Langfristiges Niedrigeinkommen kann in Schuldenfalle führen

Kreissparkassen Soltau und Walsrode unterstützen Schuldnerberatung mit Spende

Langfristiges Niedrigeinkommen kann in Schuldenfalle führen

Während früher vor allem große Anschaffungen wie Haus oder Auto finanziert wurden, heißt es heute vielfach schon bei kleinen Dingen des Alltags: „Buy now, pay later“. „Zum Beispiel in zahlreichen -Bekleidungsgeschäften – das kann eine ganz fiese Schuldenfalle werden“, weiß Michael Göritz. Er ist für die soziale Schuldnerberatung des Diakonischen Werks Walsrode tätig und betreut Menschen, die in finanzielle Schieflage geraten sind. Gründe dafür gebe es laut Göritz viele: „Von falsch gewirtschaftet über Krankheit und Sucht bis hin zur Scheidung. Und etwas Pech ist auch immer dabei.“ Doch die Grafik des Experten, die er beim Pressetermin in der vergangenen Woche vorlegt, zeigt auch: Zwischen 2008 und 2022 haben die Fälle um fast 200 Prozent zugenommen, in denen langfristiges Niedrigeinkommen der Hauptauslöser für Überschuldung war. Eine Entwicklung, die auch den Vorständen der Kreissparkassen Soltau und Walsrode Sorge macht. Doch nicht nur deshalb überreichen sie der Einrichtung bei dem Treffen in der Böhmestadt eine Spende in Höhe von 11.200 Euro.

Es mag ein wenig paradox erscheinen, dass eine Bank, die einen Teil ihrer Einkünfte aus Krediten erwirtschaftet, gerade die Schuldnerberatung unterstützt. Doch die Sparkassen im Heidekreis geben schon seit Jahren durchaus stattliche Summen an genau diese Einrichtung (HK berichtete). Die jährliche Spende, bereitgestellt aus dem Reinertrag der Lotterie „Sparen und Gewinnen“ der Niedersächsischen Sparkassen, sei eine Besonderheit, hebt Dr. Matthias Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KSK Soltau, hervor: „Mit der Spende soll die kontinuierliche Arbeit der hiesigen Schuldnerberatung gefördert werden. Denn kein Geldinstitut hat Interesse daran, dass jemand in die Schuldenfalle abrutscht.“ Das Diakonische Werk Walsrode sei mit seinem Hilfsangebot für Ratsuchende eine wichtige Anlaufstelle.

Die verzeichne übrigens nicht nur Zulauf aus dem südlichen Heidekreis, „sondern es kommen vereinzelt auch Hilfesuchende aus dem Nordkreis zu uns, etwa aus Munster oder Soltau“, erklärt Göritz, der in diesem Zusammenhang auf das Angebot beim gemeinnützigen Verein Schuldnerberatung Lüneburger Heide in der Böhmestadt hinweist. Aktuell gebe es Überlegungen, die Angebote in Nord- und Südkreis enger zu verknüpfen, plant Superintendent Ottomar Fricke. Auch für eine künftige Zusammenführung der Schuldnerberatungen sei die Spende der KSK hilfreich, so der Leiter des Diakonischen Werks Walsrode. „Wir wollen die Schuldnerberatung zudem weiter ausbauen, denn der Bedarf ist da.“ Ihm ist aber auch wichtig: „Die Schuldnerberatung ist kein isoliertes Angebot. Denn wir bieten viele niedrigschwellige Hilfen beim Diakonischen Werk an, von der Jugendberatung bis hin zu Fragen rund das Thema Energie.“ Die Schuldnerberatung sei im umfangreichen Spektrum nur ein Baustein, wenn auch ein wichtiger.

Wie wichtig, das zeigen nicht zuletzt die von Göritz präsentierten Zahlen. Demnach betreuten die drei Kräfte der Walsroder Schuldnerberatung immer mehr Fälle: Habe die Einrichtung 2020 noch 39 Neuanmeldungen, 85 aktive Beratungsprozesse und 29 beendete Fälle gezählt, so seien die Zahlen in den vergangenen zwei Jahren gestiegen auf 90 (2021) und 67 (2022) Neuanmeldungen, 110 (2021) und 108 (2022) aktive Beratungsprozesse sowie 53 (2021) und 69 (2022) abgeschlossene Fälle. „Und der aktuelle Verschuldungsgrund Nummer 1 in Deutschland ist noch vor Arbeitslosigkeit und Trennung ein dauerhaftes Geringeinkommen. Das betrifft nicht nur jene, die SGB II beziehen, sondern auch immer mehr Menschen mit Niedriglohneinkommen“, so Göritz. Er betreue zum Teil Klienten mit einem Nettoeinkommen zwischen 1.000 und 1.500 Euro pro Monat, die die immer weiter steigenden Kosten für Lebensmittel und Energie kaum noch stemmen könnten. „Wenn sie dann noch Kinder haben, bleibt einfach nichts übrig.“

Nicht zuletzt in solchen Fällen sei die Schuldnerberatung auch für jene da, die aktiv werden möchten, bevor sie an den finanziellen Abgrund kommen: „Wir bieten auch eine Erstberatung und einen damit verbundenen Kosten-Check an, bei dem wir vom Handytarif bis hin zu anderen laufenden Posten für Lebenshaltung alles gemeinsam durchgehen und schauen, wo es Einsparmöglichkeiten gibt“, erklärt Göritz. Für ihn gehören außerdem Besuche in Schulen zu den Aufklärungsmaßnahmen, um bereits bei der jungen Generation das Bewusstsein für den Umgang mit Geld zu schärfen.

„Wir müssen als Gesellschaft mehr tun und stärker aufklären. Prävention ist in diesem Bereich äußerst wichtig“, hebt Matthias Schröder, KSK-Vorstandsvorsitzender aus Walsrode, hervor. „Wir schätzen den proaktiven Aspekt“, fügt sein Amtskollege aus Soltau hinzu. Bei Beratungen sei laut Bergmann besonders wichtig zu vermitteln: „Man kann nur das Geld ausgeben, das einem zur Verfügung steht.“

Logo