Singend Deutsch gelernt

25. Auftritt für„Musikkapelle Ohrenschmaus“ / Mädchen spenden ihre „Gagen“

Singend Deutsch gelernt

Ihren 25. Auftritt hatte die „Musikkapelle Ohrenschmaus“ aus Soltau kürzlich. Das Trio trat erneut im Soltauer Haus Zuflucht auf, dort, wo alles begann mit der ungewöhnlichen Band, die seit einigen Jahren ältere Menschen mit ihren Liedern erfreut und zum Mitsingen animiert.

Initiator des Ensembles, das aus ihm und zwei syrischen Mädchen besteht, ist Jürgen Sager, er hat die „Musikkapelle Ohrenschmaus“ gegründet, als Projekt zum Deutschlernen der beiden Kinder: „Als 2015 so viele Flüchtlinge kamen, war mir klar, dass eine Integration ohne ehrenamtliche Hilfe nicht gelingen kann. Da ich Erfahrung in Deutsch als Zweitsprache habe und als pensionierter Förderschullehrer auch noch Zeit, habe ich der Wilhelm-Busch-Schule meine Hilfe angeboten und dort dann Natali und Mirna Gharib (heute elf und zwölf Jahre alt) kennengelernt.“

Sager wusste, dass man auch mit Liedern einen Grundwortschatz vermitteln und Satzstrukturen festigen kann . Natali und Mirna waren begeistert und lernten singend schnell und gut die deutsche Sprache. Und da Sager sich für die liebevolle Pflege seiner Mutter im Haus Zuflucht bedanken wollte, kam er auf die Idee, die „Musikkapelle“ ins Leben zu rufen. „Damit wollte ich dann gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen“, so der Ex-Lehrer: Musik und Mitsingen sollte den Bewohnern im Haus Zuflucht Freude machen, Natali und Mirna sollten deutsche Texte lernen und sich frei vor Publikum bewegen und sie sollten außerdem ein überzeugendes Beispiel für gelungene Integration sein.

Um das Mitsingen zu erleichtern, hat der Soltauer dann Videoclips mit passenden Bildern und Lauftext zu den Liedern erstellt, die dann auf großer Leinwand präsentiert und von der „Musikkapelle Ohrenschmaus“ mit Keyboard, Gitarre und Gesang begleitet werden. „Ruckzuck“, so Sager, sangen sich die beiden Mädchen auf dise Weise in die Herzen der alten Leute.

Eigentlich sollte es ja ein einmaliger Auftritt werden, „aber das Publikum war so begeistert, dass wir Spaß daran hatten, weitere Auftritte zu planen. Die Mädchen steuerten Lieder aus der Schule oder aus dem Internet bei und können sich inzwischen auch ganz gut auf den Geschmack ihres Publikums einstellen. „Sie wissen, wie wir den ‚Oldies‘ eine Freude bereiten können. Da haben wir mit unseren Liedern eine schöne Bandbreite von lustig bis ernst“, so Sager, der viel Engagement in die Vorbereitung der Auftritte steckt. Das Repertoire ist in der Tat breit gestreut von Paul Gerhardt (1653), bis Woodstock, von Volkslied bis Rock. Die Mädchen singen in Deutsch, Arabisch, Englisch, Spanisch und sogar Plattdeutsch. Jeder Auftritt hat ein Schwerpunkt-Thema: Als ich noch klein war, Jahreszeiten, Liebe und Freundschaft, Geburtstag, Fernweh und Heimweh, Wind und Wellen, Wünsche und Mutmacher, Kunterbunt, Küchenlieder und Balladen, Weihnachten, Mexiko und das aktuelle Programm „Von starken Frauen für starke Frauen - und solche, die es werden wollen“.

Natali und Mirna wohnen inzwischen seit fünf Jahren mit ihrem alleinerziehenden Vater in Soltau und sprechen „ganz prima“ Deutsch, freut sich Sager. Und die beiden sind auch im Gymnasium musikalisch aktiv: Natali spielt Euphonium und lernt auch noch Posaune, während Mirna Querflöte spielt. Außerdem sind sie regelmäßig an jedem Sonntag zuverlässige Messdienerinnen in der katholischen Kirche und begeisterte Turnerinnen im MTV Soltau.

Bei ihren Auftritten in Altenheimen, bei den Senioren der Kirchengemeinden, bei den Landfrauen und in Sportvereinen hat das Trio nicht nur Freude daran, sein Publikum zum Mitsingen zu motivieren, sondern überweist die Spenden für seine Auftritte immer für einen guten Zweck. Die Mädchen haben in Soltau so viel Hilfe erhalten, dass sie selbst helfen möchten - am liebsten dem von der UN unterstützten gemeinnützigen Projekt pro filia in Nepal im Kampf gegen Mädchenhandel.

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