„Urdemokratisches Modell“

Wohnungsbaugenossenschaft Soltau feiert 100jähriges Bestehen

„Urdemokratisches Modell“

„Das Modell der Genossenschaft ist ein urdemokratisches Erfolgsmodell. Der Mieter ist nicht nur Kunde, sondern auch Nachbar, der das Unternehmen trägt“, meinte Heiner Pott. Damit sang der ehemalige Verbandsdirektor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen/Bremen ein Loblied vor allem auch auf die Wohnungsbaugenossenschaft Soltau (WGS). Die nämlich feierte am vergangenen Montag in der Alten Reithalle mit zahlreichen Gästen ihr 100jähriges Bestehen, mit Landesbischof Ralf Meister als prominentem Festredner - und mit dem eigenen rockigen Song „100 Jahre WGS - Wir sind alle Genossenschaft“, komponiert und getextet von einem Mitarbeiter.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Genossenschaftsgedanke findet auch beim Feiern seinen Niederschlag. So waren am Montag neben einigen Mietern, die schon seit 50 und mehr Jahren der WGS die Treue halten, zwar vor allem Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung geladen. Doch am 9. November steht eine Feier im Heide-Park für alle Mieter auf dem Programm. Darauf verwies WGS-Aufsichtsratsvorsitzender Olaf Klang in seiner Begrüßung. Er unterstrich darüber hinaus, „daß das Prinzip Genossenschaft nur bei Vollvermietung funktioniert.“ Dazu müßten die Wohnungen allerdings attraktiv und die Mieten bezahlbar sein, was die WGS durch kontinuierliche Investitionen - von der energetischen Renovierung bis hin zur Herrichtung der Fassaden - erreicht habe: „Wir haben nahezu Vollvermietung.“ Und die wiederum ermögliche nicht nur weitere Instandhaltungen, sondern auch Neubauten.

Letztere sind derzeit hochaktuell, denn auch die WGS gehört zu den Projektpartnern, die im Bereich der Winsener Straße quasi ein neues Wohnviertel entstehen lassen wollen. Um rund 210 Wohnungen insgesamt geht es dabei. 60 davon baut die WGS für Familien, Singles und Senioren und nimmt dafür rund 13 Millionen Euro in die Hand.

Auch Bürgermeister Helge Röbbert griff dieses Thema in seinem Grußwort auf. Er verwies zunächst auf die Entwicklung Soltaus in den vergangenen 100 Jahren von einem kleinen Städtchen hin zu einem starken Mittelzentrum mit oberzentralen Teilfunktionen - eine Entwicklung, die auch die WGS begleitet habe. Derzeit gebe es eine Investitionswelle nicht nur in Gewerbe und Industrie, auch die Stadt Soltau investiere viele Millionen in Schulen, Straßen und ihre Ortschaften. Daß es in der Böhmestadt so gut laufe, sei auch der stadteigenen Ansiedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (AWS), insbesondere dem scheidenden Ersten Stadtrat Wolfgang Cassebaum zu verdanken. Röbbert weiter: „Was wir erreicht haben, haben wir auch mit der WGS erreicht.“ So sei sie auch Partnerin beim Wohnungsbauprojekt Winsener Straße: „Ich freue mich, daß ein solch großes Wohnprojekt mit örtlichen Kräften bewältigt wird.“

Die Wohnungsbaugenossenschaft, so unterstrich Pott in seinem Grußwort, schaffe für ihre Mitglieder Wohnraum, der auch sozialen Halt bedeute: „Sie müssen sich nicht von überhöhten Mieten bedroht fühlen, wie es vor allem in vielen Großstädten der Fall ist.“ Hier kritisierte der frühere Verbandsdirektor auch die große Politik: „In den vergangenen 20 Jahren ist die Entwicklung verschlafen worden - und heute fehlt das Geld für den sozialen Wohnungsbau. Ich hoffe hier auf eine Kehrtwende.“

Daß eine Wohnung oder ein Haus mehr ist als ein Platz zum Schlafen, machte der evangelische Landesbischof Ralf Meister zum Thema seiner Festrede. „Räume spiegeln Lebensgeschichten, sie bilden den festen Bezugspunkt, ohne den wir den Halt verlieren würden. Der Mensch braucht eine solche Mitte, in der er im Raum verwurzelt ist.“

Heute stelle sich die Frage, „wie wollen wir Wohnraum schaffen? Viele alte Konzepte funktionieren da nicht mehr - aber der Genossenschaftsgedanke funktioniert noch.“

Daß es unruhige Zeiten waren, in denen die WGS vor 100 Jahren das Licht der Welt erblickte, machte Geschäftsführer Ralf Gattermann noch einmal deutlich. Dabei waren es zunächst nur 28 Wohnungen, die zwischen 1919 und dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Wegen der großen Wohungsnot und der vielen Flüchtlinge war die Genossenschaft dann nach dem Krieg aber besonders gefragt, so daß bis 1959 insgesamt 500 Wohnungen zur Verfügung standen. Heute sind es rund 750.

Nach Renovierungen und Sanierungen, so Gattermann in seinem Ausblick, „werden wir uns mit dem Wohnprojekt Winsener Straße wieder verstärkt auf den Neubau konzentrieren. Es bleibt unser erklärtes Ziel, guten und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und unsere eigenen Einheiten auf mehr als 800 zu erhöhen.“

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