„Tafel Soltau ist nicht mehr wegzudenken“

Einrichtung wird 20 Jahre alt. Ernst Fuhrhop und Renate Clauder sind seit Gründung dabei.

„Tafel Soltau ist nicht mehr wegzudenken“

Eigentlich könnte Ernst Fuhrhop schon lange den wohlverdienten Ruhestand genießnen - tut er aber nicht: Seit 20 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich für die Tafel Soltau. Gleiches gilt für Renate Clauder: Auch sie ist seit zwei Jahrzehnten mit dabei. Allein schon diese lange Zeit des kontinuierlichen Einsatzes für die gute Sache ist bemerkenswert. Doch die beiden sind damit auch die einzigen aus dem Team, die die Gründung der Tafel noch selbst miterlebt haben. Und wer jetzt rechnen kann, der weiß: Auch die Tafel selbst wird 20 - am 26. Februar 1999 gab sie zum ersten Mal Lebensmittel an Bedürftige aus.

Jeden Freitag zwischen 14.30 und 16 Uhr versorgt das Team der Tafel im Gemeindehaus der Lutherkirche jene Menschen mit gespendeten Lebensmitteln, die staatliche Transferleistungen erhalten oder deren Einkünfte unter der Armutsgrenze liegen. Die wiederum zahlen dafür einen kleinen Beitrag. Seit elf Jahren bewegt sich die Tafel, die sich von Anfang an und bis heute in Trägerschaft der Lutherkirchengemeinde als Teil der diakonischen Arbeit befindet, in ruhigem Fahrwasser. Dafür sorgen nicht nur das Team um Tafel-Leiter Fuhrhop und die unterstützenden Lebensmittelbetriebe, sondern auch die Rahmenbedingungen, die die Kirche mit ihrem Gemeindehaus bietet.

Doch die Zeiten waren auch schon turbulenter und die Entwicklungen kaum vorhersehbar: „Eigentlich geht die Tafel Soltau auf das Arbeitslosenfrühstück zurück, das wir 1997 ins Leben gerufen haben“, erinnert sich Fuhrhop. Diese Aktion war eine Initiative des damaligen Pastors Klaus Weber. Doch sie fand im angesprochenen Personenkreis nicht die erhoffte Resonanz. Deshalb rückte bei den Organisatoren die Tafel-Idee in den Mittelpunkt, nachdem die erste Einrichtung dieser Art bereits 1993 in Berlin gegründet worden war. Dazu Furhhop: „Wir sind da durchaus etwas blauäugig herangegangenen.“ Dennoch waren die Soltauer klug genug, sich vorher Informationen und Tips von den Walsrodern zu holen, die bereits ein halbes Jahr zuvor eine Tafel geründet hatten: „Dieses Treffen lief am 2. Februar 1999. Nur gut drei Wochen später, am 26. Februar, hatten wir die erste Lebensmittelausgabe.“

Die Soltauer Tafel unter der Leitung von Pastor Weber war damit geboren, und zwar unter erheblichen Wehen, denn das Team mußte in diesen wenigen Tagen erst einmal sein Domizil im Bugenhagenhaus der Luthergemeinde, das heute nicht mehr steht, herrichten: „Wir konnten dort im Keller unterkommen, der zuvor von den Pfadfindern genutzt, in dem dann aber alles mögliche untergestellt worden war.“

Dort alles auf Vordermann zu bringen, „das war eine echte Herausforderung“, an die sich Fuhrhop auch heute noch sehr gut erinnern kann. Gleichwohl waren die Initiatoren froh, überhaupt einen Ort für ihr Vorhaben gefunden zu haben, denn Tafeln waren damals längst keine Selbstverständlichkeit. „Wir haben uns dann im Bugenhagenhaus gut etabliert, auch wenn es mit der Lebensmittelanlieferung etwas schwierig war“, weiß der 80jährige. Er übernahm die Leitung, als Pastor Weber Soltau im Jahr 2000 verließ. Doch nicht nur die Führung war geregelt, auch sonst stimmt die personelle Seite: Bei Gründung der Tafel waren es 17 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Zur ersten Lebensmittelausgabe wenige Wochen später umfaßte das Team 27 Personen - übrigens genauso viele wie heute.

Eines Tages aber war es vorbei mit der Perspektive im Bugenhagenhaus: „Wir erhielten die Nachricht, daß das Gebäude entweder saniert werden oder es einen Neubau geben sollte.“ Am Ende wurde das Bugenhagenhaus abgerissen und das Gelände als Grundstücke für die Wohnbebauung verkauft. Darüber hinaus veräußerte die Kirche das Pastorenhaus in der Birkenstraße. Genutzt wurden diese Mittel zum Bau eines neuen Gemeindehauses gleich neben der Lutherkirche. „Wir waren als Tafel zwar die letzten, die auszogen, aber verlassen mußten wir das Bugenhagenhaus am Ende doch. Und wir wußten nicht wirklich, wo wir bleiben sollten“, so der Leiter in seinem Blick zurück.

Da Fuhrhop seinerzeit gesundheitliche Probleme hatte, kümmerten sich der damalige Pastor Gottfried Berndt und Hubertus Greiner um eine Ausweichlösung. Die Tafel trat an Bürgermeisterin Christa Erden heran, und die Stadt half: So konnte die Einrichtung zur Miete in das Gebäude Unter den Linden 21A einziehen und dieses Übergangsdomizil vom 28. Juli 2006 an nutzen: „Das war damals für uns die Rettung“, betont Fuhrhop. Langfristig aber sollte das neue Gemeindehaus der Lutherkirchengemeinde zum Standort der Soltauer Tafel werden. Doch auch hier bedurfte es des besonderen Einsatzes: „Daß wir dort untergebracht werden konnten, ist Pastor Berndt zu verdanken, denn er hat die Einbeziehung der Tafel in die neuen Räumlichkeiten bewirkt“, unterstreicht der Leiter.

Bis zum 11. Januar 2008 blieb die Einrichtung im Gebäude Unter den Linden 21A. Fuhrhop weiter: „Was dann kam, war eine Gewaltaktion, mit der wir innerhalb nur einer Wochen nicht nur umgezogen sind, sondern auch einsatzfähig waren. Denn schon am 18. Januar 2008 stand die erste Lebensmittelausgabe im Gemeindehaus auf dem Programm.“ Seit gut elf Jahren ist die Tafel dort etabliert und hat sogar schon ihr Lager neben dem Gemeindehaus erweitert.

Das zeigt, daß es ohne diese Einrichtung nach wie vor nicht geht. Zwar sind wegen der guten konjunkturellen Lage und des Wegzugs von Flüchtlingen derzeit rückläufige Nutzerzahlen zu verzeichnen: „Doch für viele sähe es ohne Tafel wesentlich schlechter aus. Sie ist nicht mehr wegzudenken. Eigentlich sollte sie in einem Sozialstaat nicht nötig sein, doch die Verhältnisse werden sich wohl nicht so verändern, daß Tafeln irgendwann überflüssig sind“, meint Fuhrhop. So wird auch die Soltauer Tafel weiterbestehen - vielleicht noch einmal 20 Jahre.

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