Soltau präsentiert sich mit Witz und Charme

NDR-Sommertour zu Gast auf dem Schützenplatz / Stadtwette gewonnen

Soltau präsentiert sich mit Witz und Charme

„Ihr seid sensationell“ ruft NDR-Moderatorin Kerstin Werner ins Mikrophon und schwingt ihre Arme im Takt zu Achim Reichels Hit „Aloha heja he“. Das Publikum vor der Bühne lässt sich nicht lange bitten, bildet ein wogendes Meer aus tausenden Armen und singt lautstark den Refrain mit. Es ist rappelvoll, der Soltauer Schützenplatz, auf dem am vergangenen Samstagabend NDR Niedersachsen im Rahmen seiner Sommertour Station macht, platzt aus allen Nähten. Hallo Niedersachsen und NDR 1 Niedersachsen übertragen live. Eine tolle Möglichkeit für die Böhmestädter, sich von ihrer besten Seite zu zeigen und Werbung für ihre Stadt zu machen. Diese Gelegenheit packen die Bürgerinnen und Bürger dann auch beim Schopf, repräsentieren ihren Lebensmittelpunkt äußerst sympathisch, charmant und mit Esprit. Zwar ziehen dunkle Wolken auf und es fallen kurzzeitig ein paar Tropfen vom Himmel, der große Regen aber bleibt glücklicherweise aus. Und so ist die Stimmung auf dem Veranstaltungsgelände prächtig.

Einer der Höhepunkte des Abends ist natürlich die Stadtwette. Der NDR hatte den Soltauern im Vorfeld drei Aufgaben gestellt: Eine heidetypische Kulisse sollte gebaut und dann für die Sendung innerhalb von vier Stunden aufgestellt werden. Mindestens 250 als Schäfer, Imker, Webersleute oder ähnlich verkleidete Bürger müssen sich auf dem Schützenplatz einfinden. Last but not least sollen die Böhmestädter zur Melodie von Rod Stewarts „Sailing“ ein selbstgetextetes Lied über Soltau und die Heide singen (HK berichtete). Um den ersten Teil hatten sich Mitarbeiter des Bauhofes und des Technischen Hilfswerkes unter Regie von Jens Ziegler und Künstlerin Stefanie Klymant gekümmert - und ganze Arbeit geleistet, wie auch Moderator Arne-Torben Voigts anerkennend feststellt: „Soltau hat eine der schönsten Kulissen abgeliefert, die wir je hatten.“ Derweil sammeln sich unfassbar viele verkleidete Einheimische neben und hinter der Bühne und warten geduldig auf ihren großen Auftritt. „Ich schätze, das sind zwischen 500 und 700“, sagt Voigts in sein Mikrophon.

Dann ist es soweit: Die nächste Live-Übertragung beginnt und alle Verkleideten schreiten gegen 19.30 Uhr einzeln durch ein vom Kulissenbauteam aufgestelltes Schafstalltor. Zwei NDR-Mitarbeiter registrieren jeden Kostümierten mit Klickzählern. Sie haben reichlich zu tun und können dabei zugleich die Kreativität der Einwohner bestaunen. Fleißige Bienchen schwirren an ihnen vorbei, gefolgt von auf allen Vieren kriechenden „Schnucken“, Salzsiedern in ihren Trachten, Landfrauen in historischen Gewändern und immer wieder Schäfern, Jägern und Imkern. Letztere haben zum Teil sogar qualmende Imkerpfeifen dabei. Obwohl ihm nicht alle Heidjer gewogen sind, hat sich auch ein Wolf am Schafstalltor eingefunden. Isegrim zeigt sich von seiner freundlichsten Seite, nicht zuletzt auch deshalb, weil ihn „Landfrau“ Stefanie Klymant mit einem freundlichen Lächeln bändigt. Das beruhigt vor allem die Jüngsten unter den Kostümierten. Apropos: Die Zuschauer auf dem Platz und vor den TV-Geräten sehen, dass Soltauer aller Altersgruppen den Spaß mitmachen: Kostümierte Kleinkinder sind dabei, die von ihren Müttern oder Vätern auf dem Arm getragen werden, etliche Jugendliche sowie auch Seniorinnen und Senioren, von denen sich einige mit Rollator oder Gehhilfe eingereiht haben.

Bürgermeister Helge Röbbert hat Jackett und Kravatte durch eine zünftige Schäfermontur ersetzt und ist sichtlich stolz auf „seine“ Soltauer. Vor der Kamera lobt er das Engagement und die Kreativtät aller Beteiligten. Es dauert eine ganze Weile, bis das „amtliche Ergebnis“ feststeht: Stolze 786mal hat es am Schafstalltor „klick“ gemacht. Moderatorin Werner verkündet die beeindruckende Zahl, die vom Publikum lautstark bejubelt wird. Damit sind zwei Aufgaben mit Bravour gemeistert. Fehlt also noch das „Soltau-Lied“. Das haben zahlreiche „Schreiber“ unter Regie der Sängerin Sandra Thürasch getextet. Begleitet von Musikerinnen und Musikern der Heidekreis-Musikschule um deren Leiter Jürgen Heusler singen Thürasch, ein Chor auf der Bühne und das Publikum die teils mit einem Augenzwinkern verfassten Strophen. So heißt es zum Beispiel: „Hier in Soltau, hier in Soltau / wächst die Heide, frei und wild / einen Traum den, träumen alle / S-O-L als Nummernschild“. Und die abschließende Strophe up Platt bringt es auf den Punkt: „Hier in Soltau, hier in Soltau / mokt we jeden Wettstried mit / un winnen doot we bloots gemeensom / all de Minschen, groot un lütt“. Laut Thürasch hatten die Böhmestädter rund 100 Strophen gedichtet. „Der erste Songtext erreichte mich bereits 40 Minuten nach Bekanntgabe der Wette“, so die Soltauerin. Aus allen Ideen und Vorschlägen „bastelten“ die Texter schließlich zehn Strophen. Als der große „Böhmestadt-Chor“ die letzte Liedzeile gesungen hat, ist klar: die Stadtwette ist gewonnen. Sichtlich zufrieden nimmt „Schäfer“ Röbbert die Urkunde entgegen, wobei Moderator Voigts den Soltauern „ein Riesenkompliment“ macht. Die gewonnene Wette ist natürlich ein Grund zum Feiern - und das tun die Besucher dann auch ausgiebig zur Musik der Hermes-House-Band und der Gruppe „Smashing Piccadillys“.

Kein Zweifel, die Soltauer haben sich und ihre Stadt auf gelungene Art und Weise präsentiert. Da lässt sich nur der unvergessene Moderator Hans Rosenthal zitieren: „Das war Spitze!“

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