Von Puppentheater bis „Pakt gegen den Papst“

Kulturwoche in Soltau: Bunte Vielfalt vom 27. bis 31. Juli bei „Zwischenspiel - Das Zelt“ im Böhmepark

Von Puppentheater bis „Pakt gegen den Papst“

Gefühlt ist die letzte Auflage von „Zwischenspiel - Das Zelt“ eine Ewigkeit her - in Wirklichkeit musste die Reihe aber nur einmal, nämlich 2020, wegen der Coronakrise aussetzen. Nun geht es wieder los: „Nach einer pandemiebedingten Pause im vergangenen Jahr findet die Kulturwoche diesen Sommer wieder wie gewohnt im Böhme-Familienpark statt“, freut sich Doreen Weber, die für die Stadt Soltau die Veranstaltungsreihe begleitet. Und für die haben sich hochkarätige Künstler angekündigt, die vom 27. bis 31. Juli auf der Bühne stehen. Sie bieten ein bunten Mix, der von Puppentheater bis zum „Pakt gegen den Papst“ reicht. Karten für die Vorstellungen der Kulturwoche gibt es noch im Vorverkauf in der Soltau-Touristik.

„Viele Künstler der unterschiedlichsten Genres haben ihr Können im Zelt bereits unter Beweis gestellt. In diesem Jahr erwarten wir wieder eine vielfältige kulturelle Mischung“, so Weber. Vier Abende, Beginn jeweils 20 Uhr, und eine Vormittagsvorstelltung für Kinder stehen auf dem Programm. „Alle vier Künstler hatten bereits zur Kulturwoche 2020 zugesagt. Keiner hat es sich nehmen lassen, dieses Jahr dabeizusein, und den Termin für die Kulturwoche 2021 direkt bestätigt“, erklärt die Mitarbeiterin der Stadt Soltau von der Fachgruppe Kultur.

Gleich zum Auftakt der Kulturwoche in Soltau wartet ein Knaller: Mit dem Auftritt von Hans-Werner Olm startet am 27. Juli die Reihe „Zwischenspiel - Das Zelt“ im Böhmepark. „Shownungslos“ heißt das Comedy-Programm, mit dem Olm in Soltau zu Gast ist - und der Titel passt zu seiner lebendigen und erfrischenden sowie geschwätzigen Boshaftigkeit. „Seine Themen sind so vielseitig wie die Darmbakterien einer durchschnittlich erfolgreichen Influencerin“, so die Ankündigung. Olm zählt zu den besten Allroundern in Sachen Volksbelustigung, Aufklärung und des gepflegten „Dazwischenkeulens“. Er parodiert, persifliert, polarisiert, popularisiert, penetriert und praktiziert am lebenden Selbst, spricht Klartext. Seine Geschichten und Texte sind so ungeschliffen, poetisch, prägnant und absurd, dass sogar das Fernsehen diese zum größten Teil ablehnt - und das schafft kaum jemand. Was aber bedeutet, dass sein Publikum in den Genuss ungefilterter Poetry-Slammerei und unzensierter Wortakrobatik kommt.

„Mademoiselle Julie & das Wunderhorn Quartett“ zeigen dann am 28. Juli mit „Schöne Welt, du gingst in Fransen“ eine Mischung aus Revue und Schauspiel. Das Ensemble lässt dabei die „Goldenen Zwanziger“ wieder aufleben, eine bunte Kulissenwelt der Cabarets und Varietés: Ein ungebrochener Lebensmut hält eine kleine Tingeltangeltruppe aufrecht - bis zu jenem schwarzen Freitag, der den Auftakt bildet zu einer weltweiten Wirtschaftskrise. Hin- und hergerissen zwischen einer frivolen „Was kostet die Welt“-Haltung und der ganz alltäglichen Not, wird hier die Stimmung der „Roaring Twenties“ neu erweckt mit Geschichten voller Sehnsucht und Witz, Charleston und verrutschter Schminke, von materieller Not und Liebeskummer. Das „Wunderhorn Quartett“ sorgt mit Stücken von Kurt Weill, George Gershwin, den Comedian Harmonists und anderen für betörende Tango- und Charleston-Arrangements.

Das junge Publikum kommt dann am 29. Juli ab 11 Uhr auf seine Kosten, wenn „Der Grüffelo“ einen Zwischenstopp bei der Kulturwoche einlegt: Heinz Lauenburger und sein „Theater mit Puppen“ präsentieren den modernen Klassiker der Kinderliteratur. Für Kinder bis zwölf Jahre ist hierbei der Eintritt frei. „Heinz Lauenburger und sein Team sind ebenfalls gern gesehene Gäste in Soltau. Auch aufgrund der langen Spielpause weilt sein Puppentheater derzeit in Kiel. Doch für eine Vorstellung am Donnerstag kommt er extra aus Kiel, um auch die Tradition in Soltau zu wahren“, hebt Weber hervor. Die Geschichte vom Grüffelo wird in spezieller Form präsentiert: Einen besonderen Reiz erhält dieses Buch als Bühnenstück - und erst Recht, wenn es mit Puppen gespielt werden, so wie jetzt erstmals von Heinz Lauenburger und seiner Frau Angelique im Theater mit Puppen. Zur Handlung: Der große Wald ist voller Gefahren. Da ist es gut, wenn man einen starken Freund hat. Und wenn man keinen hat, erfindet man sich eben einen. Die kleine Maus ist unterwegs im Wald und alle scheinen es gut mit ihr zu meinen. Der Fuchs lädt sie zur Götterspeise ein, die Eule bittet zum Tee und die Schlange zum Schlangen-Mäuse-Fest. Aber die Maus hat immer schon eine Verabredung: mit ihrem Freund, dem schrecklichen Grüffelo. Den hat sie sich zwar nur ausgedacht, aber wenn sie ihn ihren Möchte-gern-Gastgebern beschreibt, wollen die doch lieber alleine speisen. Der Grüffelo ist ein praktischer ausgedachter Freund - doch dann taucht er auf einmal wirklich auf, und sein Lieblingsschmaus, sagt er, ist Butterbrot mit kleiner Maus. Das ist nicht so praktisch. Aber was eine clevere kleine Maus ist, die lehrt auch einen Grüffelo in echt das Fürchten…

Weiter geht es dann am 30. Juli mit Andreas Englisch, der bei „Der Pakt gegen den Papst - Franziskus und seine Feinde im Vatikan“ Geschichten aus dem Nähkästchen erzählt. „Andreas Englisch, der aktuell nicht auf Tour ist, kommt direkt aus Rom, um bei der Soltauer Kulturwoche dabeizusein“, so die Mitarbeiterin der Stadt Soltau. Das Publikum kann sich freuen auf unterhaltsame, mitreißende Berichte, erzählt vom Buchautoren selbst: Seit 1987 beschäftigt sich Englisch mit dem Vatikan, und damit dem wohl rätselhaftesten Staat Europas. Als Schriftsteller hat er mehrere Bestsellerromane und Sachbücher geschrieben. Aber Englisch ist auch Journalist, der Fakten vermittelt und aktuelle Entwicklungen kommentiert. Er lebt und arbeitet mit den Bewohnern des Kirchenstaates und kennt sie weit besser als nur von kurzen Interviews oder Audienzen. Von Johannes Paul II. über Benedikt XVI. bis hin zu Papst Franziskus - sie alle begleitete Englisch auf deren Reisen. Nur ganz wenige dürfen an den Schweizer Garden vorbei hinter die Mauern - dorthin, wo das Herz der katholischen Welt schlägt. Der Autor lässt sein Publikum an der Faszination des Kirchenstaates teilhaben, ermöglicht einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des Vatikans.

Den Abschluss gestalten am 31. Juli „Emmi und Willnowsky“ mit „Music-Comedy at it’s best!“: Sie zelebrieren die monströseste Hassliebe seit Paul McCartney und Heather Mills - dabei sind sich die zwei begnadeten Entertainer für keinen Gag zu schade, präsentieren Ohrwürmer von Peter Alexander, Irving Berlin und Ralph Siegel bis hin zur „ursprünglichen Version“ von Disneys „Beauty and the Beast“ und einem überraschend zeitkritischen „Klimawandel-Rap“.

Fünf tolle Aufführungen also, und für alle gilt: „Reduzierte Besucherzahl aufgrund der noch geltenden Hygieneregeln bei Veranstaltungen“, weist Weber auf die Sicherheit hin.

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