Speelgill: Dringend Regisseur gesucht

Traditionsreiche plattdeutsche Theatergruppe mit ernsten Problemen

Speelgill: Dringend Regisseur gesucht

Seit 1980 war Verlaß auf diesen Zyklus: Immer im Februar hieß es seit 1980 „Vorhang auf“ für plattdeutsches Theater mit der Speelgill Soltau. Ein fester Termin im Kalender der Fans niederdeutscher Komödien, nicht nur in der Böhmestadt. Doch in diesem Jahr blieb die Aulabühne des Gymnasiums zum ersten Mal leer, denn die als Verein organisierte Speegill hat echte Schwierigkeiten: Zwar wäre sie auch froh über neue Ensemblemitglieder, doch ein wirklich schwerwiegendes Problem ist der Speelbaas (Regisseur). Den nämlich gibt es derzeit nicht mehr - und ohne Regisseur läßt sich kein Stück vernünftig auf die Bühne bringen. Wie Vorsitzender Jochen Hoog unterstreicht, sei es von existentieller Bedeutung, hier dringend Ersatz zu finden. Ansonsten sei die Speegill in ihrem Weiterbestand bedroht.

Auf eine fast 40jährige Tradition kann die Speelgill Soltau zurückblicken, „denn im Spätsommer oder Herbst 1979 gab es das erste Treffen und im Februar 1980 dann die erste Aufführung“, meint Hoog im Rückblick. So ist es dann auch später im wesentlichen geblieben. Etwa Ende September, Mitte Oktober eines jeden Jahres begannen die Proben: „Die standen dann zweimal wöchentlich auf dem Programm, bis wir schließlich im folgenden Februar vier bis fünf Aufführungen mit insgesamt 2.200 bis 2.300 Zuschauern hatten“, berichtet der Vorsitzende. Besonders beliebt dabei: die Vorstellung sonntags nachmittags, die nicht nur Senioren, sondern vor allem auch Familien in die Aula zogen.

„Zunächst waren es klassische niederdeutsche Komödien, die wir gespielt haben. Im Lauf der Jahre haben wir unser Repertoire dann auch um Stücke jüngerer niederdeutscher Autoren erweitert“, erläutert Hoog.

Alt und jung, groß und klein - Plattfans haben immer schon ungeduldig auf den Vorverkauf gewartet, der - mit Blick auf den Gabentisch - bereits in der Vorweihnachtszeit startete. 1.500 bis 1.600 Tickets gingen dabei als Geschenke über den Ladentresen, und der Rest blieb auch nicht lange liegen, „so daß unsere Karten immer sehr schnell ausverkauft waren“, erinnert sich der Vorsitzende. Um dies alles auf die Beine zu stellen, ist ein entsprechendes Team nötig. Insgesamt 48 Mitglieder zählt der Verein, wobei aber nicht alle auch aktiv sind. Laut Hoog verfügt die Speelgill derzeit über zehn bis zwölf Schauspielerinnen und Schau-spieler. Um ein Stück auf die Bühne zu bringen, seien aber nicht nur sechs bis zehn Schauspieler, sondern auch weitere Helferinnen und Helfer - von der Souffleuse bis zum Bühnenbauer - nötig: „Das sind insgesamt 20 bis 25 Leute, die das alles ehrenamtlich machen.“

Einer allerdings fehlt hier noch im Bunde: Der Regisseur. Dessen unverzichtbare Aufgabe lag schon seit ewigen Zeiten bei Werner Schröder. Das betont auch der Vorsitzende: „Bis auf ganz wenige Ausnahmen hat er damit so gut wie alle Stücke der vergangenen 25 Jahre inszeniert, und das mit großer Qualität.“ Aber irgendwann gibt es überall Veränderungen - schließlich wird niemand jünger.

Die Speegill sucht deshalb mit absolutem Hochdruck nach einem neuen ehrenamtlichen Regisseur: „Es wäre zwar gut, wenn er Plattdeutsch sprechen könnte, aber das muß nicht sein, es geht auch ohne“, unterstreicht der Vorsitzende. Wer hier interessiert ist, kann sich unter Tel. (05191) 4930 oder per E-Mail plattjoochen@web.de an Jochen Hoog wenden. Das gilt auch für Schauspielerinnen und Schauspieler, die ebenfalls gesucht werden: „Hier sind uns nicht nur junge Leute, sondern Interessierte jedes Alters willkommen, vor allem solche zwischen 35 und 50, die wir bei Bedarf auch plattdeutsch anlernen können“, erläutert Hoog.

Der entscheidende Dreh -und Angelpunkt bleibt aber der Regisseur, denn wenn es den nicht gibt, kann die Speegill kein Stück auf die Bühne bringen: „Wir müssen aber spielen, damit Geld hereinkommt, um unsere Kosten zu decken, was über die Mitgliedsbeiträge nicht möglich ist. Wir haben nämlich feste Ausgaben wie die Miete für das Bühnenlager oder Versicherungen für die Schauspieler. Da müssen wir irgendwann die Reißleine ziehen“, rechnet Hoog vor. Die Lage ist hier immerhin ernst genug für eine außerordentliche Versammlung, die am 21. März auf dem Plan gestanden hat. Dazu der Vorsitzende: „Keiner aus dem Verein war bereit, die Aufgabe des Regisseurs zu übernehmen, was natürlich auch nicht jeder kann.“ Es seien inzwischen auch andere Lösungen erörtert worden, etwa die, die Bühnenbilder anderswo unterzustellen, die Schauspielerversicherungen, wenn möglich, auf Eis zu legen und damit Geld zu sparen und Zeit für die weitere Suche zu gewinnen. Abgesehen davon, so Hoog, daß die Bühnenbilder wegen ihrer Empfindlichkeit weiterhin so sicher wie derzeit gelagert werden müßten, wäre eine solche „Zwischenlösung“ für die Speelgill eher „ein Tod auf Raten.“

Die kommenden knapp sechs Wochen bleiben jetzt noch, um die Regisseur-Frage eventuell im Vorfeld zu lösen, denn am 9. Mai trifft sich der Verein zur Jahreshauptversammlung - und dann könnte es sehr ernst werden, wenn es zu keiner tragfähigen Perspektive kommt, wie der Vorsitzende weiß: „Es könnte sein, daß dann in einer zweiten Versammlung der Verein aufgelöst würde.“ Soweit ist es allerdings noch nicht, und so hoffen denn Hoog und seine Mitstreiter, daß sich das Blatt noch wendet.

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