„Vor DOS-Erweiterung lieber um Almhöhe und Innenstadt kümmern“

Jahreshauptversammlung der Soltauer Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe (IHG) mit Wahlen: Umstellung im Vorstand und Kritik an Designer-Outlet-Plänen

„Vor DOS-Erweiterung lieber um Almhöhe und Innenstadt kümmern“

„Lang hat es gedauert, die neue Soltau-Card auf den Weg zu bringen“, erklärt Hans-Jürgen Lange, „doch jetzt läuft alles“, so der Vorsitzende der Soltauer Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe (IHG) bei deren Jahreshauptversammlung am vergangenen Mittwoch in der Felto-Filzwelt. Somit stand die Bilanz fünf Monate nach dem Start der aktualisierten Bonus-Kundenkarte im Mittelpunkt der Veranstaltung. Vorstandswahlen waren ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung, und hier gab es einige Veränderungen: Nachfolger von Malte Röders als stellvertretender Vorsitzender ist Sascha Lühr, Röders wurde in den Beirat gewählt. Alter und neuer Vorsitzender: Hans-Jürgen Lange. Und der sparte nicht mit Kritik an den Plänen für eine mögliche Erweiterung des Designer-Outlets Soltau (DOS).

Mit Lühr als neuem stellvertretenden Vorsitzenden ist ein Experte in Sachen Soltau-Card in den IHG-Vorstand eingezogen: Er arbeitet seit Beginn des Projektes an der technischen Betreuung des neuen Systems mit. „Die ursprüngliche Soltau-Card war einfach alt geworden“, beschreibt er das Hauptproblem des Vorgängermodells. Das hatte die IHG vor rund 17 Jahren auf den Weg gebracht. „Wir haben schließlich viele Akzeptanzstellen verloren, weil die alten Lesegeräte einfach nicht mehr funktionierten“, so Lühr. Auch aus diesem Grund seien zum Schluss nur noch rund 700 der früheren Karten genutzt worden, fügt Wolfgang Mayer von den Soltauer Stadtwerken hinzu. Das Versorgungsunternehmen ist ebenfalls in die Entwicklung der neuen Soltau-Card eingebunden, hat sein früheres Treuetalerheft in Form einer Gold-Karte - die normale Version ist grün - in das System integriert (HK berichtete).

Ob nun grüne Soltau-Card oder Premium-Exemplar, mit der Stadtwerke-Kunden doppelt punkten - „auf beiden gibt es nur noch einen QR-Code, der an den mittlerweile rund 35 Akzeptanzstellen eingescannt wird“, erläutert Lühr, alles Weitere laufe online. Nach Vorstellung und Start des neuen Systems im Mai habe es in den vergangenen Monaten eine ganze Welle an Anmeldungen gegeben, freut sich der stellvertretende IHG-Vorsitzende: „Bis jetzt haben wir mehr als 3.200 registrierte Nutzer verzeichnet. Somit hat - rein rechnerisch - schon jeder siebte Soltauer eine Karte.“

„Und die Kunden benutzen sie auch“, so Lühr weiter: 87 Euro betrage die durchschnittliche Summe pro Einkauf, „und in fünf Monaten sind rund 748.000 Euro Umsatz über das neue Soltau-Card-System gebucht worden. Wir hoffen, bis Weihnachten die Million voll zu bekommen.“ Im kommenden Jahr solle es dann möglich sein, beim Einkauf nicht nur geldwerte Punkte zu sammeln, sondern auch Dienstleistungen und Vergünstigungen oder „kleine Geschenke“ auf die Karten „aufzupunkten“. „So möchten wir gern am 5. Dezember zum Start des ‚Soltauer Wintervergnügens‘ allen Kartennutzern einen Glühwein spendieren“, plant Lange. Er hofft außerdem, noch weitere Betriebe für das System gewinnen zu können, gern aus dem Bereichen Dienstleistung, Handwerk und Gastronomie: „50 Annahmestellen bis zum Jahresende wären toll.“

Sich als Verbund Gewerbetreibender breiter aufzustellen, sieht Lange als wichtiges langfristiges Ziel. „Und wir möchten dabei auch mit anderen noch enger zusammenarbeiten, etwa mit der Stadt. Hier warten wir schon seit Jahren auf einen neuen Citymanager als Schnittstelle zwischen Rathaus und Gewerbe.“

Langes Aufruf an Politik und Verwaltung: „Bevor es um die Erweiterung des DOS geht, sollte man sich lieber um die Schwerpunkte Almhöhe und Innenstadt kümmern.“ So leide das Fachmarktzentrum „Soltauer Alm“ enorm seit dem Weggang von Kaufland und Aldi, und auch in der City sehe er immer mehr Leerstände: „Die Almhöhe hat wirklich große Probleme. Aber auch die Fußgängerzone - immer noch die einzige im Landkreis - soll attraktiv bleiben. Wir müssen die Innenstadt vor einem weiteren Frequenzverlust schützen.“ Den habe es nämlich gegeben, so Lange, und das nicht zuletzt seit der Eröffnung des DOS im August vor sieben Jahren: „Seit 2012/2013 spüren wir die Auswirkungen.“ Und dass weniger Kunden in die Soltauer Geschäfte kommen, daran sei nicht allein der zunehmende Onlinehandel schuld.

Nun steht die DOS-Erweiterung, die kurz vor dem Ende der rot-grünen Landesregierung vor zwei Jahren vom damaligen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) noch abgelehnt worden war, wieder zur Diskussion: Nach einer Klage der Stadt Soltau und der DOS-Betreiberin Sylvie Mutschler befand diesen Sommer nun das Verwaltungsgericht Lüneburg, dass der ablehnende Ministerbescheid für ein Zielabweichungsverfahren zur DOS-Erweiterung nicht rechtskonform gewesen sei. Zudem verpflichtete das Gericht das niedersächsische Landwirtschaftsministerium, über den Antrag zum Designer-Outlet neu zu entscheiden. Nun ist die Politik in Hannover tätig geworden: Kürzlich hatten beide Regierungsfraktionen, SPD und CDU, einem Zielabweichungsverfahren zugestimmt - allerdings in Form eines Kompromisses: Statt der von Mutschler und Stadt Soltau beantragten 10.000 Quadratmeter, die einer Verdoppelung des DOS gleichkämen, geht es um zusätzliche 5.000 Quadratmeter.

„Wozu haben wir ein Niedersächsisches Landesraumordnungsprogramm“, fragt Lange, denn das erlaubt zur Tourismusförderung nur ein Factory-Outlet-Center mit maximal 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche außerhalb von Oberzentren. Das sei mit dem DOS schließlich 2012 entstanden, so der IHG-Vorsitzende, „und nun sollen geltende Verordnungen für einen einzelnen Investor einfach so ‚gekippt‘ werden.“

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