Zeichen setzen gegen Krieg in der Ukraine

Gedenkminute am kommenden Sonntag in Soltau / Große Spendenaktion in Schneverdingen

Zeichen setzen gegen Krieg in der Ukraine

Krieg in Europa - fast 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und gut zwei Jahrzehnte nach den Balkankriegen ist das seit der vergangenen Woche wieder traurige Realität. Der russische Überfall auf die Ukraine, das Leid und die Opfer, die der militärische Angriff verursachen, all das bewegt Menschen weltweit. Kinder und Jugendliche sehen quasi „live“ in Nachrichten und Medien, was sie bisher aus dem Geschichtsunterricht oder aus Erzählungen von Eltern und Großeltern kannten. In diesen Tagen gehen Generationen gemeinsam auf die Straßen, um für den Frieden zu demonstrieren. Auch im Heidekreis wollen viele Zeichen gegen den Krieg setzen. Ein besonders großes Zeichen formten dabei Schüler und Lehrer der Oberschule Soltau: Lehrer Daniel Minor hielt mit der Kamera aus einem Fenster der oberen Stockwerke fest, wie Jung und Alt gemeinsam auf dem Schulhof das Friedenssymbol bildeten. Doch kreisweit laufen noch viele weitere Aktionen.

„Einige Schulen in Niedersachsen haben sich in den vergangenen Tagen gegen den Krieg in der Ukraine positioniert. Die Schulgemeinschaft der Oberschule Soltau setzte am Dienstag nun ein eigenes Zeichen auf dem Schulhof“, so Burkhard Viets, Oberschulrektor/Didaktischer Leiter. Dass sich Schülerinnen und Schüler zusammen mit Lehrkräften zum Friedenszeichen formieren, „ist ein bescheidener Beitrag, der Fassungslosigkeit Raum zu geben. Für die Schulgemeinschaft ist es auch ein Zeichen der Solidarisierung und zeigt, welche Werte die Schüler und Lehrer vertreten und bewahren wollen.“ Auch Schulleiterin Svenja Raßmann lobte das Engagement, besonders den Zusammenhalt: „Wir waren wirklich tief beeindruckt und bewegt, dass alle geschlossen mitgemacht haben.“

Die schrecklichen Bilder aus der Ukraine nehmen im Heidekreis auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zum Anlass, sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln vielfältig zu engagieren. „Lassen Sie uns gemeinsam ein Zeichen für Solidarität und Frieden setzen“, appelliert Jürgen Günther aus Soltau. Gemeinsam mit seinen Freunden Olaf Hartmann und Detlev Kölln, ebenfalls aus der Böhmestadt, ruft er die Soltauerinnen und Soltauer dazu auf, am kommenden Sonntag, dem 6. März, um 12 Uhr am Rondell in der Markstraße zu erscheinen, um unter Einhaltung der Coronaregeln an einer Gedenkminute teilzunehmen.

„Wir sind für das Selbstbestimmungsrecht, die Meinungsfreiheit und solidarisch mit der Ukraine sowie allen Menschen, denen diese Rechte vorenthalten werden. Gleichzeitig danken wir allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die für unser Gemeinwohl in der Bundesrepublik tätig sind. Sie verdienen unsere Wertschätzung und unseren Respekt“, betont Günther als Sprecher der privaten Initiative. Die genannte Wertschätzung gelte unter anderem Ärzten, Bundeswehrsoldaten, Ehrenamtlichen, Feuerwehrleuten, dem Kita-Personal, Pflegekräften in Altenheimen und Krankenhäusern, Polizeibeamten, Rettungssanitätern, Wissenschaftlern und allen, die ein öffentliches Amt bekleideten.

„Wir hatten uns an unserem Stammtisch, an dem wir über politische und aktuelle Themen sprechen, überlegt, in der Corona-Pandemie ein Zeichen für das Gemeinwohl setzen zu wollen. Durch den Krieg in der Ukraine hat das natürlich eine ganz andere Dynamik bekommen. Uns geht es darum, Solidarität mit den Ukrainern zu zeigen und unsere Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen für alle, die für das Gemeinwohl Sorge tragen“, unterstreicht Günther, der nach der Schweigeminute um 12 Uhr einige Worte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer richten wird.

Ihren Appell richten die drei Soltauer unter dem Hashtag „#Haltung_zeigen“ an die Heidjer. Günther rechnet mit bis zu 100 teilnehmenden Personen. Die Versammlung ist beim Landkreis angemeldet, der am vergangenen Donnerstag grünes Licht für die Veranstaltung gegeben hat. Die Kreisverwaltung weist darauf hin, dass die Teilnehmer Masken mindestens des Schutzniveaus FFP2 tragen müssen und dass der Verzehr von Getränken aus Gläsern oder Glasflaschen während der Versammlung untersagt ist.

Auch in Schneverdingen wird ein Zeichen der Solidarität für die Opfer des Ukraine-Krieges gesetzt. Bereits gestern veranstaltete der Kulturverein gemeinsam mit dem FZB-Jugendbereich ein Solidaritätskonzert im Jugendbereich der Freizeitbegegnungsstätte, außerdem werden Geld- und Sachspenden gesammelt, die direkt an die Schneverdinger Partnerstadt Barlinek in Polen gehen. In Barlinek gibt es eine Holzfabrik, in der viele Ukrainer arbeiten. Die Menschen aus der Ukraine fliehen aus dem Land vor dem Krieg - sie begeben sich vorzugsweise zu Verwandten im Ausland. Aber auch Geflüchtete, die dort keine Verwandten haben, wünschen sich vielfach einen Aufenthalt in Polen, weil sie die Sprache verstehen und die gleiche Religion haben. Die Hilfsbereitschaft in Polen ist, wie im TV zu sehen, beeindruckend. In Barlinek werden in den nächsten Tagen etwa 200 ukrainische Familien aus dem Kriegsgebiet erwartet. „Wir helfen also mit der Aktion den Helferinnen und Helfern, die die flüchtenden Familien unterstützen“, erklärt Dorothee Schröder, Geschäftsführerin des Kulturvereins. Die Hilfsaktion in Barlinek wird von den Lions in Barlinek getragen, die einen Partnerschaftsvertrag mit den „Löwen“ in Schneverdingen haben.

Sowohl die Deutsch-Polnische Gesellschaft Schneverdingen als auch die Kooperative Gesamtschule sammeln Spenden für die Familien in Barlinek. „Der Krieg in der Ukraine hält uns alle in Atem. In den letzten Tagen sind wiederholt Schülerinnen und Schüler, Erziehungsberechtigte und Lehrkräfte auf mich zugekommen und haben eine Spendenaktion für Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet angeregt. Ich freue mich sehr über die großen Solidaritätsbekundungen“, betont KGS-Schulleiter Mani Taghi-Khani. Das Organisieren dieser Spendenaktion sei „eine kleine Möglichkeit in diesen Zeiten, nicht nur Solidarität verbal zu bekunden, sondern auch ganz praktisch auszuüben.“

Die KGS Schneverdingen ist mit der polnischen Partnerstadt unter anderem über Schüler- und Lehreraustausche verbunden. „Wir haben aus Barlinek die Information erhalten, welche Sachspenden für die Bedürftigen aktuell besonders dringlich wären“, so der Schulleiter weiter. Dabei handele es sich um folgende Waren:

• Lebensmittel mit langem Ablaufdatum, zum Beispiel Konserven

• Ernährung für kleine Kinder (Babynahrung, haltbar)

• Windeln für Babys und auch Erwachsene

• Spielzeug für Kinder jedes Alters

• Schulbedarf, insbesondere: Schulranzen/Rucksack, Schreibartikel, Filzstifte, Papier

• Hygieneartikel für Babys und Erwachsene (Seife, Shampoo, Zahnpasta, Zahnbürste, Körperlotion)

• Waschmittel (Pulver/Gel)

• Reinigungsmittel

• Kleidung für Babys, Kinder, Erwachsene, sauber und sortiert nach Größe

• Bettdecken, Kopfkissen

• Bettbezüge, Bettlaken

• Handtücher, Geschirrhandtücher

• Fahrräder, fahrbereit

„Drahtesel“ werden die Geflüchteten brauchen, weil sie zum Teil in den Dörfern rund um Barlinek untergebracht werden und mit Rädern in die Stadt fahren können. Wer etwas spenden möchte, wird gebeten, die Sachen aus logistischen und organisatorischen Gründen - sofern möglich - in Kartons, vorzugsweise Umzugskartons, abzugeben und diese zudem anhand der Bedarfsliste zu beschriften. „So können wir vor Ort eine genauere Aufteilung vornehmen“, erklärt Taghi-Khani: „Auch leere Umzugskartons können wir als Spende gebrauchen, um alle Sachspenden gut verstauen und transportieren zu können.“ Die Schule freue sich aber über jede Spende - auch ohne Karton. Sachspenden werden am kommenden Montag, dem 7. März, von 8 bis 19 Uhr im Forum des Hauptgebäudes der KGS entgegengenommen. Der Schulleiter verweist in diesem Zusammenhang auf die Vorgaben des Niedersächsischen Kultusministeriums in Sachen Corona-Pandemie. Die Schule dürfe derzeit nur im Rahmen der „3G-Regelung“ und mit Maske betreten werden. Geplant ist, dass ein Lkw die Spenden Mitte kommender Woche nach Barlinek fährt. Neben Sach- sind übrigens auch Geldspenden möglich. Diese darf die KGS jedoch nicht einsammeln, die deshalb mit dem Schneverdinger Lions-Club kooperiert. Geldspenden werden erbeten an den Lions-Förderverein Schneverdingen e.V., Konto bei der KSK Soltau, BIC:NOLADE21SOL, IBAN: DE75 2585 1660 0000 2221 09, Verwendungszweck „Barlinek für Ukraine“. Wer eine Spendenbescheinigung benötigt, kann sich per E-Mail an rudolf.roehrs@t-online.de melden.

Vom großen Engagement in der Heideblütenstadt zeigt sich neben Taghi-Khani auch Dorothee Schröder vom Kulturverein beeindruckt: „Wir haben uns alle abgestimmt und arbeiten sozusagen in den gleichen Topf“, so Schröder: „Es ist also egal, an welcher Aktion sich die Menschen hier beteiligen. Alle Spenden gehen direkt und unmittelbar nach Barlinek.“

Text: mk und suv

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