Schülern Gefahren aufzeigen

Soltau: Ausstellung „Gemeinsam gegen Rechtsextremismus“

Schülern Gefahren aufzeigen

Bomberjacke, Glatze, Springerstiefel - die Zeiten, in denen Rechtsradikale so einfach auszumachen waren, sind zumeist vorbei. Heute bedient sich der Rechtsextremismus vielfach anderer Mittel und Möglichkeiten, um insbesondere junge Leute zu ködern. Dar­über und über viele weitere Aspekte dazu informiert die Wanderausstellung „Gemeinsam gegen Rechtsextremismus“, die der Niedersächsische Verfassungsschutz vom 5. bis zum 22. November in der Soltauer Mensa im Stubbendorf präsentiert - auf Einladung durch die Berufsbildenden Schulen (BBS) und die Oberschule (OBS) Soltau.

Gedacht ist die Ausstellung für Schülerinnen und Schüler etwa ab der 10. Klasse. Und so ist die Präsentation mit Führungen durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes bereits voll belegt. Für die interessierte Öffentlichkeit besteht montags zwischen 8 und 12 Uhr die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen. Dazu ist eine Anmeldung in der OBS unter Tel. (05191) 938190 erforderlich. Führungen sind dann nicht möglich.

Zur Eröffnung am 5. November konnten die Schulleiterinnen Karin Spreckelsen (OBS) und Gaby Tinnemeier (BBS) neben Soltaus Bürgermeister Helge Röbbert weitere Vertreterinnen und Vertreter aus Schule, Schulbehörde und Politik begrüßen.

Beide Schulleiterinnen unterstrichen, wie wichtig dieses Thema sei. Es sei erforderlich, wach durchs Leben zu gehen: Demokratie heiße auch, Achtsamkeit zu entwickeln und aufmerksam gegenüber Radikalismus von links oder von rechts, gegen Sexismus oder Religionsdiskriminierung zu sein. Insofern sei diese Ausstellung als Prävention für die Schülerinnen und Schüler gedacht. Was die Klassen dabei erwartet, erläuterte Frank Ziemann vom Verfassungsschutz. Dabei stellte er klar, dass es etwa auch Radikalismus von links und islamistischen Extremismus gebe. In der Ausstellung gehe es jedoch ausschließlich um Rechtsextremismus. Der wende sich gegen das Grundgesetz und wolle das demokratische System überwinden: „Demokratie ist nicht einfach zu definieren und nicht immer rosarot. Aber wir müssen die jungen Leute dafür begeistern, was ihnen die Demokratie bietet und welche Freiheit sie ihnen gewährt.“

Man dürfe den aktuellen Rechtsextremismus nicht ohne Blick auf die Geschichte betrachten, „denn wir tragen zwar keine Schuld an den Verbrechen der Vergangenheit, haben aber eine gewisse Verantwortung.“ Der Rechtsextremismus nähere sich seinen Zielen in einer Sprache, „die wir kennen“, und er funktioniere auch über die emotionale Schiene, nicht nur über die ideologische. Begünstigt, so Ziemann, werde dies durch die heutigen „Echtzeitmedien“, die Ereignisse sofort verfügbar machten. Manche extremistische Strömungen wie die identitäre Bewegung wiesen auf den ersten Blick nur wenige klassische rechtsradikale Zeichen auf, so Ziemann. Diese neue Rechte sehe sich eher im vorpolitischen Raum: „Rechtsextremismus ist also vielschichtiger geworden - auch sprachlich.“

Permanente Hausaufgabe, so Ziemann, sei daher: „Nicht wegschauen, sondern demokratisch dagegenhalten.“ Deshalb informiert die Ausstellung nicht nur über die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus’, sondern auch über seine Ziele, Taktiken und Strategien: „Wer dem Rechtsextremismus erfolgreich begegnen will, muss sein Auftreten, seine Inhalte und Absichten erkennen“, heißt es dazu im Begleittext zur Ausstellung.

Wie nah das alles an der Realität auch in Soltau ist, konnte Tinnemeier bei der Eröffnung dann auch noch eindrucksvoll belegen: Sie zeigte ein rotes DIN-A-4-Blatt, jüngst gefunden auf der Schultoilette und beschrieben mit „Rotfront verrecke“, Hakenkreuzen und Hetze gegen Juden. Die Schulleiterin kündigte eine Anzeige an.

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