Ob groß und auffällig über den Ohren oder klein und dezent direkt im Gehörgang – viele sind mit Kopfhörern auf Straßen und Wegen unterwegs. Doch nicht alle blenden dabei mit Musik oder Podcast die Umwelt um sie herum aus. In der Böhmestadt blenden Besucher nun Highlights in der City sogar bewusst ein, sind auf Lauschtour durch Soltau. Dabei wird das Smartphone zum Stadtführer und spielt über die entsprechende App an genau der richtigen Stelle spannende und interessante Geschichten sowie Informationen zu den Sehenswürdigkeiten ein – wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Was es mit der neuen Audiotour auf sich hat, erklären von der Soltau-Touristik Leiterin Cara Hellwinkel und Sigrid Wölfert, die die Umsetzung des Projektes maßgeblich begleitet hat.
Lauschtour heißt nicht nur die App, sondern auch deren Anbieter. Beim Blick auf die Landkarte auf der Internetseite des Unternehmens mit Sitz in Mainz markieren in der südlichen Hälfte Deutschlands zahlreiche Punkte die dortigen Audiotouren. Aber auch in Norddeutschland finden sich schon mehrere Angebote für Lauschtouren. Etwa auf gleicher Höhe wie die „Grenzland-Radtour an der Elbe“ am oberen Rand von Sachsen-Anhalt ist der nördlichste Punkt auf der Karte: „Standrundgang Soltau“.
Der startet im Hagen am Heiratsbrunnen und führt dann über rund zwei Kilometer durch die Innenstadt vorbei an 13 sehenswerten Zielen, etwa zu bekannten Sehenswürdigkeiten wie Filzwelt, Fliegendes Klassenzimmer und St. Johanniskirche. Über die Kopfhörer gibt es dann an den Haltepunkten die jeweiligen Erklärungen zu den Bauwerken: Hörer erfahren mehr über die verschwundene Burg, was Soltau mit Salz und Spielen verbindet und was es mit dem „Klöterigen Enn“ auf sich hat. So geht es auf Entdeckungstour durch die schönsten Ecken und historischen Viertel der Böhmestadt, dank GPS-Verbindung an der passenden Stelle dann untermalt von Beiträgen eines professionellen Sprechers.
Doch auch bekannte Soltauer Stimmen, die sich hier bestens auskennen und zum Teil schon selbst als Stadtführer aktiv waren, sind bei der Lauschtour zu hören: So gibt es Geschichten von Soltaus ehemaligem Bürgermeister Wilhelm Ruhkopf, der als Nachtwächter Willi schon die Schönheit der Böhmestadt präsentierte, und von Mathias Ernst, der ebenfalls Beiträge beisteuert. Beide ergänzen den Sprecher an einigen Stationen. Zudem zitiert Gerd Christoffer ein plattdeutsches Gedicht von August Freudenthal.
„Rund 250 Interessierte waren bereits auf dem Audio-Standrundgang unterwegs“, freut sich Wölfert über die Resonanz auf das kürzlich gestartete Angebot, für das noch nicht viel Werbung gemacht wurde. Dennoch sei die Nachfrage groß, ergänzt Hellwinkel: „Über die Lauschtour-App gibt es eine große Fan-Basis, die dann an den verschiedenen Orten auf Tour geht. Sie erleben dann auch hier die Stadtführung auf spannende Art und Weise, quasi als Hörspiel.“
Die professionelle Umsetzung sei auch ausschlaggebend für die Zusammenarbeit mit dem Mainzer Unternehmen gewesen, erläutert Wölfert. Das Projekt, das rund 20.000 Euro gekostet habe, sei zu 80 Prozent aus EU-Mitteln der Leader-Region gefördert worden. „Außerdem ist die Tour barrierearm“ – so könnten die Nutzer die gesprochenen Texte etwa in der App mitgelesen. Darüber hinaus ist das Abspielen dank Speichermöglichkeit auf dem Smartphone auch ohne Internetverbindung möglich. „Und jeder kann zu seiner Startzeit und in seinem Tempo auf Erkundung gehen, zwischendurch Pausen einlegen, und es müssen auch nicht extra spezielle Kopfhörer bei uns ausgeliehen werden“, fügt die Leiterin der Soltau-Touristik hinzu. So seien die Touren unabhängig von deren Öffnungszeiten und kämen zudem ohne eine Stadtführerin oder einen Stadtführer aus.
„Die gibt es aber auch weiterhin – etwa die ‚Lene weiß was...‘-Angebote – und sie sind auch gut gebucht. Die Lauschtour ist einfach eine Alternative dazu“, so Hellwinkel. „Denn nach wie vor möchten viele von Stadtführern geleitet werden, schätzen es, wenn dieser persönlich und lebendig Geschichten erzählt“, weiß Wölfert: „Daher ist die Lauschtour auch keine Konkurrenz dazu.“