Traditionelle Maikundgebung

Auch Krieg in der Ukraine Thema bei Veranstaltung in der Soltauer Innenstadt

Traditionelle Maikundgebung

Dass der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Heidekreis am 1. Mai zuerst an den Nazi-Überfall von 1933 auf das Volkshaus der Soltauer Arbeitervereine erinnert, hat Tradition. Ehe DGB-Kreisvorsitzender Heinz-Dieter „Charly“ Braun ein Gesteck unter der Erinnerungstafel ablegte, berichtete Olaf Rugullis vom „Bündnis gegen Rechts“ an das damalige Pogrom der Einwohner gegen eine jüdische Kaufmannsfamilie. Man arbeite daran, so Rugullis, „dass endlich auch sogenannte Stolpersteine zur Erinnerung ins Pflaster gelegt werden.“

Derweil hatten andere Kolleginnen und Kollegen wenige Meter weiter den Platz mit Fahnen, Plakaten und Transparenten dekoriert. Ebenso bunt war das Basis-Programm der Kundgebung. Braun lobte den erfolgreichen Streik bei Aller-Bus und kritisierte die Lohnsenkungspläne des Bomlitzer Chemieunternehmens „WIPAK“ als „Erpressung“. Künftig solle 23 Prozent unter Tarif bezahlt werden. Das animierte Musiker Tom Kirk dazu, die Ballade vom reichen und armen Mann zu singen.

Mit satirischem Einschlag berichtete Braun vom Rauswurf aus einem Walsroder Geschäft. Grund war, dass sich der Gewerkschafter mit „ver.di“ gegen die Ausweitung von Sonntagsöffnungen engagiert. Sehr viele Kolleginnen und Kollegen boykottierten inzwischen dieses Geschäft, so Braun. Den Ausruf „Sonntage sind keine Werktage“ begrüßten die anwesenden Kirchenvertreter.

Während GEW-Kreisvorsitzender Erwin Kreie mit pädagogischen Argumenten die Forderung nach einer Integrierten Gesamtschule (IGS) unterstrich, warb Renate Gerstel dafür, das DGB-Angebot für Jugendliche und Schulen zu nutzen. Vor Ausbildungsbeginn sollten alle ihre Rechte im Betrieb kennen.

Weiterhin meldeten sich Maxi Emmann und Fee Potthorst, zwei junge Frauen von Fridays for Future zu Wort. Sie stellten anschaulich Szenarien des „Weiter so“ einer ökologisch und sozial-gerechten Wende gegenüber. Die unterschiedlichen Zukunftsvisionen sorgten für Betroffenheit und ernteten viel Applaus. Der Forderung des „Bündnisses gegen Rechts“ an die Stadt Walsrode, die Stadthalle nicht an den AfD-Landesparteitag zu vermieten, stimmten die Kundgebungsteilnehmer zu.

Mit reichlich Applaus bedacht wurde die Friedensrede von Fritz Patzelt. Zitat: „Als Gewerkschafter lehnen wir Kriege als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln grundsätzlich ab. Krieg zerstört, Krieg traumatisiert, Krieg tötet. Wir unterscheiden nicht zwischen guten und bösen Kriegen, wir sagen nein zu jedem Krieg.“ Die „100-Milliarden-Aufrüstung“ der Bundeswehr werde stattdessen für „Aufrüstung von Gesundheitswesen und erneuerbaren Energien“ benötigt.

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