„Tag des Tourismus“ in Soltau: „Mut zur Veränderung“ lautet das Motto

Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Gastgewerbe und touristischer Dienstleistung in der Alten Reithalle

„Tag des Tourismus“ in Soltau: „Mut zur Veränderung“ lautet das Motto

Nach vier Jahren coronabedingter Pause trafen sich am 11. Oktober wieder die Tourismusverantwortlichen aus der Region beim „Tag des Tourismus“, zu dem die Lüneburger Heide GmbH in die Alte Reithalle in Soltau eingeladen hatte. Mehr als 200 Gäste aus Gastgewerbe und touristischer Dienstleistung waren vor Ort. Inhaltlich standen die Entwicklung des Tourismus in der Lüneburger Heide sowie die Themen Arbeitskräftemangel und Nachhaltigkeit im Fokus. Mit „AllerLiebe“ wurde zudem ein neuartiges gastronomisches Konzept für Hotel und Gastronomie präsentiert. Die Vorträge mit konkreten Lösungsansätzen sowie der anschließende Austausch sorgten für ein interessantes Nachmittagsprogramm.

Initiiert und veranstaltet von der Lüneburger Heide GmbH unter der Geschäftsführung von Ulrich von dem Bruch nutzen Gastgeber, Gästeführer und Freizeitanbieter den Branchentreff, um sich über Entwicklungen und Neuheiten in der Region zu informieren. Das Rahmenprogramm hatte es in sich: „Mut zur Veränderung“ war der Tenor aller Vorträge, um die akuten Probleme der Branche zu bewältigen.

„Viele Betriebe laufen in eine existenzbedrohende Situation, wir brauchen hier dringend Lösungen“, machte Ulrich von dem Bruch in seinen Eingangsworten den Ernst der Lage klar. Fachkräftemangel, Energiekosten und Warenpreise bedrohten das touristische Produkt. Die Gastronomie klage über den Verlust von Köchen, habe aber wenig Ideen zur Lösung des Problems. Die Lüneburger Heide GmbH denke da anders und lösungsorientierter, machte der Tourismuschef klar: „Man kann heute ein Restaurant ohne Koch betreiben.“

Auch im Übernachtungsbereich fehlt Personal, etwa in der Haushaltsführung und im Service. Hier regte von dem Bruch an, „über den Tellerrand zu schauen.“ Mittlerweile gebe es Reinigungsroboter auf dem Markt und gerade sei das erste Bett erfunden worden, das sich selbst machen könne. „Viele Innovationen sind noch nicht serienreif, aber wir müssen sie im Auge behalten“, betonte der Geschäftsführer. Ohne Menschen gebe es kein Tourismusangebot und man müsse „das knappe Gut Mensch“ dann durch andere Mittel so weit entlasten, wie dies möglich sei.

Um Impulse und Lösungen für den in diesen Zeiten besonders herausfordernden Alltag der Gastgeber ging es dann in den folgenden drei Vorträgen. „Es geht um das, was Sie jetzt sofort tun können“, setzte Karriereberaterin Simone Kohl den Schwerpunkt beim Thema Personalmangel. Welche Ansprüche hat die Generation X? Muss die eigene innere Haltung bei der Mitarbeiterführung überdacht werden? Mit konkreten Beispielen aus dem Markt schärfte Simone Kohl das Bewusstsein der Teilnehmer für den sich gewandelten Arbeitsmarkt. „Schauen Sie genau, in welchen Medien sich Ihre Arbeitnehmer tummeln“, rief Ulrich von dem Bruch auf, „dort müssen Sie sein.“ Er regte an, „neben dem Endkundenmarketing auch ein Arbeitsmarktmarketing durchzuführen.“

Professor Dr. Harald Zeiss, Nachhaltigkeitsforscher der Hochschule Harz, hob hervor, wie groß der Verlust sein werde, wenn nicht endlich nachhaltig gelebt werde: „Wir dürfen nicht darauf warten, dass wieder ruhigere Zeiten kommen. Die kommen nicht mehr. Im Gegenteil. Es muss sich etwas ändern.“ In seinem Impulsvortrag „Genug für alle für immer“ ging er auf die Vorteile des regionalen Tourismus ein und bestärkte die Gastgeber, für sich und in der Region nachhaltig zu sein. Neue Essgewohnheiten und andere Wege der Mobilität spielten in der Heideregion zukünftig eine große Rolle: „Das ungebremste Wachstum ist vorbei. Wir müssen die gewohnte Art zu leben infrage stellen. Und helfen kann uns nur Genügsamkeit und Verzicht“. Zeiss rief die Teilnehmer dazu auf, wenigstens mit kleinen Schritten zu beginnen. Der Vortrag war der Auftakt zu einer Nachhaltigkeitsstrategie, der sich die Lüneburger Heide GmbH in Zukunft widmen will. Im ersten Schritt wird eine Bestandsaufnahme bei allen 2.500 Betrieben der Heide gemacht, um einen Überblick zu erhalten.

„Gastronomisches Angebot haben ohne Koch“ - dies war die Überschrift über dem Vortrag der beiden Gründer von „AllerLiebe“, Inga Ali und Pascal Raschke. Sie stellen auf Bioland zertifizierter Basis hochwertige, regionale Produkte zur Verfügung. Die Lieferung an Hotels und Gastro-Betriebe erfolgt in Boxen und Gläsern mit Rücklaufsystem. Jeder Betrieb, der keinen eigenen Koch mehr hat, kann sich eine komplette Karte bestellen und braucht die Gerichte nur noch durch Servicemitarbeiter aufwärmen und anrichten zu lassen. Standort der Produktion ist momentan das Hotel Wildland Natural Resort in der Südheide. „Eine perfekte Lösung des Problems in guter Qualität“, zeigte sich Lüneburger Heide Geschäftsführer Ulrich von dem Bruch begeistert, „ich hoffe, dass das vielen Kollegen aus der Heide hilft.“

Auch die Lüneburger Heide GmbH wird die Partnerbetriebe zukünftig entlasten können, denn durch die Schaffung eines neuen Intranets zur Erfassung aller Stammdaten können die Betriebe ihre Daten zeitsparend nur noch an einer Stelle eingeben. Der Datenaustausch mit Tourist-Informationen, der Landesebene oder Reiseveranstaltern erfolgt dann über Schnittstellen. Neu angekündigt wurde auch ein Gäste-TV, ein Informations-Bildschirm mit Ausflugsprogrammen für die Urlauber in den Unterkünften.

Bei heißer Kürbissuppe und kalten Getränken hatten die teilnehmer zum Abschluss ausreichend Zeit, sich mit den Referenten sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Lüneburger Heide GmbH auszutauschen.

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