Soltauer sammelt Müll ein

Jörg Basse nutzt Hundespaziergänge, um den Wald sauberzuhalten

Soltauer sammelt Müll ein

Alle Welt prangert die rücksichtslose Verschmutzung der Umwelt an. Vor der „eigenen Haustür“ allerdings hat dieser hehre Ansatz dann aber manchmal so seine Grenzen. Offenbar gibt es noch immer genügend Zeitgenossen, die es mit „nach mir die Sintflut“ halten: Die Fast-Food-Box? Zack, ’raus aus dem Autofenster. Die leere Bonbontüte beim Waldspaziergang? Schwupp, mit dem Plastik ab in die Büsche. Auf diese Weise finden sich nicht selten Mengen von Unrat zwischen Baum und Strauch - eine Hinterlassenschaft, der der Soltauer Jörg Basse den Kampf angesagt hat.

Vor allem auf Wegen rund um Soltau, aber auch auf anderen Strecken im Landkreis ist der Böhmestädter regelmäßig mit dem Hund unterwegs. So hat er nach eigener Hochrechnung in den vergangenen zwei Jahren rund 2.000 Kilometer zurückgelegt und feststellen müssen: „Auf allen Routen findet sich - mehr oder minder intensiv - Müll. Dabei ist es oft derselbe Abfall, der mir dann bei späteren Spaziergängen erneut auffällt. Und wenn Müll erst einmal über einen längeren Zeitraum liegen bleibt, sinkt die Hemmschwelle, noch etwas dazuzulegen.“ Manchmal ist offensichtlich auch Vandalismus im Spiel, etwa dann, wenn neben einer Bank der Papierkorb abgerissen und der darin befindliche Müll in der Umgebung verteilt worden ist. Auf die Dauer jedenfalls mochte der Soltauer das nicht mehr so hinnehmen: „Irgendwann habe ich mir gesagt, daß ich den Müll am nächsten Tag nicht noch einmal sehen möchte. Also habe ich mir einen Greifer und Müllbeutel gekauft“, berichtet Basse.

Solchermaßen ausgerüstet, befüllt er unterwegs seinen Müllbeutel mit den unliebsamen Hinterlassenschaften rücksichtsloser Zeitgenossen und entsorgt die Fundstücke dann nach dem Spaziergang.

Das hat der Böhmestädter zunächst eine ganze Weile gemacht, dann aber Greifer und Müllbeutel beiseite gelegt: „Irgendwann habe ich mich einfach nur geärgert, weil ich den Dreck anderer Leute wegräume.“

Inzwischen hat Basse aber seine Utensilien wieder dabei und erfährt für seinen Einsatz häufig Zuspruch von Spaziergängern: „Andere wiederum meinen, ich bekäme das bezahlt. Denen muß ich dann erstmal erklären, daß ich das freiwillig - sozusagen ehrenamtlich - mache.“

Wie Basse quasi als „Einzelkämpfer“ dem Müll in der Natur zu Leibe rückt, so gibt es auch andere, die es ihm gleichtun, entweder einzeln oder in Gruppen, die bei speziellen Aktionen ganze Müllberge einsammlen.

Zu solche Aktionen, meint Basse, werde viel zu selten aufgerufen: „Ich vermisse Organisation und Struktur, etwas gegen den Müll zu tun.“ Zwar wird immer nach den Kommunen gerufen, die sich doch bitte um den im Wald herumliegenen Müll kümmern sollen. Doch die haben auch nicht genügend Personal, um permanent Leute loszuschicken. Zwar, so sieht es der Soltauer, könnten die ruhig häufiger tätig werden, „doch das eigentliche Problem liegt ja nicht bei den örtlichen Bauhöfen, sondern bei den betreffenden Leuten: Was denken sich die, die ihren Abfall in den Wald werfen oder sogar noch Hausmüll in Tüten dorthinschaffen?“ Ihnen wünscht Basse saftige Bußgelder, und tatsächlich kann die illegale Müllentsorgung in der Natur teuer werden. Der Haken ist aber offensichtlich: Die Umweltfrevler werden viel zu selten erwischt.

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