Sehr besonderes Nachtkonzert

Musik, Worte und Bilder in der Kirche: Im Liegestuhl durch die Nacht

Sehr besonderes Nachtkonzert

Das hatte es in der Musikgeschichte bis dahin wohl noch nicht gegeben: Als der berühmte Avantgarde-Komponist John Cage 1963 in New York in einem Nachtkonzert die Komposition „Vexations“ von Erik Satie aufführte, dauerte die Veranstaltung mehr als 20 Stunden bis in den nächsten Tag. Jetzt ist dieses ungewöhnliche Musikwerk in Soltau zu erleben im Schlusskonzert der Veranstaltungsreihe „ZuMutung“ am Freitag, dem 21. Februar, in der Lutherkirche.

Seit der Aufführung 1963 hat dieses provokante Stück, dessen Name so viel wie „Quälerei“ bedeutet, einen Siegeszug durch die Musikfestivals der großen Städte angetreten und stößt durch seine Besonderheit immer auf großes Interesse beim Publikum. Besteht es doch aus nur einer Seite Klaviermusik, die aber 840mal zu wiederholen ist.

In Soltau ist es am Freitag ab 18 Uhr zu erleben, das Ende am Samstagnachmittag steht noch nicht genau fest, weil die Aufführungsdauer je nach Tempo der Musiker variieren kann. Nach einem festgelegten Zeitplan spielen 15 Klavier- und Orgelspielerinnen und -spieler aus Soltau und Umgebung - der Jüngste ist zehn Jahre, die Älteste 88 Jahre alt - am Flügel im Altarraum in 30 Minuten-Einheiten das Klavierstück die Nacht hindurch, bis am nächsten Tag die 840 Wiederholung erreicht ist.

Parallel zu Saties Musik werden 40 Leserinnen und Leser im steten Wechsel alle 150 Psalmen der Bibel im Seitenschiff der Kirche vortragen. Ein drittes, visuelles Element der Veranstaltung ist die Projektion von Fotocollagen zu verschiedenen Psalmworten, die die evangelische Jugend in Soltau unter Leitung von Diakon Mitja Mattutis erstellt hat, auf eine Leinwand im anderen Kirchenschiff. Die Besucher können bei diesem Konzert kommen, gehen und bleiben, wann und wie sie wollen. „Jeder ist eingeladen, Musik, Worte und Bilder aus verschiedenen Winkeln der Kirche still zu genießen oder für eine Weile meditativ in den Klangraum der Töne und Sprache einzutauchen. Es werden einige Liegestühle im Kirchraum bereitstehen und auf der Empore kann man im Schlafsack durch die Nacht träumen“, so der Organsiator, Kantor Mathias Hartmann.

Der Eintritt zu dieser ungewöhnlichen Veranstaltung in der Lutherkirche ist frei.

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