Seine Tage sind gezählt …

Zum 1. Januar 2021 kommt die gelbe Tonne/gelber Sack hat ausgedient

Seine Tage sind gezählt …

Was die Abfallwirtschaft Heidekreis (AHK) im März dieses Jahres angekündigt hat (HK berichtete), ist jetzt abgemachte Sache: Zum 1. Januar 2021 hat der ungeliebte gelbe Sack ausgedient, seine Tage sind gezählt - statt dessen gibt es für die Haushalte im Landkreis Heidekreis die gelbe Tonne. Das haben Landrat Manfred Ostermann, Helmut Schäfer, Vorstand der AHK, und Michael Zühlke, Geschäftsführer der Nehlsen-Cohrs GmbH, am vergangenen Mittwoch in Soltau bekannt gegeben.

Für viele Bürgerinnen und Bürger ist der gelbe Sack eher ein Problembeutel, der leicht reißt und nicht selten - einmal zur Abholung vor die Tür gelegt - vom „Winde verweht“ oder von böswilligen Zeitgenossen durch die Gegend gekickt werden kann. Das wird sich in einigen Monaten ändern, wenn die gelbe Tonne kommt. Die Vorarbeit war allerdings schwierig: Zwar ist die AHK Entsorgungsträgerin im Heidekreis, doch für den Verpackungsmüll sind die Betreiber des Dualen Systems zuständig. Den Entsorgungsauftrag dazu vergeben sie alle drei Jahre. Die nächste Periode beginnt am 1. Januar 2021 und läuft bis 2024. Diesen Termin hatte auch die AHK im Blick, die sich schon seit 2019 mit der gelben Tonne befasst und ihre Einführung im März dieses Jahres beschlossen hat.

Doch so einfach lief das nicht: Die Betreiber bestimmen zwar über das Duale System, müssen sich aber mit der AHK abstimmen. Diese Verhandlungen drohten zu scheitern, denn eine gelbe Tonne war nicht willkommen: „Wir haben daraufhin Rahmenvorgaben erlassen, um die gelbe Tonne einzuführen, was wiederum zu einer Klage geführt hat. Am Ende haben wir aber eine Einigung erzielt, und die Klage wurde zurückgezogen“, berichtet Schäfer.

Um auch den Entsorgungsauftrag für den Verpackungsmüll zu erhalten, schlossen sich AHK und Nehlsen-Cohrs GmbH zu einer Bietergemeinschaft zusammen - und gewannen die Ausschreibung: „Wir haben das wirtschaftlich beste Angebot abgegeben und den Zuschlag bekommen. Das ist im Interesse beider Unternehmen und der Bürgerinnen und Bürger“, freut sich Schäfer. Und Zühlke stimmt zu: „Wir haben durch unsere Zusammenarbeit eine optimale Lösung - gerade für den Bürger - gefunden. Wir bieten ihm von beiden Seiten das Beste.“

Auch Ostermann unterstreicht: „Der Verwaltungsrat der AHK hat lange darüber beraten, ist dann aber zu dem Schluss gekommen, die gelbe Tonne einzuführen. Die Mehrheit der Bevölkerung befürwortet das.“ Für die Bürgerinnen und Bürger ändere sich damit zunächst einmal gar nichts, so der Landrat weiter.

Sie entsorgen ihren Verpackungsmüll auch weiterhin mit dem gelben Sack, und zwar bis zum Jahresende. Von Mitte Oktober an werden dann bis Dezember rund 50.000 gelbe Tonnen (schwarzer Korpus, gelber Deckel) mit einem Volumen von 240 Litern an die Haushalte im Heidekreis verteilt. Hinzu kommen weitere 4.000 Großbehälter zu je 1.100 Litern, etwa für Mehrfamilienhäuser und Gewerbebetriebe. Die Tonnen, in die ungefähr der Inhalt von fünf bis sechs gelben Säcken passt, werden alle vier Wochen geleert, die Großbehälter alle 14 Tage. Tonnen und Großbehälter selbst, so Schäfer, hätten einen besseren „ökologischen Fußabdruck“ als der gelbe Sack: „Sie tragen den Blauen Umweltengel und bestehen zu mindestens 80 Prozent aus recyceltem Kunststoff. Sie sind sehr lange haltbar und können am Ende wieder weiterverwendet werden.“

Neue Gebühren kommen auf die Bürger damit übrigens nicht zu, denn - wie bisher beim gelben Sack seit seiner Einführung 1991- wird die Entsorgung des Verpackungsmülls schon beim Einkauf vom Verbraucher mitbezahlt.

Jährlich wurden bisher rund 3,3 Millionen gelbe Säcke im Heidekreis an die Verbraucher ausgegeben und etwa drei Millionen befüllt wieder eingesammelt. Zirka zehn Prozent der Säcke wurden also anderweitig verwendet oder „gebunkert“, um immer genügend im Haus zu haben. Bis zum Jahresende sind diese Säcke auch weiterhin zu benutzen, mit Beginn des Jahres 2021 werden sie von der gelben Tonne abgelöst. Wer will, darf dann natürlich seinen Verpackungsabfall weiterhin im noch vorhandenen gelben Sack sammeln und selbigen dann zur Abfuhr in die gelbe Tonne werfen, ihn aber nicht danebenstellen. Schließlich wird dann nichts mehr per Hand eingesammelt, sondern die Tonne mit dem Seitenlader geleert.

Die Firma Nehlsen-Cohrs, die bisher schon die gelben Säcke abgefahren hat, ist seit langem in diesem Metier tätig: Auf einer Erbbaurechtsfläche in Hillern betreibt sie seit 1996 eine Sortierablage für Leichtstoffverpackungen (LVP) und eine Abfallentsorgungsanlage. Der Erbbauvertrag sei gerade wieder bis 2035 verlängert worden, „denn wir wollen langfristig weiter zusammenarbeiten“, so Schäfer. Bei der Kooperation in Sachen gelbe Tonne sind die Aufgaben verteilt: Behältergestellung und -dienst sowie Öffentlichkeitsarbeit und Servicecenter liegen bei der AHK, Tel.: 0800-1123811, während Vertragsmanagement, Meldewesen und Leerung Aufgabe von Nehlsen-Cohrs ist.

Wie Schäfer betont, „ist es uns ganz wichtig, dass es unsere eigenen AHK-Tonnen sind, die wir ausgeben.“ Das hat auch etwas mit künftigen Optionen zu tun, etwa dann, wenn die gelbe Tonne zu einer Wertstofftonne auch für „stoffgleiche Nichtverpackungen“ werden könnte. Zwar sei in absehbarer Zeit kaum daran zu denken, „denn dazu muss man sich mit dem Dualen System ins Benehmen setzen - und da geht es auch um knallharte Geschäftsinteressen. Perspektivisch wäre das aber ein guter Weg.“

Wie es erst einmal weitergeht auf dem Weg zur gelben Tonne, wird die AHK den Bürgerinnen und Bürgern rechtzeitig bekannt geben. Was letztere aber schon einmal vorsorglich tun können: einen Platz für den neuen Behälter aussuchen.

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