Unterstützung für Schwangere

Diakonisches Werk Soltau bietet seit August Konfliktberatung nach §219 an

Unterstützung für Schwangere

Bereits zum 1. August erhielt die Geschäfts- und Beratungsstelle des Diakonischen Werkes Soltau die erforderliche Anerkennung des Niedersächsischen Landesamtes für Soziales, Jugend und Familie, um Schwangerschaftskonfliktberatung gemäß § 219 StGB (Strafgesetzbuch) anbieten zu können. Damit haben Schwangere und ihre Familien in Soltau eine weitere Anlaufstelle, wenn sie Hilfe benötigen. Ebenfalls im Kirchenkreis Soltau berät bereits seit vielen Jahren die Evangelische Ehe- und Lebens-beratungsstelle Hermannsburg, die auch über Außenstellen in Soltau und Bergen verfügt, zu diesem Themenbereich; wie ihre Vorgängerin, hat auch die neue Leiterin Ina Reichinger - seit April auf diesem Posten - die entsprechende Ausbildung.

Über das neue Angebot im Haus der Kirche im Soltauer Rühberg freute sich Superintendent Heiko Schütte, der gemeinsam mit Karin Böckmann vom Diakonischen Werk Soltau, Ina Reichinger und Dagmar Welke von der Ehe- und Lebensberatungsstelle Hermannsburg am Donnerstag, den 21. November, zum Pressegespräch eingeladen hatte - um die Beratungsstellen, die beide in Trägerschaft des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Soltau liegen, mit ihren Teams und Beratungsmöglichkeiten vorzustellen. Zur Seite stehen die Stellen allen Ratsuchenden, unabhänig von Religion, Nationalität und Alter - auf Grundlage des christlichen Verständnisses, alle, die um Hilfe bitten, zu begleiten, wie Schütte unterstrich.

Zwar gebe es, erklärte Karin Böckmann, bereits verschiedene andere Einrichtungen, die in Soltau Beratung bei Schwangerschaftskonflikten anbieten - doch eine Trägervielfalt sei wichtig, und beim Diakonischen Werk sei dieses Angebot „gut aufgehoben“. Sie selbst hat eine entsprechende Ausbildung und kann nun, seit der Anerkennung durch das Niedersächsische Landesamt, auch Schwangere und ihre Familien beraten. Wie die Evangelische Ehe- und Lebensberatungsstelle, darf auch Böckmann auf Wunsch den für einen Schwangerschaftsabbruch erforderlichen Beratungsschein ausstellen. Für Frauen, die sich für einen Abbruch entscheiden, stehen auch Adresslisten zur Verfügung. Tatsächlich, so Böckmann, gebe es im Bereich Soltau noch einige Mediziner, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Anderswo sehe es bereits anders aus: „Die Bereitschaft der Mediziner, sich entsprechend ausbilden zu lassen, nimmt ab“, berichtete Böckmann, und sprach von einer „Rolle rückwärts“. „Es ist wichtig, dass es diese Angebote gibt. Wir dürfen nicht zurückfallen in die 50er Jahre oder noch früher“, warnte die Sozialarbeiterin. „Man muss es den Frauen oder Paaren nicht noch schwerer machen.“

„Wir sind an der Seite der Frauen“, betonte Superintendent Schütte dazu. Ziel sei es, die Schwangeren „vor unbedachten Entscheidungen - so oder so - zu schützen.“ „Keine der betroffenen Frauen macht sich die Entscheidung leicht“, ergänzte Ina Reichinger.

Hilfe finden Schwangere in den Beratungsstellen aber nicht nur bei der Entscheidung, ob sie ihr Kind bekommen werden oder nicht: Für alle Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt stehen die Mitarbeiterinnen zur Verfügung. „Wir unterstützen bei der Vermittlung finanzieller Hilfen etwa für Umstandskleidung und Babyausstattung“, betonte Karin Böckmann. Auch Informationen zu familienfördernden Leistungen und gesetzlichen Hilfsmöglichkeiten für Familien gibt das Diakonische Werk weiter.

Daneben steht bei der Einrichtung zudem der Komplex „Kirchenkreissozialarbeit“: Das Diakonische Werk ist Ansprechpartner bei sozialrechtlichen Themen, bei persönlichen und familiären Fragen, informiert über die Möglichkeiten von Mutter-Vater-Kind- oder Frauenkuren sowie Familienerholung. Außerdem läuft in Kooperation mit der Felto-Filzwelt Soltau das Ferienprojekt „Kinder-Kulturwerkstatt“.

Menschen in schwierigen Situationen durch gezielte Beratungsangebote zu unterstützen, das ist auch das Ziel der Evangelischen Ehe- und Lebensberatungsstelle. Diese habe aber zudem einen psychologischen Schwerpunkt und sei, so die Leiterin Ina Reichinger, etwa auch Anlaufstelle für Frauen, die nach einem Schwangerschaftsabbruch unter psychischen Problemen litten: „Die können noch nach Jahrzehnten auftreten“, erklärte die Diplom-Pädagogin.

In Hermannsburg sowie den Außenstellen in Bergen und Soltau - in der Böhmestadt berät Dagmar Welke - finden alle einen Ansprechpartner, die sich in einer krisenhaften Lebenssituation befinden, die unter seelischen Problemen leiden und nicht weiter wissen, die Ehe-, Paar- oder Beziehungsprobleme haben oder in anderer Weise Lebensberatung benötigen. „Zunehmend nehmen auch junge Männer die Hilfe in Anspruch“, berichtete Reichinger. „Viele, die zu uns kommen, haben aus eigener Wahrnehmung in irgendeiner Form mit Depressionen zu tun“, so ihre Beobachtung. Psychische Erkrankungen nähmen heutzutage zu, geschuldet den modernen Arbeits-, Lebens- und Familienbedingungen.

Wer sich an die Evangelische Ehe- und Lebensberatungsstelle wenden möchte, erreicht diese telefonisch unter (05052) 3447. Wenn niemand persönlich abnimmt, so läuft auf alle Fälle ein Anrufbeantworter. Der sollte ohne Scheu genutzt werden - die Mitarbeiterinnen rufen schnellstmöglich zurück. Ein Kontakt per E-Mail ist ebenfalls möglich: beratungsstelle.hermannsburg@evlka.de. Auf einen ersten Termin sollen Ratsuchende bei der Evangelischen Ehe- und Lebensberatungsstelle dann nicht lange warten müssen.

Die Geschäfts- und Beratungsstelle des Diakonischen Werkes in Soltau ist erreichbar unter Ruf (05191) 60122. Die Bürozeiten sind Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr sowie Dienstag von 14.30 bis 16 Uhr. Rund um die Uhr ist ein Anrufbeantworter aktiv. Die E-Mail-Adresse lautet dw.soltau@evlka.de. Informationen gibt es auch im Internet unter www.kirchenkreis-soltau.de, unter „Haus der Kirche“.

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