, das im Zuge dieses ökumenischen Projekts in inzwischen 27 Städten in ausgesuchten Kinos läuft. Jeweils von September bis April stehen je Staffel acht ausgewählte Filmperlen auf dem Programm. Weil das Soltauer Dersa-Kino am 8. Januar den Betrieb einstellt, waren die hiesigen Veranstalter auf der Suche nach einer Alternative. Mit dem ehrenamtlich betriebenen „LichtSpiel“-Kino in Schneverdingen haben sie einen neuen Kooperationspartner gefunden.

„Wir sind sehr froh, dass es die Möglichkeit gibt, mit dem ‚LichtSpiel‘-Kino weiterzumachen. ‚Kirchen und Kino‘ ist in Soltau sehr gut angenommen worden. Es gibt ein Stammpublikum, das die Filmreihe sehr vermissen würde“, so Franz-Otto Wiehenstroth, Kirchenvorstandsvorsitzender der Soltauer St.-Johannis-Gemeinde. Am vergangenen Freitag stellten er, Pastor Wilko Burgwal von der Soltauer Lutherkirchengemeinde, Christine Gevers, Ökumenebeauftragte der katholischen St.-Marien-Gemeinde für den Bereich Schneverdingen, sowie Wolfgang Voigt und Werner Mader vom Vorstand des Vereins „LichtSpiel“ die Kooperation und die vier Filme, die im Rahmen der Reihe im Schneverdinger Kino laufen werden, vor.

Veranstalter der Soltauer „Kirchen und Kino“-Reihe sind die beiden evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Luther und St. Johannis, die selbständige evangelisch-lutherische Zionsgemeinde und die katholische Gemeinde St. Maria vom heiligen Rosenkranz. Nachdem in der aktuellen Reihe die vier Filme „Shoplifters - Familienbande“, „Gundermann“, „Die Frau des Nobelpreisträgers“ und „Gegen den Strom“ im Soltauer Kino gezeigt worden sind, geht es nun also im „LichtSpiel“-Kino weiter. Alle Vorstellungen beginnen um 19 Uhr. Los geht es am 13. Januar mit dem Film „Girl“ aus Belgien. Im Debütfilm aus dem Jahr 2018 geht es um die körperlichen und seelischen Kämpfe einer jungen Transfrau, die kurz vor Beginn ihrer Hormontherapie an einer renommierten Ballettschule anfängt und an der Doppelbelastung zu zerbrechen droht.

„Capernaun - Stadt der Hoffnung“ heißt der Film aus dem Libanon, der am 10. Februar gezeigt wird. Ein zwölfjähriger Junge steht im Libanon vor Gericht und klagt seine Eltern an, die ihn in diese Welt gebracht haben. In Rückblenden erzählt die Arbeit aus dem Jahr 2018 mit erschütternder Ausweglosigkeit von seinem Weg durch die Elendsviertel von Beirut. Mit großer emotionaler Kraft und Authentizität entwickelt sich so ein Drama über eine Welt des Elends und ein System von Ausbeutung und Ungerechtigkeit.

Weiter geht es am 16. März mit dem deutschen Film „Styx“, ebenfalls aus dem Jahr 2018. Eine deutsche Ärztin segelt auf einem Urlaubstörn allein über den Atlantik, als sie einem havarierten Flüchtlingsschiff begegnet. Die Seglerin muss entscheiden, ob sie entgegen der Warnungen der Küstenwache eingreifen wird. Als Kammerspiel auf hoher See konfrontiert der Film mit dem Thema Migration und zeigt auf, dass Europa die Augen nicht länger verschließen darf.

Den Abschluß der Reihe bildet am 20. April der spanische Film „Fridas Sommer“ (2017). Die sechsjährige Frida zieht nach dem Tod ihrer Mutter zum Onkel und seiner Familie aufs Land, wo sie nicht nur mit ihrer Trauer zu kämpfen hat, sondern auch mit einer Stiefschwester auskommen muss. Ohne falsche Sentimentalitäten erzählt der Debütfilm von einem zaghaften Neuanfang und porträtiert einfühlsam eine Familie im emotionalen Ausnahmezustand.

Auf Kino- und Filmfreunde wartet ist also ein sehenswerter „Viererpack“. Wie die Macher des Projekts „Kirchen und Kino“ betonen, gehe es darum, „Filme zu zeigen, die von der evangelischen und katholischen Filmarbeit in Deutschland und der Schweiz als ‚Film des Monats‘ beziehungsweise ‚Kinotipp der katholischen Filmkritik‘ hervorgehoben wurden.“ Es handele sich um überzeugende, gelungene Filme verschiedener Genres. Ziel sei es, „zum genauen Hinsehen anzuregen“ und „Lust am Sehen“ zu vermitteln, aufzuklären und „zugleich pures Kinovergnügen zu bereiten.“

Zahlreiche Menschen, die sich gemeinsam auf ein bestimmtes Thema fokussieren - das ist nicht nur im Kino der Fall, sondern auch im Gottesdienst. Und so meint Wiehenstroth zu diesem ökumenischen Projekt: „Kino und Kirche liegen nicht weit auseinander. Und das Format hat etwas Verbindendes.“

„Als uns Pastor Claus Conrad angesprochen hat, ob die Reihe im Kino unseres Vereins fortgesetzt werden kann, war uns gleich klar: Das probieren wir aus“, so Werner Mader. Zunächst sei fraglich gewesen, ob für zusätzliche Vorstellungen montags abends ausreichend Ehrenamtliche des Kino-Teams gefunden werden könnten: „Aber das hat gut funktioniert. Wir hatten keine Probleme, Mitarbeiter zu finden.“ Bei den „LichtSpiel“-Vorstellungen sind jeweils vier Ehrenamtliche auf den Beinen: Ein Filmvorführer beziehungsweise eine Filmvorführerin, zwei Kräfte, die sich um den Karten- und Getränkeverkauf kümmern, sowie ein weiteres Vereinsmitglied, das den Filmabend mit interessanten Infos zum Hauptfilm anmoderiert. Letzteres werden bei den „Kirchen und Kino“-Vorstellungen voraussichtlich Vertreter der Soltauer Kirchengemeinden übernehmen. Die Veranstalter hoffen nun, dass die Kinofreunde aus Soltau der Filmreihe auch in der Heideblütenstadt die Treue halten. Schließlich gebe es eine gute Zugverbindung - und das „LichtSpiel“-Kino sei nur rund 800 Meter vom Bahnhof entfernt. „In Soltau hatten wir zwischen 40 und 50 Besucher bei den Vorstellungen - und bei manchen Filmen war das Kino voll. Uns stellt sich jetzt die Frage, wie viele Soltauer sich montags abends auf den Weg nach Schneverdingen machen werden“, so Wiehenstroth. Laut Mader betrachtet der Kinoverein das Ganze erst einmal als Testballon, um auszuloten, wie die Resonanz ausfällt. Immerhin gebe es schon seit langem eine Reihe treuer Stammgäste aus der Böhmestadt, die ins Schneverdinger Kino kämen, weil sie die familiäre Atmosphäre schätzten.

Das kleine, aber feine Kino bietet 54 Gästen Platz. Karten gibt es an der Kinokasse ab 18 Uhr sowie im Vorverkauf immer eine Stunde lang vor allen Vorstellungen, freitags von 10 bis 12 Uhr sowie über www.lichtspiel-schneverdingen.de. Wer keine Möglichkeit hat, online Tickets für die „Kirchen und Kino“-Vorstellungen zu reservieren, kann sich auch an Pastor Claus Conrad, Ruf (05191) 5459, sowie an Gisela Steudter, Telefon (05191) 2963, wenden. Weitere Informationen zum ökumenischen Projekt gibt es im Internet unter der Adresse www.kirchen-und-kino.de.

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