Sechsstreifiger Ausbau der A7: „Lärmschutz ist ein großes Thema“

Informationsveranstaltung in der Alten Reithalle: Planer stehen Rede und Antwort

Sechsstreifiger Ausbau der A7: „Lärmschutz ist ein großes Thema“

„Wenn’s mal wieder länger dauert“ - der viel zitierte Slogan stammt eigentlich aus einer Werbekampagne für einen kernigen Schokoriegel, beschreibt aber zunehmend auch die Dauer von Bauvorhaben in Deutschland. Ein zeitintensives Großprojekt ist der sechsstreifige Ausbau der Autobahn 7 zwischen der Anschlussstelle Soltau-Ost und dem Walsroder Dreieck, der in drei Abschnitten erfolgt. Der längste, der knapp 15 Kilometer lange Teil zwischen der Anschlussstelle Soltau-Ost und nördlich der Anschlussstelle Dorfmark, stand am vergangenen Mittwochabend im Fokus einer Veranstaltung in der Alten Reithalle in Soltau. Die Außenstelle Verden der Autobahn GmbH des Bundes, die im Zuge der Bundesfernstraßenreform mit Beginn dieses Jahres die Planungsverantwortung von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr übernommen hatte, stellte das Vorhaben interessierten Verwaltungsvertretern, Kommunalpolitikern sowie Bürgerinnen und Bürgern in einer Informationsveranstaltung vor. Das Interesse hielt sich jedoch erstaunlicherweise in Grenzen, lediglich knapp 40 Zuhörerinnen und Zuhörer fanden den Weg in die Reithalle, das Gros der Stühle blieb leer.

„Wir haben mit mehr Zulauf gerechnet“, scherzte Sönke Zulauf von der Autobahn GmbH in Anspielung auf seinen Nachnamen bei der Begrüßung, „aber wir konkurrieren heute mit schönem Wetter und Fußball.“ Womöglich habe auch die weiterhin andauernde Corona-Pandemie den einen oder anderen Besucher abgehalten.

Diejenigen, die sich in der Reithalle eingefunden hatten, konnten sich die Planungen zunächst an mehreren Stellwänden anschauen, bevor die zuständigen Fachleute im Rahmen von Vorträgen mit einer Fülle von detaillierten Informationen aufwarteten. Technischer Planer Thomas Müller von der Planungsgesellschaft Eibs erläuterte, dass zunächst Kriterien wie zum Beispiel raumstrukturelle Wirkungen, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit untersucht worden seien und es eine verkehrliche Beurteilung sowie eine Entwurfs- und sicherheitstechnische Bewertung gegeben habe, um in Sachen Anbauseite eine Wahl treffen zu können. Hydrologische Gutachten hätten zudem hohe Grundwasserbestände ergeben, darüber hinaus seien bei Baugrunduntersuchungen belastete Baustoffe, nämlich Teersande, gefunden worden, die auf neun Kilometern ausgebaut und entsorgt werden müssten. Rund 150 Einzelkriterien hätten die Fachleute mit Schulnoten bewertet. So habe sich herauskristallisiert, dass es die beste Lösung sei, die Autobahn beidseitig symmetrisch um jeweils 3,50 Meter zu erweitern. Wegen der teilweise hohen Grundwasserstände werde zudem die Gradiente abschnittsweise um bis zu einen Meter angehoben. „Auf dem 14 Kilometer langen Abschnitt auf etwa einem Drittel der Strecke“, so Müller.

„Unser Ziel ist es, alle vorhandenen Querungen und Wegebeziehungen beizubehalten“, berichtete der Planer weiter. Das habe unter anderem Höherlegungen, Aufweitungen und Ersatzneubauten zur Folge. „Wir müssen querende Straßen anheben und werden Gewässerdurchlässe teils verbreitern“, so Müller. Bei der Planung sei eine Vielzahl von „Zwangspunkten“ zu berücksichtigen, erläuterte er und nannte hier unter anderem jeweils zwei Anschlussstellen, Gleisanlagen, Bahnstrecken und Rastanlagen, zudem drei Landschaftsschutzgebiete, darunter ein FFH-Gebiet mit besonderem Schutzstatus, 16 Bauwerke entlang der Strecke, davon vier Überführungen und zwölf Unterführungen. Zu berücksichtigen seien sieben Verkehrswege und fünf Graben- beziehungsweise Gewässerdurchlässe, Gewerbegebiete an der Strecke, der Truppenübungsplatz Bergen „und viele kleinere Biotope und Naturdenkmäler.“

Apropos Natur: „Früher stand die Technik im Vordergrund, der Naturschutz hat inzwischen unheimlich an Bedeutung gewonnen und wird dementsprechend in der Planung berücksichtigt“, betonte Zulauf. Das untermauerten die umfangreichen Ausführungen von Gertrud Ewen, Abteilungsleiterin des Umweltmanagements der Außenstelle Verden der Autobahn GmbH. Sie unterstrich, dass der symmetrische Ausbau der A7 für die Umwelt die „konfliktärmste Lösung“ sei und präsentierte unter anderem die vorläufige Eingriffsbilanzierung des „Landschaftspflegerischen Begleitplans“. Demnach werde mit einem Verlust von circa 54,5 Hektar verschiedener Biotoptypen und dem Verlust von 33 Einzelbäumen gerechnet, ebenso mit der Versiegelung von etwa 12,7 Hektar Boden und der Überbauung von 14,3 Hektar. Der Bedarf an Kompensationsflächen betrage demnach rund 93 Hektar. „Das ist relativ viel und stellt uns vor entsprechende Probleme. Wir haben da noch ein ordentliches Arbeitspaket vor uns“, sagte Ewen und appellierte in diesem Zusammenhang an Eigentümer von für Kompensationsmaßnahmen geeigneten Flächen, sich mit der Autobahn GmbH in Verbindung zu setzen.

Für Rehe, Füchse, Wildschweine & Co. wird übrigens eine neue Grünbrücke bei Wense gebaut, laut Zulauf ein Novum in der Region. Im Zuge der Untersuchungen der Experten hatte es Untersuchungen hinsichtlich der Verbesserung der Passierbarkeit der A7 für Waldtiere sowie auch im Wasser lebende Tiere und Organismen gegeben. Neben der Grünbrücke, für deren Planung sich die Fachleute unter anderem mit der Kreisjägerschaft eng abgestimmt hatten, wird es auch eine zusätzliche Wildunterführung bei Kilometer 74,210 geben. Wie die Fachplaner erläuterten, seien zudem umfangreiche Entwässerungsmaßnahmen erforderlich, wobei auch der Neubau von zwei Regenrückhaltebecken vorgesehen sei.

Wann denn die Baumaßnahmen in diesem Abschnitt beginnen werden, das vermochte Zulauf nicht zu sagen, sprach „von einem Blick in die Glaskugel.“ Die Planungen seien längst nicht abgeschlossen, auch die lärmtechnische Untersuchung laufe noch. „Wir kämpfen uns täglich durch die Anforderungen der Planfeststellungsbehörden. Da gibt es Zwänge, das ist nicht immer ganz einfach“, so Zulauf. Er geht davon aus, dass der Antrag auf Planfeststellung für den 14,7 Kilometer langen Abschnitt frühestens im zweiten Quartal 2023 eingereicht werden könne. Der eigentliche Ausbau dieses Teils der Strecke werde etwa vier Jahre dauern.

In der anschließenden Fragerunde wurde, wie nicht anders zu erwarten, deutlich, dass sich viele Anlieger mit Blick auf die Umleitungsverkehre und mehr Lärm Sorgen machen. Schon jetzt gehe in Soltau nichts mehr, „wenn die Autobahn mal wieder dicht ist“, monierte eine Bürgerin. Jörg Eggers aus Hötzingen, Sprecher der Initiative „UnsYnn“, vermisste bei der Vorstellung der Planungen Aussagen zum möglichen Ausbau der Alpha E“-Trasse und kritisierte, dass die Anlieger in puncto Lärmschutz „nicht mitgenommen werden.“ Zulauf verwies auf bundesweit einheitlich geltende gesetzliche Grundlagen: „Lärmschutz ist ein großes Thema. Wo wir etwas rausholen können, machen wir das auch. Aber wir müssen auch sehen, was wirtschaftlich vertretbar ist - und das gilt bundesweit. Dafür gibt es die gesetzlichen Berechnungsgrundlagen - und die sind zu akzeptieren.“

Logo