Unfallchirurgie kehrt nach Soltau zurück

Heidekreis-Klinikum: Erstmals seit Jahren wieder positive Entwicklung, aber weiter 12,8 Millionen Defizit

Unfallchirurgie kehrt nach Soltau zurück

Das dürfte nicht nur viele Soltauer freuen: Die Unfallchirurgie kehrt zum Ende dieses Jahres aus Walsrode zurück ans Heidekreis-Klinikum (HKK) in der Böhmestadt und verbessert damit das hiesige Versorgungsangebot. Auch wenn diese Information schon seit einiger Zeit kursiert, gehörte sie doch zu den frohen Botschaften, die HKK-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge und Aufsichtsratsvorsitzender Hermann Norden am vergangenen Dienstag in Soltau verkünden konnten. Was bei diesem Pressegespräch aber vor allem für eine positive Atmosphäre sorgte, waren die wirtschaftlichen Zahlen. Die, so Rogge, seien seit Jahresbeginn kontinuierlich gut und würden es voraussichtlich auch bleiben: „Wir haben damit die Trendwende geschafft.“

Seit Jahren geht das HKK durch ein wirtschaftliches Tal der Tränen, wobei der Landkreis als Gesellschafter die ohnehin schon eingeplante Defizitabdeckung in großer Millionenhöhe nachträglich immer wieder aufstocken mußte. Daran konnte auch Rogges Vorgänger, Dr. Christof Kugler, der stets die Trendwende beschwor, nichts ändern. Der jetzige Geschäftsführer scheint da mit seiner Unternehmenspolitik erfolgreicher zu sein: Entsprechend der derzeitigen Entwicklung, werde sich in diesem Jahr das Defizit mit 12,8 Millionen Euro etwa 200.000 unter der vom Kreistag bewilligten Geldspritze in Höhe von 13 Millionen Euro bewegen.

Rogge stützt diese Prognose bis Ende 2019 auf die Zahlen der ersten sieben Monate: 386 zusätzliche stationäre Fälle, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Plus von 4,2 Prozent entspreche, „haben erstmals seit Jahren zu einer Steigerung geführt. Zum ersten Mal erwarten wir steigende Umsatzerlöse mit einem Plus von 1,24 Millionen zum 31. Dezember“, so Rogge. Dieses Ergebnis signalisiere die Trendwende, denn es sei nachhaltig, weil deutlich zunehmend: „Und die Entwicklung an den umliegenden Kliniken ist eher umgekehrt oder stagnierend“, so der Geschäftsführer weiter, der in diesem Zusammenhang die gute Entwicklung insbesondere der Inneren Medizin von Professor Dr. Frank Schmitz (Ärztlicher Direktor), der Unfallchirurgie von Dr. Halil Yasar und der Soltauer Geriatrie mit Chefärztin Özgen Isik-Obersteller zuschreibt. Dieser Erfolg sei das Ergebnis guter medizinischer Versorgung und guter Vernetzung, verbunden mit entsprechenden „Köpfen“.

Trendwende bedeutet hier also, dass das HKK nicht ständig mehr, sondern jetzt erstmals und dann auch künftig weniger Geld vom Landkreis braucht: „Unser Ziel ist es, das Defizit bis zum Umzug in das neue HKK zu halbieren“, betont Rogge.

Das werde allerdings noch mindestens sechs Jahre dauern, vorher werde das zentrale Klinikum nicht fertig sein. Für dessen Bau hat das Land Fördermittel in Höhe von 130 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Wo es einmal stehen kann, wird derzeit und noch bis etwa Ende 2020 in einem Raumordnungsverfahren geklärt. Wo es - sollte es hier mehrere Möglichkeiten geben - am Ende stehen wird, wird dann auch unter Berücksichtigung relevanter statistischer Daten entschieden.

Dass ein solcher Neubau für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung im Heidekreis unverzichtbar ist, dürfte in der Politik allgemeiner Konsens sein, ausgenommen die Walsroder Bürgerliste (WBL), die einen Neubau ablehnt und statt dessen das Walsroder Krankenhaus erhalten sehen will.

Auch wenn dieser Fall wohl nicht eintreten dürfte, heißt das allerdings nicht, dass jetzt die Häuser in Walsrode und Soltau zum „alten Eisen“ geworfen würden. Im Gegenteil: Weil es noch relativ lange bis zum Neubau dauert, muss an beiden Standorten weiterhin einiges geschehen, um am Ball zu bleiben: „Mit dem jetzigen Spektrum können wir noch nicht in die Zukunft starten. Wir müssen uns neu aufstellen und wachsen“, unterstreicht Rogge. Das derzeitige HKK mit seinen beiden Häusern müsse in seinen Leistungen so entwickelt werden, dass es bei einem Umzug auf neuestem Stand sei. Das schlägt sich beispielsweise in Investitionen in Höhe von 3,1 Millionen Euro in Walsrode nieder, wo ein dritter Kreißsaal entsteht und die Intensivstation auf 126 Betten ausgebaut wird.

Und auch in Soltau wird sich etwas tun: Nachdem die komplette Chirurgie im Februar 2017 aus der Böhmestadt nach Walsrode verlegt worden war, kehrt zum Ende des Jahres der Bereich der Unfallchirurgie zurück. Hintergrund dafür: Das Soltauer Krankenhaus soll nicht nur die Grundversorgung, sondern auch die Not- und Unfallversorgung im eher dünnbesiedelten ländlichen Raum gewährleisten. Nach einer neuen Regelung müssen dafür jedoch nicht nur eine Notaufnahme, sondern auch Chirurgie/Unfallchirurgie und Innere Medizin sowie eine Intensivstation mit mindestens sechs Betten vorgehalten werden. Ist dies der Fall, fließen ab 2020 400.000 Euro als Sicherstellungszuschlag ans HKK. Falls nicht, drohen Abzüge in Höhe von rund 300.000 Euro. Hier kündigt Rogge nicht nur den Umzug der Unfallchirurgie nach Soltau, sondern auch die Einrichtung von acht Intensivbetten an.

Darüber hinaus gibt es weitere Pläne für das HKK in der Böhme­stadt: „Wir werden die Geriatrie und das psychiatrische Angebot ausbauen“, so der Geschäftsführer. Außerdem soll die psychiatrische Tagesklinik von ihrem derzeitigen Standort in der Viktoria-Luise-Straße ins Soltauer Krankenhaus umziehen. Dazu Rogge: „Bis Ende 2020 werden die Stationen in Soltau wieder belegt sein, denn wir wollen beide Häuser so fördern, dass sie beim Übergang ins neue Klinikum gut entwickelt sind.“

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