Strategie zur Stärkung gefragt

Mittelstandsausschuss besucht drei Röders-Firmen in Soltau

Strategie zur Stärkung gefragt

Den Alltag in drei typischen, etablierten mittelständischen Unternehmen konnte sich kürzlich eine Delegation aus dem Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) in Soltau ansehen. An zwei Tagen wurden die Firmen G.A.Röders, Röders Tec und Röders AG besucht. Drei Firmen die denselben Namen tragen, aber ganz unterschiedliche Produkte entwickeln, herstellen und meist weltweit vermarkten.

Gemeinsam teilen die Firmen die Sorgen einer schwachen Infrastruktur in ländlicher Region. Dabei sind Zuverlässigkeit der Zugverbindungen, Ausbau der Autobahn, ausreichende Baugrundstücke vor Ort genauso wie gute Schulen, Krankenhäuser und Einkaufsmöglichkeiten wichtige Faktoren für benötigte Fachkräfte, die Arbeit und Wohnort suchen. In Soltau ist hier viel geschehen, aber manches könnte besser sein oder scheint bedroht.

Auch müssen die Firmen immer mehr Umweltbestimmungen schultern und wachsende Bürokratiehindernisse überwinden – Beispiele wie die Datenschutzverordnung und A1-Formular der Entsenderichtlinie führen zu gefühlter „Blindleistung“, die kein Kunde der hiesigen Firmen bezahlen möchte.Gleichzeitig gilt für alle Unternehmen: Ohne Innovation in Prozessen und Produkten kommt man auch in Soltau nicht weiter, also ist Forschungsförderung ein richtiger Ansatz.

Und auch die Abschaffung von Handelsbeschränkungen ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg. Denn wie viele Unternehmen liefern die Firmen aus Soltau Produkte weit über Deutschland hinaus sehr erfolgreich aus – und stehen gleichzeitig im weltweitem Wettbewerb. Gezielte Politik kann also helfen. Was Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mittelstandspolitisch in Berlin zu schaffen versucht, kann auch positiv nach Soltau wirken. Zumindest dann, wenn er genug Kraft und Mitstreiter findet, seine Ankündigungen auch gegen politische Widerstände umzusetzen.

Ende August hatte Altmaier erste Eckpunkte für eine Mittelstandstrategie veröffentlicht, die er Ende September vorlegen will. Angekündigt wird darin politische Unterstützung etwa für weniger Steuer- und Bürokratiekosten, mehr Forschung und Entwicklung, einfachere Suche und Ausbildung von Fachkräften sowie für leistungsfähige Infrastrukturen auch in ländlichen Regionen. Das ist wichtig, denn all diese Stellschrauben wirken auch auf die mittelständische Industrie, die 60 Prozent der Arbeitsplätze, 80 Prozent der Ausbildungsplätze und 99 Prozent der vorhandenen Unternehmen stellt.

Ohne einen erfolgreichen Mittelstand wäre Deutschland vermutlich ein – wirtschaftlich, kulturell, gesellschaftlich und sozial – ärmeres Land und könnte viele Aufgaben für die Bevölkerung so nicht erfüllen. Auch deswegen muss es der Politik besondere Sorgen bereiten, wenn vorhandenen Firmen immer weniger in Deutschland investieren, Unternehmensnachfolgen in die nächste Generation misslingen und noch dazu zu wenige Menschen neue Firmen gründen.

Die ausführlichen Firmenrundgänge boten eine gute Gelegenheit für tiefe Einblicke und intensive Diskussionen. Die Mitarbeiter des BDI konnten sehen und hören, wie es vor Ort läuft. Erlebt wurde das starke „Mittelstands-Gen“: Betriebe müssen sich immer wieder hohen Anforderungen und wechselnden Märkten schnell anpassen. Die Belegschaft identifiziert sich mit ihrem Betrieb und zieht im gemeinsamen Interesse mit. Jenseits von Flexibilität liegt eine Stärke mittelständischer Firmen auch in hoher Spezialisierung.

„Für unsere Arbeit sind solche Einblicke enorm wertvoll. Der Besuch in Soltau schärft unsere Sinne und Argumente für gezielte Interessenvertretung im politischen Berlin. Vor Ort konnten wir erkennen, wo der Schuh drückt, aber auch wie erfolgreich mittelständische Unternehmen agieren – das nehmen wir mit in die Hauptstadt“ so Fabian Wehnert vom BDI.

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