Sicher auf dem Rad: „Fit mit dem Pedelec“

Seniorenbeirat und Verkehrswacht Soltau starten im Mai Kurse für ältere Generation von E-Bike-Nutzern

Sicher auf dem Rad: „Fit mit dem Pedelec“

Als Pedelec, Akronym für „Pedal Electric Cycle“, wird ein Fahrrad mit elektrischem Hilfsmotor bezeichnet - im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich jedoch der Begriff E-Bike durchgesetzt. Und das ist im Grunde ein ideales Fortbewegungsmittel für Senioren: Denn wenn im Alter Kraft und Kondition nachlassen, springt beim Tritt in die Pedale der Elektromotor an und sorgt für Vortrieb. Doch genau da „driften“ zwei Faktoren auseinander: „Gerade bei älteren Radlern sind Reaktions- und Sehfähigkeit nicht mehr so gut, gleichzeitig nimmt die Geschwindigkeit mit einem E-Bike zu - und dann kann es gefährlich werden“, weiß Thomas Schulz. Der Inhaber des Soltauer Fachgeschäftes Fahrradsport Schulz unterstützt daher eine Initiative, die die Verkehrswacht Soltau jetzt in Kooperation mit dem Seniorenbeirat der Böhmestadt startet: „Fit mit dem Pedelec“ heißt das Projekt, bei dem die ältere Generation den sicheren Umgang mit den E-Bikes üben kann. Der erste Kurs beginnt im Mai. Die Initiatoren trafen sich kürzlich bei Fahrradsport Schulz, um die Aktion vorzustellen.

Die Idee zu „Fit mit dem Pedelec“ ist nicht neu: „‚Fit im Auto‘ (HK berichtete) ist im Grunde die Mutter solcher Aktionen. Jetzt ist es Zeit, dass bei den Pedelecs etwas passiert“, so Rainer Jäger von der hiesigen Verkehrswacht. Deren Vorsitzender und sein Stellvertreter, Heiko Brunkhorst und Manfred Lahrmann, haben bereits „Fit im Auto“ seit langem erfolgreich begleitet - nun holen sie das ebenfalls von der Landesverkehrswacht ins Leben gerufene Programm „Fit mit dem Pedelec“ auch nach Soltau: „Dafür sind zwei sogenannte Moderatoren (Rainer Jäger und Walter Fischenbeck) ausgebildet worden, die später ihr Wissen weitergeben“, erklärt Lahrmann. „Am 8. Mai steht der erste Kurs auf dem Plan“, betont Jäger und ruft damit zur Teilnahme auf. Auf dem Gelände an der Alten Reithalle wird nach dem theoretischen Teil die Praxis geübt.

„Zwei Kurse als Probeläufe gab es schon“, fügt Lahrmann hinzu: Dazu eingeladen hatte im Oktober die Verkehrswacht in Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat und der Stadt Soltau, die hierfür auch bei den folgenden Kursen einen Schulungsraum und das Reithallen-Gelände zur Verfügung stellt. Unter den Teilnehmern war auch Gottfried Bernd. Der Pastor im Ruhestand und Vorsitzende des Seniorenbeirates fährt gern mit dem Fahrrad - „aber noch ein ganz normales ohne Elektromotor“, so Berndt. Der Kurs habe ihm jedoch vor Augen geführt, „wie viel sich geändert hat und wie rasant die Entwicklung vorangeschritten ist bei den E-Bikes.“

Die machen Senioren - laut Schulz übrigens die größte Käufergruppe von Pedelecs - vor allem schneller: „Die ungefähre Durchschnittsgeschwindigkeit lag früher zwischen zwölf und 15 Kilometern pro Stunde - mit den E-Bikes ist sie auf etwa 22 km/h gestiegen.“ Karl Beck, stellvertretender Seniorenbeiratsvorsitzender, und Berndt können das bestätigen: „Viele flitzen nur so vorbei“, schildert Berndt seine Beobachtungen, und Beck ergänzt: „Ich habe da schon einige brenzlige Situationen gesehen.“ Dass Senioren dank moderner E-Bikes flott unterwegs sind, „das erkennen viele Autofahrer gar nicht“, warnt Brunkhorst. Die Geschwindigkeit könnte also nicht nur vom Radler selbst, sondern auch von anderen Verkehrsteilnehmern falsch eingeschätzt werden, so der Fahrlehrer.

Die Unfallzahlen seien in diesem Bereich in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, so Lahrmann. Er untermauert das mit Daten, die die Landesverkehrswacht zusammengetragen hat: „Die niedersächsische Polizei registrierte im Jahr 2018 auf den Straßen des Bundeslandes 12.370 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fahrradfahrern und Pedelec-Nutzern. Dabei verunglückten allein 1.209 mit ihren Pedelec und 19 Personen davon sogar tödlich. Auffällig sei aus polizeilicher Sicht insbesondere der hohe Anteil älterer Menschen unter den verunglückten Pedelec-Nutzer.“ Eine Studie von „Panorama“ habe die Daten bundesweit unter die Lupe genommen, so Lahrmann weiter: „Demnach steigt die Zahl der E-Bike-Toten rasant. Allein von Januar bis Ende Oktober 2018 sind die tödlichen Unfälle mit elektrischen Fahrrädern nach offizieller Statistik bundesweit um fast 30 Prozent gestiegen (83 Fälle). Noch schneller gestiegen ist übrigens die Zahl der nicht-tödlichen Unfälle: Insgesamt verletzten sich 6.998 Pedelec-Fahrer, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Anstieg um mehr als 50 Prozent.“

Damit es gar nicht erst zum Unfall kommt, sollen die geplanten Kurse Senioren zum einen für die Gefahren sensibilisieren und zum anderen den Umgang mit dem E-Bike zeigen: „Die Kurse laufen mit zehn, maximal zwölf Teilnehmern, damit wir auf jeden individuell eingehen können“, erläutert Jäger. Von der Verkehrswacht Niedersachsen gab es dazu ein Set mit Fahrradhelmen und Signalwesten sowie Pylonen, um einen leichteren und einen anspruchsvolleren Parcours abzustecken. „Teilnehmer können ihr eigenes Pedelec mitbringen, wenn sie bereits eines besitzen“, so Jäger. „Ansonsten stellen wir einige Testräder zum Ausprobieren zur Verfügung“, fügt Schulz hinzu. Er rät außerdem: „E-Bikes nicht ‚blind kaufen und einfach los‘ - lieber vorab verschiedene Modelle ansehen und probieren, ein Gefühl dafür bekommen.“

Anmeldungen zu den „Fit mit dem Pedelic“-Kursen nimmt der Seniorenbeirat per E-Mail an die Adresse -seniorenbeirat.soltau@t-online.de oder per Telefon an (05191) 15272 entgegen. „Eine neuer ‚Fit im Auto‘ soll ebenfalls im Mai starten“, so Brunkhorst. Anmeldungen hierfür laufen über die Verkehrswacht Soltau, info@verkehrswacht-soltau.de per E-Mail oder per Telefon unter (05191) 15853.

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