Vielleicht klappt's noch in diesem Herbst

Soltauer Hallenbad wird saniert / Stadtwerke ziehen vor Gericht

Vielleicht klappt's noch in diesem Herbst

Inzwischen ist mehr als ein halbes Jahr vergangenen, seit das Soltauer Hallenbad seine Pforten schließen mußte. Ursache dafür waren aufgewölbte Fliesen in allen Becken mit Ausnahme des Planschbeckens. Daß sich daran zunächst nichts geändert hat und keine Reparaturen folgten, liegt auf der Hand: Die Stadtwerke Soltau mußten zunächst die Schäden gutachterlich festhalten, um dann möglicherweise den Verursacher in Regreß zu nehmen. Außergerichtlich wird das aber nicht möglich sein, wie sich jüngst gezeigt hat. Damit kommt Bewegung in die Sache: Die Stadtwerke werden jetzt die Sanierung selbst in Angriff nehmen und hoffen, damit noch in diesem Jahr fertig zu werden.

Eigentlich wäre es den Stadtwerken lieber gewesen, sich mit den Bauverantwortlichen zu einigen. Darauf wiesen Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Ronald Begemann und Geschäftsführer Dr. Claus-Jürgen Bruhn am vergangenen Mittwoch noch einmal hin. Schließlich ist das Problem schon einmal aufgetreten und wurden seinerzeit im Rahmen der Mängelgewährleistung beseitigt, wobei ein Teil der Sanierungskosten von der Versicherung getragen wurde. Nachdem das komplett umgebaute Hallenbad 2014 an den Start gegangen war, mußte es deshalb von Anfang Dezember 2016 bis zum 1. April 2017 geschlossen bleiben. Ende August 2018 dann das Déjà-vu-Erlebnis, auf das jeder gern verzichtet hätte: Wieder wurden Fliesenschäden festgestellt - seitdem herrscht Ebbe im Hallenbad. Aber das soll sich so schnell wie möglich ändern - „eine Entscheidung, die der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 6. März getroffen hat“, so Bruhn, wobei die beiden Gesellschafter der Stadtwerke Soltau - die Stadt Soltau und die Stadtwerke Bremen - damit einverstanden seien. Und Begemann: „Es gibt damit den Konsens, mit der Sanierung zu beginnen. Die Auftragsvergabe ist momentan in Vorbereitung. Wir werden so zeitnah wie möglich starten.“

Vorausgegangen war dieser Entscheidung ein längerer Prozeß, der, so Begemann, „Monate gedauert hat, weil bestimmte Schritte einzuhalten waren“: Ortstermine mit Gutachtern und Baubeteiligten, Probeentnahmen, Stellungnahmen der Beteiligten und schließlich im Januar ein Gespräch mit den Baubeteiligten in der Soltau-Therme. Letzteres mit dem Ziel, eine außergerichtliche Lösung zu erreichen. Doch im Februar stellte sich heraus, daß niemand die Verantwortung für den Schaden übernehmen wollte, der höchstwahrscheinlich durch eine „Unverträglichkeit“ von Kleber und unter den Fliesen liegenden Folien verursacht worden ist.

Angesichts dieser Situation bereiten die Stadtwerke Soltau jetzt eine Klage vor dem Landgericht Lüneburg vor, um den Sachverhalt klären und die fünfjährige Gewährleistungsfrist nach dem Hallenbadumbau nicht verstreichen zu lassen. „Da ein solcher Rechtsstreit unter Umständen Jahre dauert und wir das Hallenbad natürlich nicht bis dahin ungenutzt lassen können, haben wir uns für eine Sanierung entschlossen. Das heißt, die Stadtwerke zahlen jetzt erst einmal alles, um es sich dann später aber zurückzuholen. Schließlich ist dies am Ende doch das Geld der Steuerzahler. Diese Kosten könnten sich auf rund 750.000 Euro belaufen“, meint Bruhn. Die Schadenssumme sei aber wesentlich höher und belaufe sich auf insgesamt mehr als zwei Millionen Euro, weil es erhebliche Einnahmeverluste gebe. Ob die letztlich erfolgreich eingefordert werden könnten, müsse sich noch zeigen. In finanzielle Bedrängnis gerieten die Stadtwerke Soltau dadurch allerdings nicht, so der Geschäftsführer.

Auch wenn es jetzt grünes Licht für die Sanierung gibt und die Auftragsvergabe vorbereitet wird, heißt dies noch nicht, daß die Arbeiten auch schnell beginnen. Schließlich sind Handwerker beim derzeitigen Bauboom schwer zu bekommen: „Es gibt beispielsweise interessierte Fliesenleger - allerdings nicht sofort“, kommentiert Volker Stegen, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke, die Lage. Deshalb, so betont Begemann, könne derzeit auch noch kein genauer Termin für die Wiedereröffnung genannt werden. Vor Herbst 2019 sei damit jedenfalls nicht zu rechnen.

Die übrigen Angebote der Soltau-Therme bleiben übrigens - wie schon in den vergangenen Monaten - von der Hallenbadschließung unberührt. Und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nach wie vor an Bord. Dazu Therme-Leiter Ronny Dechau: „Das ist gut so, denn wir können nicht auf sie verzichten und bemühen uns, sie bei Laune zu halten.“

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